Krawalle in Malmö

7. März 2009, 17:25
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Mindestens fünf Festnahmen bei Protesten gegen die israelische Politik bei Davis Cup

Malmö - Steinwürfe von Randalierern, Festnahmen und ein Polizist mit gezückter Schusswaffe bei den schwedischen Protesten gegen Israels Auftritt im Davis Cup: Krawalle rund um die hermetisch abgeriegelte Baltische Halle in Malmö haben am Wochenende wie befürchtet die Erstrunden-Partie zwischen Schweden und Israel im bedeutendsten Tennis-Mannschaftswettbewerb überschattet. Nach dem 2:1-Vorsprung der Gastgeber mussten die beiden abschließenden Einzel am Sonntag wie die Begegnungen zuvor ohne Zuschauer ausgetragen werden.

Am Vortag hatten 6.000 Demonstranten unter dem Motto "Stoppa Matchen!" ("Stoppt das Match!") friedlich gegen Israels militärisches Vorgehen gegen die palästinensische Zivilbevölkerung in Gaza demonstriert. Eine kleine Gruppe von maskierten Angehörigen der Autonomen-Szene attackierte aus der Demonstration heraus Polizisten mit Steinwürfen, Knallkörpern und Leuchtraketen. Zur Verteidigung eines immer wieder mit schweren Pflastersteinen angegriffenen Mannschaftsbusses zog ein Beamter seine Pistole. Einer der fünf festgenommenen Teilnehmer an den Krawallen blieb auch am Sonntag in Untersuchungshaft.

Der israelische Profi Andy Ram bezeichnete die Krawalle als "traurigen Moment für das Tennis, den Sport und für Israel". "In meiner ganzen sportlichen Karriere bin ich niemals einem solchen Hass und einer solchen Vermischung von Sport und Politik begegnet", schrieb Ram in einem Artikel für die auflagenstärkste israelische Zeitung "Jediot Achronot". "Diese Ereignisse haben meine Sicht von Schweden vollständig verändert, und ich habe Zweifel, ob ich jemals hierher zurückkehren will."

Der Kulturausschuss des Malmöer Stadtrates hatte den Ausschluss von Zuschauern teils mit Sicherheitsbedenken und teils als Unterstützung für die Proteste gegen Israel begründet. Schwedens liberaler Schulminister Jan Björklund warf dem sozialdemokratischen Bürgermeister von Malmö, Ilmar Ilmar Reepalu, vor, er habe mit "feindseligen Äußerungen sowohl links- wie rechtsextreme Kräfte gegen junge jüdische Tennisspieler aufgehetzt".

Die Schweden Simon Aspelin und Robert Lindstedt gewannen nach 1:1-Zwischenstand das Doppel gegen Amir Hadad und Andy Ram in vier Sätzen. Bei allen Spielen hatten Tausende Polizisten das Gelände rund um die Baltische Halle abgeriegelt. Abschließend standen am Sonntag die Einzel zwischen dem Schweden Thomas Johansson und Dudi Sela sowie Andreas Vinciguerra gegen den Israeli Harel Levy auf dem Programm. (APA/dpa)

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    Schwedische Polzei und pro-palestinensische Demonstranten.

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