Wien - "Einen
unterschriebenen Brief eines Burschenschafters auf dem Briefpapier
einer Burschenschaft, in dem er der KPÖ alles Gute für die nächste
Nationalratswahl wünscht (30 Punkte). Irgendetwas, auf dem 'Made in
GDR' oder 'Made in East Germany' steht (3 Punkte). Ein metrischer Raum
(1 Punkt). Ein Teammitglied mit Klebeband an die Wand kleben (42
Punkte). Eine Toastscheibe mit 'hunTU'-Schriftzug. (10 Punkte. 5
Bonuspunkte, wenn ein Marienbild auch darauf ist)."
Mit Aufgaben wie
diesen, neun Organisatoren und vier teilnehmenden Teams startete der
hunTU 2008, eine Schnitzeljagd, bei der die Studierenden eine
vorgegebene Liste von ausgefallenen Objekten und Aufgaben so kreativ
und komplett wie möglich erledigen müssen.
AKWs und Unterwäsche
Vorbild ist die
University of Chicago Scavenger Hunt, kurz Scav Hunt, die seit 20
Jahren jeden Mai stattfindet und als eine der Hauptattraktionen des
Studiums an der Universität von Chicago gilt.
Aufgaben wie die
Errichtung eines funktionstüchtigen Nuklearreaktors in einer
Bretterbude auf dem Campusgelände, die Beschaffung eines lebenden
Elefanten, eines in menschliche Haut gebundenen Buches oder eines
"professionellen Unterwäschemodels, das vor den Juroren professionell
Unterwäsche modelt", wollen innerhalb weniger Tagen gelöst werden.
Verpackt sind die
Aufgaben oft in Bibelzitate, fremde Schriftzeichen, wissenschaftliche
Rätsel oder sonstige Anspielungen, wobei den Teilnehmern
traditionellerweise auch ein Road-Trip in einen anderen Bundesstaat und
Blutspenden abverlangt werden.
Die jährliche MIT
Mystery Hunt des Massachusetts Institute of Technology stellt die
intellektuellen Kapazitäten der mittlerweile nahezu tausend Teilnehmer
auf die Probe und besteht typischerweise aus einer Verkettung
unzähliger Rätsel und Meta-rätsel, deren Lösung die Teams nach zwei bis
drei schlaflosen Tagen zu einem auf dem Campus versteckten Gegenstand
führt. Die Organisation ist Ehrensache und gebührt dem Gewinnerteam des
letzten Jahres.
Eine
österreichische Version der Scavenger Hunt an der TU Wien "war eine
spontane Idee, eigentlich scherzhaft - bis wir gedacht haben, das
könnten wir wirklich machen", erzählt Paul Jaroch, Informatikstudent,
Organisator und Gründungsmitglied des hunTU.
Vorgaben zur
Teamgröße waren letztes Jahr noch großzügig. Die Freihauspiratinnen,
ein Team der ÖH, traten zu zehnt an, das kleinste Team bestand aus
einem Duo. "Die Kleinen waren schon im Nachteil", mussten Staroch und
die anderen Organisatoren jedoch feststellen, und nun ist - um der
Chancengleichheit willen - eine Teamgröße von vier bis acht Mitgliedern
Pflicht.
Das Projekt
musste bisher ohne Zuschuss der ÖH oder sonstige Fördergelder
auskommen. Die 111 Euro Preisgeld, die letztes Jahr zu gewinnen waren,
haben die Organisatoren aus eigener Tasche bezahlt.
Kreativ sein statt kaufen
2009 findet der
hunTU wieder Pi Tage lang, also 3,14 Tage, von 21. bis 24. Mai statt.
Die Tatsache, dass sowohl Christi Himmelfahrt, der TU-Rektorstag als
auch ein Wochenende in diese Zeitspanne fallen, bringt, neben der
Tatsache, dass die Studierenden frei haben, einen weiteren sinnvollen
Nebeneffekt.
"Es ist so
ausgerichtet, dass Geschäfte und Bibliotheken möglichst zu sind", sagt
Staroch. Ziel der Sache sei, die geforderten Objekte auf kreative Art
aufzutreiben und nicht einfach einzukaufen.
"Eigentlich
sollte in jedem Team zumindest einer von der TU, entweder ein Student
oder Absolvent, sein", sagt Staroch. So eng sei die Sache dann aber
doch nicht, ergänzt er schnell, de facto ist jeder willkommen. Die
Teilnahme ist kostenlos.
Darauf, dass der
hunTU einmal so groß und legendär wird wie das amerikanische Vorbild,
mag Staroch noch nicht hoffen. Seine Zukunftsvision: "Größer,
bekannter, mit mehr Teams und Sponsoren." (Romana Riegler/DER STANDARD, 65.3.2009)