Pröll wäre ernster Konkurrent für Fischer

8. März 2009, 17:05
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Österreicher wollen bei Bundes­präsidentenwahl Kandidaten von beiden Großparteien - EU-Kom­mis­sar genießt wenig Prestige

Linz - Heinz Fischer will sich noch Zeit lassen mit seiner Entscheidung, ob er für eine weitere Funktionsperiode das Amt des Staatsoberhauptes auf sich nehmen will. Und solange der amtierende Bundespräsident seine Pläne nicht kundgetan hat, geben sich auch die Parteien (und erst recht mögliche Kandidaten) für den Job in der Hofburg zurückhaltend.

Eine Umfrage des Linzer market-Instituts für den STANDARD zeigt allerdings, dass diese Zurückhaltung in der Bevölkerung wenig Verständnis findet. Und: Wie die Grafik links zeigt, kristallisiert sich mit Erwin Pröll ein Kandidat aus der Schar der möglichen Fischer-Nachfolger heraus.

"Die Menschen wollen wählen können, sie erwarten sich, dass die Parteien gute Kandidaten aufstellen" , sagt market-Studienleiter David Pfarrhofer.

Dies gilt nicht nur für die Präsidentenwahlen, sondern auch für andere hohe Funktionen.

DER STANDARD ließ bei market abfragen, welche politischen Ämter unabhängig vom derzeitigen Amtsinhaber "viel Prestige" bringen: An erster Stelle steht die Funktion des Bundespräsidenten: Sie bedeutet in den Augen von 73 Prozent viel Prestige, bei weiteren 19 "etwas Prestige" und nur bei sechs Prozent "weniger Prestige" . Bei drei Prozent hat das Staatsoberhaupt "gar kein Ansehen" .

Wenige Prestige für Brüsseler Kommissare

Ganz anders ist es, wenn man nach dem Ansehen eines EU-Kommissars fragt: Diese Funktion genießt nur bei 18 Prozent "viel Prestige" (vor allem bei jüngeren, gut gebildeten und weiblichen Befragten), bei 41 Prozent immerhin "etwas Prestige" . Jeder dritte Befragte sieht in der hohen EU-Funktion allerdings weniger, jeder elfte sogar gar kein Ansehen.

Beide Funktionen sind in den nächsten Monaten zu besetzen. Bei der Nominierung eines Kandidaten für die EU-Kommission erwarten 67 Prozent der Befragten, dass die SPÖ (die eigentlich schon abgewinkt hat) einen eigenen Vorschlag aufs Tapet bringt - neun von zehn SPÖ-Anhängern sind für einen SPÖ-Kandidaten. 69 Prozent der Befragten wünschen sich einen Vorschlag der ÖVP und 35 Prozent einen von den Grünen.

"Aber auch von den eher EU-skeptischen Parteien würde man nicht ungern wissen, wer es denn eigentlich besser machen würde" , kommentiert Pfarrhofer die Daten: 32 Prozent würden gerne einen freiheitlichen Vorschlag hören, wer denn EU-Kommissar werden könnte (unter den deklarierten Freiheitlichen ist dieser Wunsch besonders ausgeprägt). Ähnlich ist das beim BZÖ (28 Prozent).

Wenn es um die Bundespräsidentenwahl im kommenden Jahr geht, so wünschen 77 Prozent, dass die SPÖ jemanden nominiert - wenn Heinz Fischer Ja sagt, dann wäre es wohl wieder er.

Dennoch sagen 67 Prozent, dass auch die ÖVP einen Kandidaten aufstellen soll. Besonders stark ist dieser Wunsch in der ÖVP-Anhängerschaft ausgeprägt. Von den SPÖ-Wählern sagt nicht einmal jeder dritte, die ÖVP sollteauf eine Kandidatur verzichten. 28 Prozent wollen einen grünen Kandidaten, 25 Prozent einen freiheitlichen und 21 Prozent einen vom BZÖ.

Die konkrete Frage, ob es die möglichen Kandidaten besser oder wenigstens gleich gut machen würden wie Amtsinhaber Heinz Fischer, ergibt: Nur Niederösterreichs Landeshauptmann Pröll wird das bisher zugetraut. 18 Prozent halten Pröll für besser als Fischer, 43 Prozent meinen, er wäre etwa gleich gut geeignet.

Von Barbara Prammer, im Präsidium des Nationalrats Nachfolgerin Fischers und eine mögliche SPÖ-Kandidatin, sagen 57 Prozent, sie reiche nicht an Fischer heran. Ähnlich sind die Einschätzungen von Michael Häupl und Alexander Van der Bellen. Wenig Widerstand (bei geringer Bekanntheit) gäbe es gegen Rechnungshof-Präsident Josef Moser. (Conrad Seidl/STANDARD,Printausgabe, 9.3.2009)

Kommentar

Kandidaten dringend gesucht - von Conrad Seidl

  • 18 Prozent halten Erwin Pröll für besser als Bundespräsident Fischer.
    foto: standard/christian fischer

    18 Prozent halten Erwin Pröll für besser als Bundespräsident Fischer.

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