Roboter-Spital probt für den Kampfeinsatz

6. März 2009, 16:08
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Forscher demonstrieren erfolgreich Telechirurgie - Soll verwundete Soldaten möglichst umgehend stabilisieren

Ein Team unter Leitung des US-Forschungsinstitut SRI International entwickelt ein System, das in der Lage ist, ferngesteuert chirurgische Eingriffe durchzuführen. Die Forscher haben nun an einem Labor-Prototypen gezeigt, dass ihr Telechirurgie-Ansatz tatsächlich funktioniert. Erklärtes Ziel ist es, mit diesem "Trauma Pod" ein robotisches Operationssystem für den Kampfeinsatz zu schaffen. Das soll ermöglichen, verwundete Soldaten möglichst frühzeitig zu stabilisieren und dadurch ihr Überleben zu sichern. Schon der aktuelle Prototyp kann telechirurgische Eingriffe dadurch unterstützen, dass er bestimmte Aufgaben autonom ausführt, die sonst von Krankenschwestern übernommen werden müssten.

Überlebenschance

Die ersten Stunden nach einer Verwundung sind kritisch für einen Soldaten und mit zeitgerechten Stabilisierungsmaßnahmen steigt die Überlebenschance deutlich. Das Trauma Pod soll eine entsprechende Versorgung auch ohne medizinisches Personal an der Front ermöglichen. In einer ersten Projektphase ist es nun gelungen, die Eignung eines Trauma-Pod-Prototypen für bestimmte chirurgische Eingriffe nachzuweisen.

Die Roboterarme für den eigentlichen Eingriff werden dabei von einem menschlichen Chirurgen ferngesteuert, während Hilfestellungen wie das Zureichen von frischem Operationswerkzeug und Materialien von autonomen Subsystemen übernommen werden. Außerdem umfasst der Prototyp diagnostische Geräte wie ein tomografisches Röntgen und sammelt all die anfallenden klinischen Daten automatisch.

Versorgung

Langfristig soll das Trauma Pod eine Vorversorgung von Verwundeten vor dem Abtransport in Spitäler ermöglichen und den Patienten dadurch mehr Zeit verschaffen. "Das System wird den Schwerpunkt auf schadensregulierende Chirurgie legen, das zur Stabilisierung nötige Minimum", sagt Projekt-Chefentwickler Pablo Garcia gegenüber New Scientist. Das umfasst beispielsweise Abhilfe bei immanent lebensbedrohlichen Verletzungen wie einer kollabierten Lunge oder das Stoppen von Blutungen. Der Roboter könnte auch instruiert werden, einfache Aufgaben wie das Setzen von Nähten und Binden von Knoten zu übernehmen, um den Chirurgen zu entlasten, so Garcia. Gänzlich von Bodenpersonal unabhängig wird das System allerdings nicht sein, denn schwer verletzte Soldaten müssten von Kameraden auf den Operationstisch des Trauma Pods befördert werden.

Budget

Den ursprünglichen, zwölf Mio. Dollar schweren Entwicklungsauftrag für das Trauma Pod hat die US-amerikanische Defense Advanced Research Projects Agency bereits im Frühjahr 2005 erteilt. Bis das System tatsächlich zum Einsatz kommt, wird es aber noch dauern. Innerhalb von zehn Jahren könnte das robotische Operationssystem in Kampfgebiete oder andere Gefahrenregionen, etwa nach Naturkatastrophen, entsandt werden, schätzt Garcia. (pte)

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