BIP Eurozone - auch 2010 könnte negativ werden

6. März 2009, 16:08
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Stephan Lingnau

Eine weitere tiefschwarze Woche an den europäischen Börsen liegt hinter uns. Der Stoxx verlor über 8%. Insgesamt verzeichneten 89% der 600 Titel im Stoxx Verluste. Banken (-19%) und Versicherer (-18%) kamen am stärksten unter die Räder. Aber auch defensive Sektoren wie Versorger (-7%) und Pharmafirmen (-6%) mussten herbe Abschläge hinnehmen. Lokal traf es die Börsen in Mailand (MIB -14%), Madrid (IBEX -10%) und London (FTSE -10%) am härtesten. Der VStoxx kletterte daraufhin um 11% auf 47 Punkte.

Die EZB senkte den Leitzins um 50 Basispunkte auf 1,5%. Das ist das niedrigste Niveau seit der Euro-Einführung 1999. Jean-Claude Trichet gab zu erkennen, dass er eine weitere Lockerung nicht gänzlich ausschließt. Gleichzeitig revidierte die EZB die Wachstums- und Inflationsprognosen deutlich nach unten. Für 2009 erwartet die EZB ein Schrumpfen der Wirtschaft im Euroraum von 2,2 bis 3,2%. Für 2010 liegen die Schätzungen jetzt zwischen -0,7% und +0,7%. Die Inflation sieht die EZB dieses Jahr bei 0,1- 0,7% und damit weiterhin im positiven Bereich.

Mit ihrem Lockerungskurs steht die EZB nicht alleine da. Die BoE senkte den Leitzins um 50 Basispunkte auf 0,5%. Weiters ist die BoE von der Regierung angehalten worden zu alternativen Stützungsaktionen - "Quantitative Easing"- zu greifen. Schatzkanzler Alistair Darling räumte der BoE das Recht ein, Wertpapiere im Wert von GBP 150 Mrd. zu kaufen. Die BoE kündigte nun an, über die kommenden drei Monate Staatsanleihen und andere Papiere im Umfang von GBP 75 Mrd. zu erwerben. Finanziert wird das Programm über Notenbankreserven. Das bedeutet de facto, dass Großbritannien neues Geld druckt.

Investitionen der France Telekom werden sinken

France Telecom konnte den Gewinn im abgelaufenen Jahr leicht steigern und antwortet mit einem neuen Sparplan auf die Rezession. Nach dem Rückschlag bei der Telia Sonera-Übernahme will die Nummer drei in Europa nun auf Investitionen verzichten und damit Cashflow und Dividendenzahlungen sichern. Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr auf EUR 53,5 Mrd. (+1%) während der Gewinn vor Sondereffekten um 14% auf EUR 5,1 Mrd. kletterte und damit die Erwartungen erreichte.

Swisscom hat das Jahr 2008 mit gesteigertem Umsatz (+10%) bei deutlich geringeren Gewinn (-15,5%) abgeschlossen. Der Umsatz kletterte - hautsächlich aufgrund des starken Wachstums bei der italienischen Internet-Tochter Fastweb - auf CHF 12,2 Mrd. und der Gewinn lag zugleich bei CHF 1,75 Mrd. Noch schlechter lief es für die Telecom Italia. Im Gesamtjahr sanken sowohl Umsatz (-2,8%) als auch Gewinn (-10%). Für 2009 erwartet das Unternehmen einen Umsatz und eine EBITDA- Marge auf dem Niveau vom Vorjahr.

Mit einem Gewinnwachstum im laufenden Jahr rechnet hingegen Vivendi. Ein Umsatzziel für 2009 will man jedoch nicht geben. Der Besitzer von Universal Music kündigte für 2008 eine Dividende von EUR 1,40 Euro je Aktie an, was einem Plus von 7,7% und somit den Erwartungen entspricht. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz um mehr als 17% auf rund EUR 25,4 Mrd. während der Gewinn mit EUR 2,6 Mrd. (-0,8%) leicht rückläufig war. Ein Umsatzziel für 2009 will Vivendi nicht geben. Wachstumstreiber im vergangenen Jahr waren die Mobilfunktochter SFR, der unlängst erworbene Festnetzbetreiber Neuf Cegetel und der ebenfalls jüngst zugekaufte Videospiel- Riese Activision Blizzard.

Rekord-Kapitalerhöhung von HSBC

HSBC hat eine Kapitalerhöhung von GBP 12,5 Mrd. angekündigt und will in den USA die meisten ihrer 800 Filialen schließen. Die Bank kündigte die Ausgabe von rund 5 Mrd. Aktien für je GBP 2,54 an, was die größte von Privatinvestoren finanzierte Kapitalerhöhung in der britischen Wirtschaftsgeschichte wäre. 2008 fiel der Vorsteuergewinn auf USD 19,9 Mrd. (-18%). Vor allem Kreditausfälle in den USA schlugen zu Buche. Auch für 2009 zeigte sich HSBC pessimistisch. Die Bank will ihre Dividende um 29% auf USD 0,64 kürzen und das angeschlagene US-Kreditgeschäft wird geschlossen. 5.000 bis 6.000 Mitarbeiter sind davon betroffen. Nicht besser läuft es für die Münchener Rück. Der Versicherer gibt keine Gewinnprognose für das laufende Jahr und zieht auch die Prognose für 2010 zurück. Der Konzern geht aber davon aus 2009 nicht in den roten Zahlen zu landen. Im vergangenen Jahr brach der Gewinn um 61% auf EUR 1,5 Mrd. ein.

Der Baukonzern Vinci konnte seinen Nettogewinn im vergangenen Jahr um 9% auf EUR 1,59 Mrd. steigern. Profitiert hat das Unternehmen von seinen jüngsten Übernahmen in Großbritannien und dem Wachstum im Contracting- Geschäft. Aktionäre sollen an dem Wachstum mit einer 6,6% höheren Dividende von EUR 1,62 teilhaben. Im laufenden Jahr erwartet Vinci stabile Einnahmen von seinen gebührenpflichtigen Straßen, während ein Umsatzrückgang beim Contracting erwartet wird. Auch Bouygues hat die Konjunkturflaute bisher noch gut verkraftet. Für das abgelaufene Jahr meldete der Konzern ein Umsatzplus von 11% auf EUR 32,7 Mrd. und einen Gewinnanstieg von 9% auf EUR 1,5 Mrd. Die Dividende soll auf EUR 1,60 (+7%) erhöht werden. Im laufenden Jahr wird mit einem Umsatzminus von 3% gerechnet.

Wegen des Einbruchs im Kunststoffgeschäft hat Bayer im vierten Quartal 2008 operativ weniger verdient und die Prognose für das laufende Jahr gesenkt. Insbesondere im Kunststoffgeschäft sind 2009 gravierende Rückgänge bei Umsatz und operativem Gewinn zu erwarten. Für den Gesamtkonzern soll der Rückgang des Ebitda vor Sondereinflüssen auf etwa 5% begrenzt werden. Im vergangenen Jahr stieg der operative Gewinn noch auf EUR 3,5 Mrd. (+10%), während der Nettogewinn um 64% auf EUR 1,7 Mrd. einbrach, da im Vorjahr der Verkauf von Geschäftsfeldern und Steuereffekte den Gewinn kräftig in die Höhe getrieben hatten.

Salzgitter stellt sich wegen ausbleibender Orders etwa aus der Autoindustrie auf verlustreiche Geschäfte ein. Das erste Halbjahr wird voraussichtlich nicht mit einem ausgeglichenen Konzernergebnis abgeschlossen werden. Ein kleiner Hochofen wird vorübergehend stillgelegt,
nachdem die Lager mittlerweile voll sind und die Auftragseingänge in einzelnen Bereichen um mehr 30- 40 % eingebrochen sind. Im vierten Quartal verbuchte Salzgitter einen Verlust von EUR 10 Mio. Im Gesamtjahr 2008 verdiente Salzgitter vor Steuern mit EUR 1 Mrd. knapp ein Viertel weniger als 2007. Der Nettogewinn sank auf EUR 677 Mio.- ebenfalls ein Viertel weniger 2007.

Nächste Woche stehen unter anderem der Sentix- Index und der Auftragseingang der deutschen Industrie auf der Agenda. Auf Unternehmensebene berichten Eon, Lufthansa, Enel und Volkswagen.

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