Barbados, London, Salzburg

6. März 2009, 18:42
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Ryan Moseley ist Österreichs schnellster Sprinter seit langem, er will noch schneller werden

Turin/Wien - Das hat sich schon einmal gut angelassen. Der Niederösterreicher Clemens Zellers legte am Freitag bei der Leichtathletik-Hallen-EM in Turin die zweitbeste 400-m-Vorlaufzeit hin. Über 3000 Meter rutschte Martin Pröll mit zwölftbester Vorlaufzeit in den Endlauf (Samstag), Martin Steinbauer schied aus.

Am Samstag fällt für Ryan Moseley der Startschuss zu seinen ersten Titelkämpfen. Der 26-Jährige, der auf Barbados zur Welt kam, seit 2002 mit der Salzburgerin Catherine Hyza liiert, seit 2004 mit ihr verheiratet und seit April 2008 österreichischer Staatsbürger ist, rechnet sich über 60 Meter gute Chancen aufs Finale aus. Moseley verbesserte seine Bestzeit heuer auf 6,63 Sekunden, so schnell war kein Österreicher seit 17 Jahren, seit Andreas Berger und Franz Ratzenberger, den später des Dopings Überführten.

Berger wird dennoch als Rekordler geführt (6,56), möglich, dass Moseley daran etwas ändern kann. In Turin will er "unter 6,60 laufen und ins Finale kommen". Sein großes Saisonziel ist aber die Freiluft-WM in Berlin (August), das 100-m-Limit liegt 0,06 Sekunden unter seiner Bestzeit (10,31). "Das sollte ich schaffen."

Auf Barbados hatte Moseley die Schule besucht und Cricket gespielt, ehe ihn die Familie zu zwei Tanten nach London schickte, wo er Technik studieren sollte. Öfter als die Uni besuchte er den Stanmore Cricket Club, und an Wochenenden jobbte er im Warner Village, einem Kinocenter im Londoner Westen. Dort war Catherine aus Salzburg für die PR zuständig, ein Date gab das andere.

Etwa zur selben Zeit konzentrierte sich Moseley aufs Sprinten, nachdem beim Cricket sein Speed aufgefallen war. Und der renommierte Trainer Clarence Callender nahm sich seiner an. Callender war selbst ein guter Sprinter (Bestzeit 10,30), 1988 in Seoul hängten sie ihm eine Olympia-Silbermedaille um, er hatte in der britischen Staffel immerhin den Vorlauf bestritten, dann musste er einem gewissen Linford Christie Platz machen.

Die Moseley-Hyzas, wie sie nun heißen, sind nach Salzburg übersiedelt. Catherine, die jeden Lauf ihres Ehemanns mit der Videokamera filmt, hat sich selbstständig gemacht, Ryan im Oktober die Grundausbildung hinter sich gebracht. Jetzt ist er Zeitsoldat, kann sich aufs Training konzentrieren. Ein-, zweimal im Monat fliegt er nach London, und Callender gibt ihm Tipps. "Mein Top-Speed ist gut", sagt er. Reserven habe er am Start und auf den ersten Metern. Sie gilt es zu mobilisieren, in Turin, Berlin und auf dem Weg nach London. Dort hätte Moseley 2012 fast ein olympisches Heimspiel. (Fritz Neumann, DER STANDARD, Printausgabe, Samstag, 7. März 2009)

  • Ehe er sprintete, spielte Moseley Cricket.
    foto: diener

    Ehe er sprintete, spielte Moseley Cricket.

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