Paartanz der Schwarzen Löcher

8. März 2009, 18:27
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Binäres System der besonderen Art: Zwei supermassive Black Holes umkreisen einander - vermutlich Überreste einer Galaxien-Kollision

Washington - Es mag laut astronomischen Theorien ein häufiger vorkommendes Phänomen sein, feststellen lässt es sich jedoch kaum: Ein binäres Sternsystem, das von zwei Schwarzen Löchern gebildet wird. Einen möglichen Kandidaten haben US-Astronomen nun aber in etwa fünf Milliarden Lichtjahren Entfernung gefunden, wie sie in "Nature" berichten. Wenn hier wirklich zwei supermassive Schwarze Löcher einander umkreisen, könnte dies außerdem den Hinweis auf eine einstige Kollision zwischen zwei Galaxien darstellen.

Astronomen um Todd Boroson vom National Optical Astronomy Observatory in Tucson überprüften die Daten zahlreicher Quasare, der extrem licht- und strahlungsstarken Kerne ferner Galaxien. Fündig wurden sie beim Quasar SDSS J153636.22+044127.0: Unregelmäßigkeiten in dessen Emissionen interpretieren die Forscher damit, dass es sich um zwei unterschiedliche Objekte handelt, eben zwei Schwarze Löcher, die einander in relativ engem Abstand - etwa 0,3 Lichtjahre - umkreisen. Ein Durchgang würde etwa 100 Jahre dauern - und dieser "Paartanz" der Black Holes ist aller Wahrscheinlichkeit nach die letzte Phase ihrer Existenz als getrennte Objekte, ehe sie zu einem einzigen verschmelzen.

Zuvor verschmolzen Galaxien

Die beiden Black Holes gehören der Datenauswertung der Astronomen nach zur supermassiven Kategorie: Das kleinere hat in etwa 20 Millionen Mal mehr Masse als unsere Sonne, das größere gar eine Milliarde Mal mehr. Solche Objekte befinden sich nach heutigen astronomischen Theorien im Kern der meisten Galaxien: Dasjenige, das man im Kern unserer Milchstraße vermutet, nimmt sich mit  - laut Berechnungen - drei bis vier Millionen Sonnenmassen allerdings selbst neben dem kleineren Black Hole im Objekt SDSS J153636.22+044127.0 bescheiden aus.

"Wir haben herausgefunden, dass es eine recht gute Korrelation zwischen der Größe eines Black Holes und der Größe der Galaxie, in der es sich befindet, gibt", sagt Boroson. Das nun entdeckte bzw. errechnete binäre System würde demnach den Hinweis auf eine Kollision und anschließende Verschmelzung zweier Galaxien geben, wobei die die kleinere von der größeren "verschlungen" wurde. Beziehungsweise die Riesin von der Gigantin. (red)

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    NASA-Illustration des Objekts SDSS J153636.22+044127.0

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