Wenn man Freunde hat

6. März 2009, 18:12
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Was die SPÖ von Hans Dichand unterscheidet? Auf die Zeitungslegende ist Verlass! Niemand bekommt das seit etwas mehr als einer Woche deutlicher zu spüren ...

Was die SPÖ von Hans Dichand unterscheidet? Auf die Zeitungslegende ist Verlass! Niemand bekommt das seit etwas mehr als einer Woche deutlicher zu spüren als die Unterrichtsministerin auf der einen Seite und die Lehrerschaft auf der anderen. Hut ab vor dem bildungsreformerischen Geist, der das Kleinformat zurzeit durch- und der Lehrergewerkschaft ins Gesicht weht sowie den wöchentlich inszenierten Aufmarsch der Universitätsprofessoren unter dem Banner Das freie Wort auf das Delikateste ergänzt.

Sollen die Lehrer länger arbeiten? - "Krone" hörte sich in der Bevölkerung um, um das in der Bevölkerung Gehörte am Freitag vergangener Woche der "Krone"-lesenden Bevölkerung vorzulegen. Die Meinung der Bevölkerung ließ sich in dem Tenor zusammenfassen: "Lehrer sollen Vorbild sein und mehr arbeiten." Und der Tenor war eindeutig. Eine Internet-Abstimmung der "Krone" zeigt: Knapp 80 Prozent der Bevölkerung befürworten den Schritt von Ministerin Claudia Schmied.

Auf Seite 2 wurden die Unterrichtsministerin und der ÖVP-Bildungssprecher einander optisch gegenübergestellt, was einen Vergleich ermöglichte, der für Letzteren, wo man sich einen Bildungssprecher doch eher asketisch denkt, nur ungünstig ausgehen konnte. Dieser Eindruck wurde verstärkt durch eine sachliche Kolumne, in der es hieß: Dass ausgerechnet der Polit-Dinosaurier Neugebauer den starken Mann spielt, überrascht wenig - Neugebauer ist dafür bekannt, jeglicher Neuerung im Wege zu stehen, wofür man in der "Krone" noch nie Verständnis hatte. Bei Neugebauer handelt es sich nämlich um jenen Polit-Bonzen, der seinerzeit neben einem Abgeordnetengehalt und einer ÖGB-Gage auch noch für zwei Wochenstunden (!) als Geographielehrer an einer Hauptschule monatlich 40.000 Schilling brutto kassierte, was im Blatt eines Milliardärs als Ausweis bildungspolitischer Befähigung naturgemäß nicht ausreichen kann.

Ferner erhielt die liebe Ministerin Claudia Schmied Post von Jeannée, in der ihr der Schreiber mit solidarischen Grüßen den Rücken gegen österreichische Gewerkschaftsbosse stärkte, die dem Bier nicht unähnlich sind: Wenn ihnen eingeschenkt wird, schäumen sie. Das wäre gar nicht nötig gewesen, durfte sie doch ihr Anliegen - Solidarbeitrag der Lehrer - persönlich über zwei Spalten vortragen. Eine seltene Ehre!

Das Samstag-Blatt wurde mit einem Hinweis auf die schwere Überlastung der Pädagogen eröffnet. Körberlgeld für viele Lehrer: 140 Millionen für Nachhilfe. Ergänzt um eine Arbeit des Dinosaurier-Experten, der sich seine Frage Die Lehrer wollen streiken - na und? nach dem Prinzip Hoffnung, aber originell, selbst beantwortete: Vielleicht ist ein solcher Streik auch das letzte Aufbäumen von Polit-Sauriern à la Neugebauer, bevor diese endgültig auf dem politischen Abstellgleis landen.

Am Montag durften Lehrer klagen: "Viele von uns sind jetzt schon ausgebrannt", aber nur, um den Spiegel vorgehalten zu bekommen. Zwei Stunden Mehrarbeit in der Woche - da fangen Österreichs Lehrer mit vereinten Kräften zu toben an ... Dabei übersehen die Lehrkräfte: Die Reformen, die sie boykottieren wollen, würden aus der Burnout-Falle führen. Aber sie wollen es ja nicht anders. Daher wurde aus Gründen des Charismas auf der Leserbrief-Seite das Foto des ÖVP-Bildungssprechers vom Freitag wiederholt, mit der Aufforderung aus dem Leserkreis: Vielleicht sollte Herr Neugebauer zuerst nachdenken und dann reden. Von diesem Grundanliegen war die Leserbrief-Rubrik die ganze Woche hindurch getragen. Sie lief unter dem Titel Pro und kontra die Lehrer! Aber die Kontras überwogen eindeutig, was bei der bildungssüchtigen Leserschaft nicht verwundert.

Der Mittwoch brachte die Erkenntnis: Kaum Sympathie für Lehrerstreik, untermauert mit dem dritten Foto der Ministerin, zwei davon auf der Leserbrief-Seite. Einem Skandal war die Titelseite vom Donnerstag gewidmet. Lehrer streiken mindestens eine Stunde: Unterricht entfällt an allen Schulen! In diesem schicksalsträchtigen Moment - ein viertes Foto der Ministerin sollte den Schock der Leser mildern - griff Jeannée erneut in die Tasten, um den lieben Finanzminister zu der pädagogischen Tat aufzurufen, einem gewissen Walter Riegler, seines unseligen Zeichens Gewerkschaftsboss der Pflichtschullehrer, kräftig in den Hintern zu treten. Diese Verleitung zu einer Kompetenzüberschreitung begründete Jeannée damit, dieser wild gewordene Gewerkschaftsmensch habe sich in der "ZiB 2" ausgetobt. Und das geht ja nun wirklich nicht. (Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 7./8.3.2009)

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