Michael Häupls Hundertprozentige

6. März 2009, 18:54
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Gratiskindergarten, Sport , Prater: Alles fällt in das Ressort von Grete Laska - Nicht alles funktioniert, doch der Bürgermeister hält eisern zu ihr

Wien - Es war einer dieser typischen Tandemauftritte: Gleich zu Beginn der Klubklausur der Wiener SPÖ hatte Wiens Bürgermeister Michael Häupl den Knalleffekt, der ihn vorne strahlen ließ - und die zuständige Stadträtin Grete Laska in seinen Schatten verwies: "Gratiskindergarten für alle" - Häupl als dramaturgisch perfekt eingesetzter "Deus ex Machina", der die Sprach-, Betreuungs- und Integrationsprobleme einer ganzen Stadt mit einem Handstreich löst. Und dahinter Laska, die dann die Details erklären darf.

Es ist davon auszugehen, dass Grete Laska dies nicht besonders gestört hat. Erstens ist das von jeher so im Häupl-Wien: Die guten Nachrichten verkündet der Chef. Zweitens stellt sich der Bürgermeister dafür bei jeder Gelegenheit vor seine "Vize". Und Gelegenheiten gab es in den vergangenen Monaten wahrlich genügend.

Die Opposition macht Laska in Permanenz für das "Pratervorplatz-Debakel" verantwortlich und fordert sie zum Rücktritt auf. 60 Millionen Euro hat die (ästhetisch und architektonisch umstrittene) Umgestaltung des Entrees zum Wurstelprater gekostet, das Geld ist weg, die ausführende Firma in Konkurs, und auch das Kontrollamt kritisierte Managementfehler. Einmal mehr hieß es, Laskas politische Tage seien gezählt. Faktum ist, Grete Laska ist immer noch Vizebürgermeisterin. Sie dementiert jedes Gerücht um "Amtsmüdigkeit" und sagt, "aus heutiger Sicht" werde sie wohl bei den Landtagswahlen 2010 wieder kandidieren.

Grete Laska (58), Ex-Hauptschullehrerin, Vizebürgermeisterin und amtsführende Wiener Stadträtin seit 1994, ist eine der mächtigsten Frauen Wiens. Kaum ein Lebensbereich reicht nicht in ihre Zuständigkeit: vom Kindergarten über Schule, Volkshochschule und Jugendwohlfahrt, bis hin zum Sport und dem finanziell üppig ausgestatteten "Presse- und Informationsdienst der Stadt Wien" (PID). Seit 25 Jahren ist sie in der Kommunalpolitik und zweifellos das, was Briten ein "tough cookie" nennen. So schnell wirft sie nichts um. Wenn es politisch eng wird, stellt sie den Kragen ihrer Bluse auf und pflügt durch den Sturm. Geradeaus, unbeirrt, nur die Augen ein wenig schmaler als sonst.

Laskas Büro im 1. Stock, gleich neben dem Bürgermeister, wirkt eher einschüchternd denn einladend. Holztäfelung, schwere Möbel, gedeckte Farben. Einladend wirkt auch die Gastgeberin nicht: Grete Laskas Umgang mit Medien ist reserviert und tendenziell misstrauisch. Dabei ist sie, auf trockene Art, nicht unwitzig: "Ich habe den Aufstieg von der jüngsten Gemeinderätin zur ältesten Stadträtin geschafft", sagt Laska ohne einen Mundwinkel zu heben. Dann kommt aber, was bei Politikern immer kommt: Sie habe stets nur "Gestalten" und "den Kontakt mit den Menschen" gewollt. Daher habe sie sich auch nie um eine bundespolitische Position bemüht - "das ist mir zu weit weg".

"Weit weg" sei Laska freilich auch so von der Realität, sagt Susanne Jerusalem, Bildungssprecherin der Wiener Grünen. Seit Jahren negiere die Stadträtin die Tatsache, "dass wir in dieser Stadt ein Problem im Bildungsbereich haben". Desolate Schulgebäude, übervolle Kindergärten, mangelnde Deutschkenntnisse von Taferlklasslern, qualitativ mangelhafte Nachmittagsbetreuung - all das habe Laska verschuldet, schimpft Jerusalem. Kritik an ihrer Politik pflege sie vom Tisch zu fegen.

Stattdessen pflege sie "rote Freunderlwirtschaft". Brigitte Kopietz, die Frau des Gemeinderatsvorsitzenden, Ex-Landesparteisekretärs und langjährigen Häupl-Intimus Harry Kopietz, leitet den "Verein Wiener Kinder- und Jugendbetreuung". Laskas erster Ehemann Reinhard Dumser war bis vor kurzem Bezirksschulinspektor in Wien.

Unter Freunden

Ihr zweiter Ehemann Helmut Laska ist Geschäftsführer der "A.W.H.-Beteiligungsgesellschaft". Die A.W.H. ist Teil des V.W.A., des "Verbands Wiener Arbeiterheime", dem ebenfalls Helmut Laska vorsteht. Zum Verband zählen mehrere Werbe- und Veranstaltungsagenturen sowie diverse Bauträger - vor allem die "Sozialbau AG", die mit rund 45.000 Wohnungen der größte private Hausherr Österreichs ist. Der Verbands-Tochter A.W.H. gehört nicht nur dem Echo-Verlag, der das in allen U-Bahnen hängende VOR-Magazin herausgibt, sondern auch dem VWZ-Zeitschriftenverlag, der die Wiener Bezirksblätter (Auflage: 700.000 Stück) in alle Haushalte der Stadt bringt. Der PID wiederum vergibt die Inseraten-Etats der Stadt - und Grete Laska ist in letzter Instanz dafür verantwortlich.

Helmut Laska, Typus ergrauter Seebär mit Ohrstecker, schüttelt den Kopf, wenn er das Wort "Unvereinbarkeit" hört: "Wir trennen das strikt", sagt er. Daheim bei Laskas werde nicht über "das G'schäft" gesprochen. Zudem mische er sich nicht in das "Tagesgeschäft" seiner Tochterfirmen ein: "Das ist Sache meiner Geschäftsführer, die bewerben sich ganz normal um Aufträge, und wenn sie gut sind, bekommen sie die auch." Den Vorwurf etwa des ÖVP-Kontrollausschuss-Mitglieds Günter Kenesei, dass Tochterfirmen der A.W.H. von der Stadt als "besonders gut" eingestuft und mit Aufträgen förmlich zugeschüttet würden, versteht Laska nicht: "Im Gegenteil, ich habe den Eindruck, wir werden besonders streng beurteilt."

Grete Laskas Verständnis für solcherart politisch-moralische Fragen ist ebenfalls ein bedingtes: "Warum kritisieren alle, wenn die SPÖ florierende Wirtschaftsunternehmen unterhält, und niemand findet etwas dabei, dass die ÖVP ihren Einfluss auf fast alle Wirtschaftsbereiche ausbreitet."

Am Bürgermeister ist jedes Argument gegen Grete Laska bis dato abgeprallt, er verdankt ihr auch einiges. 1994, als sich das Machttandem Helmut Zilk / Hans Mayr auf das Altenteil zurückzog, sah es für Nachfolger Michael Häupl gar nicht gut aus. Den Wienern war fad in ihrer Stadt, die Ostöffnung beunruhigte sie, das "rote Wien" schwächelte. Grete Laska, auch dafür zuständig, hat den Wienern etwas zum Feiern gegeben: Eistraum, Silvesterpfad, das Opernfestival auf dem Rathausplatz samt Fressständen - all das, was nicht nur Touristen an Wien mögen, hat unter ihrer Ägide funktioniert. So etwas vergisst Häupl nicht, auch wenn über Laskas letztes Großprojekt, die EURO-Fanzone, viel gelästert wurde.

Laska galt bei den Genossen immer als "Hundertprozentige", obwohl sie einst, in der Langeweile einer Jugend im Beamten-Wohnbereich "Arsenal" im dritten Bezirk, sogar bei der Jungen ÖVP war. "Die haben damals Partys geschmissen", sagt Laska und grinst: "Als ich Gemeinderätin wurde, reklamierte die ÖVP, dass ich eigentlich zu ihnen gehöre." Das würde die Wiener ÖVP heute wohl nicht mehr tun.

Helmut Laska kann die Kritik an seiner Frau nicht verstehen. Grete sei "immer für alle da". Ein Beispiel: An ihren raren freien Wochenenden stehe sie schon mal stundenlang in der Küche, "um für das halbe Rathaus Mozartknödel zu machen". Es wird wohl nicht zuletzt an Freund Häupl liegen, ob Grete Laska künftig mehr Zeit zum Knödelformen haben wird. Bis jetzt deutet nichts darauf hin. (Petra Stuiber/DER STANDARD, Printausgabe, 7./8. März 2009)

  • Lässt sich nicht so leicht aushebeln: Grete Laska, SPÖ-Stadträtin und Vizebürgermeisterin, im winterlichen Wurstelprater
    der standard/matthias cremer

    Lässt sich nicht so leicht aushebeln: Grete Laska, SPÖ-Stadträtin und Vizebürgermeisterin, im winterlichen Wurstelprater

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