Feministische Kontrapunkte zu Lara Croft

6. März 2009, 17:02
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Ihre Aufgabe sieht die Mediensoziologin und deklarierte Feministin Eva Flicker in der Schärfung der Wahrnehmung in der Öffentlichkeit

"Professor, mir ist nie aufgefallen, wie reizend du bist!", titelte Eva Flicker 1991 ihre filmsoziologische Diplomarbeit. Sie untersuchte das Rollenbild der Wissenschafterin im Spielfilm. Filmanalyse sei immer auch Gesellschaftsanalyse, Filme seien Elemente der Repräsentationsordnung einer Gesellschaft. Knappe Tops, Bikini und Strapse sind den Frauen in diesen Berufen im Film bis jetzt erhalten geblieben.

Die Einreichung einer Videokassette als Begleitmaterial störte damals die universitäre Routine der Alma Mater. Zehn Jahre später erwachte größeres Interesse an ihren Forschungen, Vortragstätigkeit und Diskurs kamen in Gang. "Ich möchte Studierende ermutigen, für ihre Arbeiten auch Themen abseits vom Mainstream zu wählen, und zeigen, was sich daraus entwickeln lässt", sagt sie.

Sie sei wohl keine Politikberaterin, so die Professorin am Wiener Soziologie-Institut. Ihre Aufgabe sei es, Wahrnehmung zu schaffen. Filme konstruieren oder dekonstruieren eben Wirklichkeit - wer hat schon Wissenschafterinnen im Bekanntenkreis und kann in das Berufsbild schauen? Das Berufsbild Forensikerin liefert C.S.I. nach Hause, jenes der Archäologin Angelina Jolie als Lara Croft.

Stachel im System

Dass feministische Wissenschafterinnen - als die sie sich deklariert - Exotinnen sind, sieht sie. Auch, dass sie "das System" provoziert. Woran man das merke? "Etwa an der Ressourcenzuteilung."
Wie sie sich und ihre Erfolge definiert? Als Pionierin im Hinterfragen der Rollenbilder, als eine, die die Finger auf unbequeme Themen hält, als Mutter zweier Kinder, die sich habilitiert hat. Auch mit dem neuen Uni-Gesetz sei nicht mehr Durchlässigkeit ins System gekommen. Daher: Programme wie "excellentia", die Berufungen von Frauen finanziell fördern, findet sie angemessen.

Ebenso geht sie an die Quotenfrage heran: klare Anreize, klare Ziele. Professorinnen haben noch immer weniger Kinder als Professoren, in Vereinbarkeitsfragen sind sie ebenso auf ihr individuelles Geschick zurückgeworfen wie Frauen in anderen Berufen. "Ganztagesschulsystem muss Voraussetzung sein, qualitativ hochwertige Ferienbetreuung ebenso", formuliert sie doch eine politische Forderung.

Ihre persönliche Medienerfahrung beschreibt sie als "nicht immer angenehm". Aber: Wer Themen voranbringen wolle, müsse eben Aufmerksamkeit erzeugen. Sie arbeitet insgesamt gerne zur visuellen Wahrnehmung, findet den professionellen Umgang mit Kleiderordnungen für Wissenschafterinnen gegenwärtig daher auch relevant, und: Gar keine Freude hat sie mit Anmerkungen wie "Aus Lesbarkeitsgründen wird die männliche Form verwendet." Es gehe um die Professionalität des Handeln. Sprache bringe Bewusstsein zur Geltung, daher: "Natürlich muss auch die weibliche Form in der Sprache verwendet werden." (Karin Bauer, DER STANDARD, Print, 7./8.3.2009)

  • Rütteln an den Kulissen, an den Stereotypen: feministische
Professorin Eva Flicker (45) an der Wiener Soziologie.
    foto: privat

    Rütteln an den Kulissen, an den Stereotypen: feministische Professorin Eva Flicker (45) an der Wiener Soziologie.

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