Anlegeranwalt wehrt sich gegen Vorwürfe zu Beschlagnahmung

6. März 2009, 17:34
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Rechtsvertreter: Plomben lösten keinen Kursrutsch aus - Freigabe des Vermögens nicht mit Unhaltbarkeit der Vorwürfe gleichzusetzen

Wien - Das juristische Hickhack in der Causa AvW hält an. Diesmal geht es um die kürzlich vom Oberlandesgericht (OLG) Graz aufgehobenen Beschlagnahmungen von AvW-Vermögen. Es könne überhaupt keine Rede davon sein, dass diese Freigabe die Unhaltbarkeit der Vorwürfe gegen die AvW unterstreiche, betonte Anlegeranwalt Erich Holzinger am Freitag gegenüber der APA in einer schriftlichen Stellungnahme.

Vielmehr bestätige das OLG den konkreten Verdacht, dass AvW-Chef Wolfgang Auer von Welsbach und andere Vorstandsmitglieder "durch Täuschung über Tatsachen Kunden zum Ankauf von Genussscheinen zu überhöhten Kursen verleitet und diese dadurch erheblich am Vermögen geschädigt" hätten.

Holzinger verwehrt sich auch gegen den gestern erhobenen Vorwurf der AvW, wonach die unter anderem von ihm beantragten Beschlagnahmungen einen Kursrutsch ausgelöst hätten. Bereits am 28. Oktober 2008 habe der Aktienkurs der AvW Invest AG einen Tiefstand von 9,2 Euro erreicht - am 3. Oktober hatte das Papier noch bei 163 Euro notiert. Erst 17 Tage danach, also am 14. November, sei der Beschluss über die Beschlagnahme ergangen. Gestern schloss die Aktie bei 11,50 Euro (minus 8 Prozent). Die AvW heute dazu auf APA-Anfrage: "Die Fakten sprechen für sich."

Verdacht

Außerdem bestehe laut OLG der konkrete Verdacht, dass die Beschuldigten entgegen der laufenden Zusicherung über sichere und stabile Geldanlagen den Kunden durch tatsächlich umfangreichen Handel mit Derivaten und hochriskanten Termingeschäften einen Vermögensnachteil zufügten. Dafür und für die "Unnachvollziehbarkeit der Kursbildung" an der Frankfurter Börse gehandelten Genussscheine sprächen laut OLG eine Reihe von Fakten. Es werde auch Auer von Welsbach zitiert, der vor der Staatsanwaltschaft angegeben habe, dass "die Liquidität der AvW Gruppe eher aus dem Verkauf der Genussscheine als aus Dividenden der Beteiligungen gekommen" sei.

Das OLG führe aus, dass eine Sicherung privatrechtlicher Ansprüche nur zulässig sei, "wenn sie die Rückstellung beim Angeklagten gefundener körperlicher Sachen" der mutmaßlichen AvW-Geschädigten sichern soll. Da die bisher beschlagnahmten Gegenstände nicht den angeblich Geschädigten gehören, könne eine Beschlagnahme zu deren Gunsten nicht erfolgen. Außerdem könne eine Plombierung erst dann stattfinden, wenn "alle berechtigten Ansprüche der Privatbeteiligten erledigt wurden", so das OLG laut Holzinger.

"Wir müssen leider zur Kenntnis nehmen, dass AvW durch kreditschädigende Bemerkungen uns gegenüber ganz offensichtlich die Taktik verfolgt, die ohnedies bereits schwer geschädigten und verunsicherten Anleger noch weiter zu verunsichern", monierte der Anlegervertreter. Er geht davon aus, dass sich die von AvW geäußerte Hoffnung, dass sich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Klagenfurt auf deren Ex-Prokuristen konzentrieren, nicht erfüllt wird. Vielmehr sieht Holzinger den Ermittlungen, die sich gegen den AvW-Vorstand wegen Verdachts auf "schweren gewerbsmäßigen Betrug" richten würden, mit großer Zuversicht entgegen. Der von der Anklagebehörde beauftragte Sachverständige Fritz Kleiner habe "die erheblichen Verdachtsmomente der Täuschung über eine Vielzahl von Umständen" aufzuklären. (APA)

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