Spekulationen über Anschlag auf Tsvangirai

7. März 2009, 20:18
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Einen Tag nach dem Unfall des Ministerpräsidenten erhebt dessen Partei schwere Vorwürfe gegen Gefolgsleute von Präsident Mugabe - Mit Video

Harare - Einen Tag nach dem Unfall des simbabwesischen Ministerpräsidenten Morgan Tsvangirai hat dessen Partei am Samstag schwere Vorwürfe gegen Gefolgsleute von Präsident Robert Mugabe erhoben und eine unabhängige Untersuchung gefordert. Tsvangirai (56), der am Samstagabend bandagiert und traumatisiert wirkend das Krankenhaus verließ, hatte bei dem Unfall seine Frau Susan verloren. Nach Angaben von Augenzeugen hatte der 56-Jährige am Samstag begleitet von Sicherheitskräften und Parteifreunden das Krankenhaus in Harare verlassen. Sein Gesicht sei geschwollen gewesen. Die Regierungen der Nachbarländer Südafrika und Mosambik sprachen ihm ihr Beileid aus. Sie hofften, der Unfall werde den politischen Aussöhnungsprozess in Simbabwe nicht belasten, hieß es weiter.

"Ein perfekt organisierter Anschlag"

Im benachbarten Südafrika betonte der Sprecher von Tsvangirais Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC), Sibanengi Dube am Samstag: "In Wahrheit war es kein echter Unfall; das ist ein perfekt organisierter Anschlag, um den MDC-Vorsitzenden auszuschalten. Wir sind ernsthaft der Ansicht, dass die mächtige und berüchtigte ZANU(PF)-Clique entschlossen ist, alles zu tun, um Anstrengungen zu unterbinden, die Koalitionsregierung wieder auf Kurs zu bringen."

In Simbabwe selbst hielten sich ranghohe MDC-Politiker mit ähnlichen Vorwürfen allerdings zurück, warfen den Behörden aber schwere Versäumnisse vor. Unter Tränen betonte der MDC- Generalsekretär und neue Finanzminister Tendai Biti auf einer Pressekonferenz: "Hätte es eine Polizeieskorte gegeben, hätte das, was gestern passiert ist, eventuell vermieden werden können. (...) Wir hoffen, dass diese Unterlassung korrigiert wird, dass dem Ministerpräsidenten der Schutz gewährt wird, der einem Ministerpräsidenten zusteht." Seine Partei werde parallel zur Polizei ihre eigene Untersuchung einleiten. Biti betonte: "Der Unfall war ein Desaster für uns alle."

Tsvangirai zur Genesung in Botswana

Tsvangirai wurde in der Zwischenzeit zur Genesung in das benachbarte Botswana geflogen. Der Präsident Botswanas habe Tsvangirai dafür sein Privatflugzeug zur Verfügung gestellt, verlautete am Samstag aus Kreisen von Tsvangirais Partei MDC. Tsvangirai werde voraussichtlich am Montag nach Simbabwe zurückkehren.

Kollision mit LKW

Tsvangirais Geländewagen war am Vortag etwa 60 Kilometer außerhalb der Hauptstadt Harare mit einem Lastwagen kollidiert und hatte sich danach mehrfach überschlagen. Während er selbst und der vom Staat gestellte Fahrer verletzt überlebten, kam Tsvangirais Frau Susan bei dem Unfall ums Leben. Der Lastwagen fuhr nach Medienberichten im Auftrag einer US-Hilfsorganisation. Präsident Mugabe habe deshalb versucht, den US-Botschafter zu kontaktieren. Der Lkw-Fahrer sei vorübergehend festgenommen worden.

US-finanzierte Medikamente

Ein Sprecher der US-Botschaft in Harare bestätigte, der Lastwagen sei von einem von den USA eingestellten Fahrer gesteuert worden. Er habe von den USA finanzierte Aids-Medikamente transportiert. Die Gruppe um Tsvangirai war unterwegs zu einer politischen Versammlung in die Heimatregion des Ministerpräsidenten südlich von Harare.

Der langjährige Oppositionsführer hatte nach monatelangen Verhandlungen einer Koalitionsregierung mit Mugabes ZANU(PF)-Partei zugestimmt und war erst vor drei Wochen vereidigt worden. Der 85 Jahre alte Mugabe hatte aber stets betont, dass er weiter die Zügel in der Hand hält. Simbabwe befindet sich in der schwersten Krise seiner Geschichte mit Massenarmut und einer horrenden Inflation. Hinzu kommt eine Cholera-Epidemie, die wegen des Zusammenbruchs des öffentlichen Dienstes immer weiter um sich greift. Bisher sind daran rund 4000 Menschen gestorben, gut 88.000 sind erkrankt. (APA/AP/dpa)

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    Trauer um Susan Tsvangirai: an der Unfallstelle wird gebetet

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    Die Staatszeitung "The Herald" über den Verkehrsunfall.

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    Präsident Mugabe am Spitalsbett des Ministerpräsidenten.

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