Alles eine Frage der richtigen Inszenierung

6. März 2009, 18:07
posten

Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky gab am Tag der Weiterbildung Einblicke in die Arbeit eines Filmregisseurs - In seinen Strukturen könne Filmarbeit auch zukunftsweisend für Unternehmen sein

Eine der letzten absolutistischen Herrschaftsformen unserer Gesellschaft - so hat der amerikanische Regisseur Francis Ford Coppola Filmregie beschrieben. Bei genauerer Betrachtung sei die Arbeit aber äußerst komplex und in seinen Strukturen auch für Unternehmen zukunftsweisend, erklärt Oscar-Gewinner Stefan Ruzowitzky beim Vortrag am Tag der Weiterbildung an der Akademie für Recht, Steuern und Wirtschaft (ARS).

Motivation als Um und Auf

Die Herausforderung für Filmregisseure sei das erfolgreiche Managen unterschiedlicher Menschen und Faktoren. Damit unterscheide sich ein Filmdreh zwar nicht wesentlich von anderen Unternehmen. „Aber als Zeichen der Wertschätzung und Anerkennung der Leistung von Mitarbeitern habe ein Filmregisseur keine Möglichkeit, andere zu befördern oder Gehaltserhöhungen vorzunehmen", so Ruzowitzky. Motivation sei das Um und Auf. Immerhin müsse das Neben- und Miteinander von hoch bezahlten Spezialisten, ungelernten Tagelöhnern, Subfirmen und teilweise absurd überbezahlten Stars funktionieren. Denn oft genug würden zwischenmenschliche Probleme katastrophale Folgen für den Film haben.

Als eine soziologische Versuchsanordnung, die sich bei jedem Film neu erfinde müsse, beschreibt daher Ruzowitzky den Prozess. „Es gibt keine eingespielten Verhältnisse. Das Team muss jedes Mal neu erfunden werden." Und dabei die richtige Balance zu finden zwischen Teamdenken und strengem hierarchischem Agieren stelle dabei eine der größten Herausforderung dar.
Dabei gehe es darum, als Regisseur ausreichend Macht zu behalten, um seine eigenen Vorstellungen umsetzen zu können, aber die Dynamik, die durch die Zusammensetzung und Neuerfindung des Teams entsteht, im richtigen Maße zuzulassen.

Transparenz

Eine weitere Besonderheit bei der Filmarbeit sei auch das hohe Maß an Transparenz, meint der Oscar-Preisträger. "Alle Dinge, sei es Lob oder auch Zurechtweisung, passieren in der Öffentlichkeit. Jeder am Set bekommt es mit." Eine Grundsicherheit zu geben sei ein wesentlicher Faktor für das Gelingen der Dreharbeiten. "Schauspieler können sich dann öffnen und sich etwas trauen. Nur so kann Qualität entstehen", meint Ruzowitzky. Parallelen zu Managementaufgaben der Wirtschaft seien durchaus zulässig.

Diffizil sei das Verhältnis von Regisseur und Produzent, erklärt der Filmemacher. „Als Regisseur bin ich zwar Angestellter des Produzenten, aber gekündigt werden, kann ich von ihm nicht. Denn die Fördergelder, die der Produzent lukriert, bekommt er, weil ich die Regie führe." Völlig unabhängig könne er bei seiner Arbeit aber nicht agieren. Jede kreative Entscheidung habe wirtschaftliche Folgen, so Ruzowitzky. Die Machtverteilung am Set zeige sich aber nicht im Gehaltssystem. (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, Printausgabe, 7./8.3.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Mitarbeitermotivation ist für den Regisseur Stefan Ruzowitzky das Um und Auf beim Filmemachen, ein heterogenes Team zu führen jedes Mal aufs Neue eine Herausforderung.

Share if you care.