Wiedervereinigung der Rechten vertagt

6. März 2009, 17:52
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Die Strache-FPÖ als proletarische Rechtspartei, das Bucher-/ Scheuch-BZÖ als rechte Honoratiorenpartei

Für die nächsten zehn Jahre sei die Wiedervereinigung zwischen FPÖ und BZÖ tot, sagt Heinz- Christian Strache jetzt. Die im BZÖ seien einfach zu überheblich nach ihrem Wahlerfolg in Kärnten.

Aber es gibt, so seltsam es klingt, dafür auch noch sachliche politische Gründe. Im BZÖ will man strategisch etwas anderes als in der FPÖ - obwohl der Kärntner BZÖ-Machthaber Uwe Scheuch offen sagte: "Wir sind vom gleichen Stamm."

Um es auf den Punkt zu bringen: Die Strache-FPÖ ist eine Rabauken- und Krawall-Partei, die auf Totalopposition setzt. Sie wird vor allem von Arbeitern und verbitterten Unterschicht-Pensionisten gewählt und nimmt hauptsächlich der SPÖ Stimmen weg. Die FPÖ setzt auf nationalen Sozialismus: Staats-Goodies für alle außer die "Ausländern" .

In Kärnten hat das BZÖ eine ähnliche Struktur, will aber inner- und außerhalb Kärntens noch andere Schichten erobern: kleine Gewerbetreibende, Selbstständige, Bauern. BZÖ-Bundesklubobmann Josef Bucher gab in einem Kurier-Interview als Ziel an, eine "liberale" Mittelstandspartei werden zu wollen. Und er fügte hinzu, viele BZÖ-Wähler seien aus Unzufriedenheit mit der ÖVP herübergewechselt und hätten bei den ersten Wiedervereinigungs-Gerüchten wütend protestiert: Mit den Strache-Proleten wolle man nichts zu tun haben. Deshalb stieg man im BZÖ auch sofort auf die Bremse. Uwe Scheuch bezichtigte Strache, dessen Avancen er zuvor nicht ganz unfreundlich betrachtet hatte, der wolle ja nur opponieren und nichts verantwortlich gestalten. Die Strache-FPÖ als proletarische Rechtspartei, das Bucher-/ Scheuch-BZÖ als rechte Honoratiorenpartei. Dort die Kurzgeschorenen mit den Springerstiefeln im Umfeld, da der Herr Apotheker in der Kleinstadt und der Herr Landarzt.

Dass Uwe Scheuch selbstverständlich ein ganz harter Rechter aus einer "traditionsreichen" Nazi-Familie ist, gerät dabei ein wenig in Vergessenheit, zumal in Kärnten ja ohnehin die Faschings-figur Gerhard Dörfler (noch) im Vordergrund steht und das öffentliche Interesse auf sich zieht.

So werden die beiden Gruppen vorerst einmal getrennt weiterexistieren, zumal auch keine gemeinsame Führungspersönlichkeit in Sicht ist. Weder Strache noch Uwe Scheuch sind charismatisch genug, um - wie Haider - die zornigen Arbeiter und die Mittelständler mit Abstiegsängsten unter ein Dach zu bringen.
Sorgen machen muss sich, neben der SPÖ, der die Arbeiter und Pensionisten zu Strache davonlaufen, auch die ÖVP. Wie fühlen sich kleine Selbstständige, die nur dank Selbstausbeutung überleben, wenn arbeitsplatzgeschützte Lehrer und sonstige Beamte die ganze Liebe und Zuwendung der ÖVP-Führung bekommen? Parteichef Pröll und sein neuer Generalsekretär Kaltenegger haben hier dringenden Bedarf, ein Leck zum BZÖ dichtzumachen.

Weit rechts, extrem rechts bleiben natürlich beide, sowohl die "Daham-statt-Islam" -FPÖ wie das "Auf-Verdacht-auf-die-Saualm" -BZÖ. Aber sie betreiben eine Unterschiedliche Zielgruppenpolitik zur Stimmenmaximierung. Später kann man weitersehen. (Hans Rauscher/DER STANDARD Printausgabe, 7./8. März 2009)

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