Peking will kein unabhängiges "Groß-Tibet" zulassen

7. März 2009, 22:14
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Außenminister Yang kritisiert Dalai Lama - Vorwurf von geplanten Vertreibungen - Demonstration in London

Peking - China hat dem Dalai Lama vorgeworfen, ein unabhängiges "Groß-Tibet" auf einem Viertel des chinesischen Territoriums errichten zu wollen. Das tibetische Exil-Oberhaupt wolle "alle Chinesen und andere ethnische Gruppen, die seit Generationen in Tibet leben", sowie die chinesischen Streitkräfte aus diesem Gebiet vertreiben, warf der chinesische Außenminister Yang Jiechi am Samstag dem im indischen Exil lebenden Friedensnobelpreisträger vor. Auf einer Pressekonferenz am Rande der Jahrestagung des Nationalen Volkskongresses in Peking bezog sich Yang offensichtlich auf ein exiltibetisches Memorandum mit der Forderung nach "echter Autonomie", das Vertreter des Dalai Lama im Vorjahr vorgelegt hatten. China wolle verhindern, dass Tibet von seinem Territorium abgetrennt werde.

"Politischer Exilant"

Vor dem 50. Jahrestag des von China blutig niedergeschlagenen tibetischen Volksaufstands verteidigte Yang auch die wiederholt heftigen Reaktionen der chinesischen Regierung auf Treffen hoher ausländischer Politiker mit dem Dalai Lama. "Der Dalai Lama ist keineswegs nur eine religiöse Figur, sondern ein politischer Exilant." Andere Regierungen sollten dem Dalai Lama nicht erlauben, ihre Länder für seine "separatistischen Aktivitäten" zu benutzen.

Unruhen angezettelt

Im November war die letzte Gesprächsrunde zwischen Bevollmächtigten des Dalai Lama und der chinesischen Regierung ergebnislos abgebrochen worden. Peking warf dem 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso, vor, einen "Geheimplan" zur Erlangung der Eigenstaatlichkeit Tibets zu verfolgen. Die chinesische Führung hatte den Gesprächen mit der Exilführung im Vorfeld der Olympischen Spiele in Peking unter internationalem Druck zugestimmt. Zuvor hatte Peking den Dalai Lama beschuldigt, die schweren Unruhen vom März des Vorjahres angezettelt zu haben.

Demonstration in London für Tibet

Mehr als 1.000 Menschen haben am Samstag in London gegen die chinesische Herrschaft in Tibet demonstriert. Die Teilnehmer eines Protestmarsches durch das Zentrum der britischen Hauptstadt hielten Banner mit Aufschriften wie "Stoppt die Folter in Tibet" oder "China hat mein Land, meine Stimme, meine Freiheit gestohlen" und trugen tibetische Flaggen.

Chinas kommunistische "Volksbefreiungsarmee" war 1950 in Tibet einmarschiert; im März 1959, nach der Niederschlagung der Volkserhebung, waren der 14. Dalai Lama und die tibetische Regierung mit mehr als 100.000 Landsleuten über die Grenze nach Indien geflohen. Erst 1965 wurde von den Kommunisten die "Autonome Region" Tibet errichtet, nachdem große Landesteile im Osten und Norden an die Nachbarprovinzen angegliedert worden waren. Der Dalai Lama hat Peking wiederholt schwere Menschenrechtsverstöße in seiner Heimat vorgeworfen, unter anderem Zwangsabtreibungen und Zwangssterilisationen. Die chinesische Siedlungspolitik in Tibet verurteilte er als "kulturellen Völkermord". Die massive Ansiedlung von Han-Chinesen sei eine "demografische Aggression", um die Tibeter zur Minderheit im eigenen Lande zu machen. (APA/dpa)

 

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