Anschlag auf Kaserne: Zwei Tote britische Soldaten, vier Verletzte

8. März 2009, 10:48
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Vor Kaserne fielen Schüsse aus vorbeifahrendem Auto als Opfer Lieferung eines Pizzadienstes entgegennahmen

Belfast/London - Nach zwölf Jahren ist die Terrorangst in Nordirland zurück. Am Samstagabend kamen zwei britische Soldaten bei einem Terrorangriff in der einstigen Krisenregion ums Leben. Sie wurden vor einer Kaserne in der Grafschaft Antrim nordwestlich von Belfast erschossen, vier weitere Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt. Die Täter hatten nach Angaben der Polizei die Schüsse aus einem Auto abgefeuert. Obwohl sich zunächst niemand zu dem Anschlag bekannte, machten Politiker extremistische Republikaner für die Tat verantwortlich, die den Friedensprozess bekämpfen.

Die bisher unbekannten Täter eröffneten das Feuer vermutlich aus Maschinengewehren, als ihre Opfer vor der Kaserne Pizza von einem Lieferdienst entgegennahmen. Anders als zunächst von Medien zunächst berichtet, waren die Täter nicht als Lieferanten getarnt. Unter den Verletzten waren nach neuen Angaben der Polizei auch die zwei Mitarbeiter des Pizza-Lieferdienstes. Einer der Verletzten schwebte am Sonntag in Lebensgefahr. Ermittlungsleiter Derek Williamson sagte, es habe sich um einen "versuchten Massenmord" gehandelt.

Die Angreifer schossen nach Polizeiangaben noch einmal auf ihre Opfer, als diese bereits am Boden lagen. Er habe zwei langanhaltende Gewehrsalven gehört, sagte ein Ohrenzeuge. Die Attentäter waren offenbar dem Wagen des Pizza-Services bis vor die Massereene-Kaserne in Antrim westlich von Belfast gefolgt. Nach den Schüssen flohen sie in ihrem Wagen. Das Auto wurde später verlassen aufgefunden.

Premier Brown spricht von "feigem" Anschlag

Die Regierungen in Nordirland, Irland und Großbritannien verurteilten den Angriff als "Barbarei". Der britische Premierminister Gordon Brown nannten den Anschlag "feige" und mahnte zum Erhalt des Friedens. "Kein Mörder wird in der Lage sein, den Friedensprozess zu behindern, der von den Menschen in Nordirland unterstützt wird", sagte er. Der nordirische Ministerpräsident Peter Robinson verschob eine Reise in die USA. Die Bluttat sei "eine schreckliche Mahnung an die Vergangenheit", sagte er.

Die nationalistische katholisch-republikanische Sinn-Fein-Partei verurteilte den Anschlag heftig und sprach von einer "falschen und kontraproduktiven Tat". "Die dafür Verantwortlichen genießen keine Unterstützung und haben keine Strategie, um ein vereintes Irland zu erreichen", erklärte ihr Vorsitzender Gerry Adams. "Ihre Intention ist wohl jene, die britischen Soldaten wieder zurück auf die Straße zu bringen. Sie wollen die jüngsten Fortschritte zerstören und Irland zurück in den Konflikt versetzen", kritisierte der Sinn Fein-Chef.

Der Präsident des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering, sprach von einer "verabscheuungswürdigen Tat". Der Anschlag sei auch ein Angriff auf die demokratischen Institutionen in Nordirland und auf die Grundlage eines freien und demokratischen Zusammenlebens der Bevölkerung, betonte der Parlamentspräsident in einer in Brüssel verbreiteten Erklärung.

Krisenregion Nordirland

In der damaligen Krisenregion im Norden der Republik Irland kam es jahrzehntelang zu blutigen Kämpfen zwischen pro-britischen Protestanten und republikanischen Katholiken, die für eine Abspaltung von der britischen Krone und für eine Vereinigung mit der Republik Irland eintraten. Seit den 1960er Jahren fielen mehr als 3.500 Menschen dem Terror von Gruppen wie der IRA zum Opfer. 1998 leitete das Karfreitagsabkommen den Friedensprozess ein. Der bisher letzte britische Soldat kam 1997 bei einem Attentat der IRA ums Leben.

Erst kürzlich hatte der nordirische Polizeichef Sir Hugh Orde vor der Möglichkeit eines schweren Terroranschlags gewarnt. Auch kam es in den vergangenen Monaten immer wieder zu Angriffen auf Polizisten. Sicherheitskräfte hatten erst vor wenigen Wochen eine fast 140 Kilogramm schwere Bombe in der Nähe einer Kaserne entschärft. Die Regierung in London hatte zuletzt auch die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Medienberichten zufolge könnten Abspaltungen der IRA für den Angriff verantwortlich sein.

Die Gegend um die Kaserne wurde am Wochenende abgeriegelt, und Sicherheitskräfte begannen eine groß angelegte Suche nach den Attentätern.

In Nordirland ist seit etwa zwei Jahren eine Koalitionsregierung aus einst verfeindeten Protestanten und Katholiken an der Macht. Deren Vereidigung wurde damals als historischer Schritt gefeiert. Der Anschlag wirft nun auch Fragen über die Stabilität dieser Regierung auf. Der britische Nordirlandminister Shaun Woodward verurteilte das Attentat als einen "Akt krimineller Barbarei". Den Tätern werde es aber nie gelingen, den politischen Prozess in Nordirland zu stoppen. (APA/dpa/Reuters/AP)

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    Die Polizei sperrte die Gegend rund um die Kaserne weitläufig ab.

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