"Diese blöde Gehaltskurve zugunsten Junger ändern"

8. März 2009, 17:13
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Auch die Lehrergewerkschaft fordert ein neues Gehaltsschema – Donnerstagfrüh nächstes Treffen mit der Ministerin

Wien - Im Streit zwischen Lehrergewerkschaft und Bildungsministerin tauchte am Sonntag ein Punkt auf, in dem sich die zwei Konfliktparteien einig sind - im Prinzip zumindest: ein neues Gehaltsschema für Lehrerinnen und Lehrer.

"Das wollen wir schon lange" , reagierte der Chef der Pflichtschullehrergewerkschaft und Sprecher der ARGE Lehrer, Walter Riegler, im STANDARD-Gespräch auf Ministerin Claudia Schmieds Ansage, wonach sie "will, dass Lehrer schon bald anders bezahlt werden" . In der Zeitung Österreich sagte Schmied, sie wolle einen "All-in-Vertrag für Lehrer mit attraktiveren Einstiegsgehältern" einführen anstelle des "überaus komplexen Dienst- und Besoldungsrechts, wo vieles in Stunden, in Zulagen und Prüfungstaxen gedacht wird".

Nur her damit, lautet die Position der Lehrer, "wenn die Verträge attraktiv sind, soll's uns recht sein" , sagt Gewerkschafter Riegler, "diese blöde Gehaltskurve zugunsten der Jungen zu ändern, fordern wir seit mehr als einem Jahrzehnt."

Bis jetzt aber erfolglos. Was wohl auch daran liegt, dass es in den ersten Jahren der Umstellung teurer wäre, denn den älteren Pädagogen würde ja nichts weggenommen, aber die neuen Jungen wären vergleichsweise teurer als jetzt.

Wer 2008 als Volksschullehrerin begonnen hat, erhält ein Einstiegsgehalt von 1839 Euro brutto. In der Mitte der 18-stufigen Gehaltsleiter auf Stufe 10 werden es rund 2600 Euro sein, rechnet Riegler vor ("in 20 Jahren ein Gehaltsplus von 800 Euro" ), nach 38 Dienstjahren bleibt ein Endgehalt von 3821 Euro.

Zulagen für Zweisprachigkeit

Und was hat es mit den viel zitierten Zulagen für Lehrer auf sich? Machen die das Lehrergehalt fett? Laut Gewerkschaftschef Riegler, selbst Volkschullehrer, hat "der Großteil der 35.000 Volksschullehrerinnen und -lehrer maximal eine Zulage" zu ihrem Grundgehalt.

So schlägt beispielsweise eine Klassenvorstandszulage mit rund 70 Euro mehr am Gehaltszettel zu Buche, für Mehrstufenunterricht, zweisprachigen Unterricht in Kärnten und dem Burgenland, "Besuchsschullehrer" , die Studierende ausbilden, oder Lehrer, die Erziehertätigkeiten in Internaten leisten, gibt es pro Monat zwischen 40 und 60 Euro an Zulagen extra. Pflichtschuldirektoren bekommen je nach Schulgröße zwischen 193 bis 500 Euro zum Lehrergehalt.

Hauptschultypische Zulagen sind für leistungsdifferenzierte Gruppen in Deutsch, Mathematik und Englisch oder die Koordinierung dieser Hauptfächer zwischen einzelnen Klassen (je 60 Euro).

Das nächste Treffen der Lehrergewerkschaft mit Schmied wurde von dieser übrigens für Donnerstagfrüh angesetzt - jenem Tag, an dem an allen Schulen Dienststellenversammlungen stattfinden. (Lisa Nimmervoll/ STANDARD,Printausgabe, 9.3.2009)

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