ÖVAG-Chef Pinkl steht unter Druck

6. März 2009, 17:28
posten

Nachdem eine Abstimmung gegen ihn ausgefallen war, stellte ÖVAG-Chef Franz Pinkl im Aufsichtsrat die Vertrauensfrage - und gewann

Wien - Der Streit im Volksbankensektor, der rund um die Aufnahme von Staatskapital für die Volksbanken AG (ÖVAG) entbrannt ist, tobt heftiger als bisher bekannt. ÖVAG-Chef Franz Pinkl war ja gegen das vom Genossenschaftsverband favorisierte sektorinterne Hilfspaket, das dann aber am Dienstag im Aufsichtsrat beschlossen wurde.

Bereits in der Woche davor wackelte der Verbleib Pinkls an der ÖVAG-Spitze. Im verbandseigenen Beirat wurde seine Zukunft besprochen, das Votum soll 8:4 für die Ablöse des Niederösterreichers ausgefallen sein. Die Entscheidung wurde aber verschoben, auf vorigen Dienstag. In dieser Aufsichtsratssitzung wurde dann Pinkl aktiv. Er stellte die Vertrauensfrage - und die ging positiv für ihn aus.

Angeblich soll dort auch RZB-Chef Walter Rothensteiner für Pinkl votiert haben. Und das schürt nun alte Ängste im Sektor: Die RZB, mit sechs Prozent an der ÖVAG beteiligt, könnte, quasi über die Stützung Pinkls, ihren Einstieg in die angeknackste ÖVAG vorbereiten.

Detail zur Stimmung: Die Vertrauensfrage Pinkls soll nun juristisch abgeklärt werden, manche vermuten darin ein Fehlereingeständnis, heißt es. Ein ÖVAG-Sprecher zu alldem: "Es gibt keine Personaldiskussion."

Unabhängigkeitsbestrebungen

Unbeliebt gemacht hat sich Pinkl in Teilen des Sektors durch seine Unabhängigkeitsbestrebungen. Nachdem die Investkredit gekauft war, hatte er laut einen Börsengang der ÖVAG angedacht, der Verband pfiff ihn prompt zurück.

Und: Pinkls Vertrauen in die eigenen Leute ist enden wollend, er beschäftigt ausgiebig externe Berater. In den vergangenen fünf Jahren sollen 92 Mio. Euro Beratungskosten angelaufen sein. Der ÖVAG-Sprecher: "Es fielen wegen vieler Projekte wie Basel II verstärkt Beratungskosten an. Genaue Zahlen geben wir nicht bekannt."

Ein Honorar dürfte auch jenem Wirtschaftsprüfer zuteil geworden sein, den Pinkl nach der Kommunalkredit-Turbulenz zu Rate zog. Der Auftrag: die Feststellung, ob Kommunalkredit-Präsident Pinkl seine Aufsichtspflicht erfüllt hat. (Renate Graber, DER STANDARD, Printausgabe, 7./8.3.2009)

Share if you care.