Auf der Jagd nach dem heiligen Toast

6. März 2009, 14:49
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Studierende bringen in Eigenregie amerikanisches Campus-Feeling an die TU Wien: eine Pi-tägige Jagd nach metrischen Räumen und KPÖ-affinen Burschenschaftern

Wien - "Einen unterschriebenen Brief eines Burschenschafters auf dem Briefpapier einer Burschenschaft, in dem er der KPÖ alles Gute für die nächste Nationalratswahl wünscht (30 Punkte). Irgendetwas, auf dem 'Made in GDR' oder 'Made in East Germany' steht (3 Punkte). Ein metrischer Raum (1 Punkt). Ein Teammitglied mit Klebeband an die Wand kleben (42 Punkte). Eine Toastscheibe mit 'hunTU'-Schriftzug. (10 Punkte. 5 Bonuspunkte, wenn ein Marienbild auch darauf ist)."

Mit Aufgaben wie diesen, neun Organisatoren und vier teilnehmenden Teams startete der hunTU 2008, eine Schnitzeljagd, bei der die Studierenden eine vorgegebene Liste von ausgefallenen Objekten und Aufgaben so kreativ und komplett wie möglich erledigen müssen.

AKWs und Unterwäsche

Vorbild ist die University of Chicago Scavenger Hunt, kurz Scav Hunt, die seit 20 Jahren jeden Mai stattfindet und als eine der Hauptattraktionen des Studiums an der Universität von Chicago gilt.

Aufgaben wie die Errichtung eines funktionstüchtigen Nuklearreaktors in einer Bretterbude auf dem Campusgelände, die Beschaffung eines lebenden Elefanten, eines in menschliche Haut gebundenen Buches oder eines "professionellen Unterwäschemodels, das vor den Juroren professionell Unterwäsche modelt", wollen innerhalb weniger Tagen gelöst werden.

Verpackt sind die Aufgaben oft in Bibelzitate, fremde Schriftzeichen, wissenschaftliche Rätsel oder sonstige Anspielungen, wobei den Teilnehmern traditionellerweise auch ein Road-Trip in einen anderen Bundesstaat und Blutspenden abverlangt werden.

Die jährliche MIT Mystery Hunt des Massachusetts Institute of Technology stellt die intellektuellen Kapazitäten der mittlerweile nahezu tausend Teilnehmer auf die Probe und besteht typischerweise aus einer Verkettung unzähliger Rätsel und Meta-rätsel, deren Lösung die Teams nach zwei bis drei schlaflosen Tagen zu einem auf dem Campus versteckten Gegenstand führt. Die Organisation ist Ehrensache und gebührt dem Gewinnerteam des letzten Jahres.

Eine österreichische Version der Scavenger Hunt an der TU Wien "war eine spontane Idee, eigentlich scherzhaft - bis wir gedacht haben, das könnten wir wirklich machen", erzählt Paul Jaroch, Informatikstudent, Organisator und Gründungsmitglied des hunTU.

Vorgaben zur Teamgröße waren letztes Jahr noch großzügig. Die Freihauspiratinnen, ein Team der ÖH, traten zu zehnt an, das kleinste Team bestand aus einem Duo. "Die Kleinen waren schon im Nachteil", mussten Staroch und die anderen Organisatoren jedoch feststellen, und nun ist - um der Chancengleichheit willen - eine Teamgröße von vier bis acht Mitgliedern Pflicht.

Das Projekt musste bisher ohne Zuschuss der ÖH oder sonstige Fördergelder auskommen. Die 111 Euro Preisgeld, die letztes Jahr zu gewinnen waren, haben die Organisatoren aus eigener Tasche bezahlt.

Kreativ sein statt kaufen

2009 findet der hunTU wieder Pi Tage lang, also 3,14 Tage, von 21. bis 24. Mai statt. Die Tatsache, dass sowohl Christi Himmelfahrt, der TU-Rektorstag als auch ein Wochenende in diese Zeitspanne fallen, bringt, neben der Tatsache, dass die Studierenden frei haben, einen weiteren sinnvollen Nebeneffekt.

"Es ist so ausgerichtet, dass Geschäfte und Bibliotheken möglichst zu sind", sagt Staroch. Ziel der Sache sei, die geforderten Objekte auf kreative Art aufzutreiben und nicht einfach einzukaufen.

"Eigentlich sollte in jedem Team zumindest einer von der TU, entweder ein Student oder Absolvent, sein", sagt Staroch. So eng sei die Sache dann aber doch nicht, ergänzt er schnell, de facto ist jeder willkommen. Die Teilnahme ist kostenlos.

Darauf, dass der hunTU einmal so groß und legendär wird wie das amerikanische Vorbild, mag Staroch noch nicht hoffen. Seine Zukunftsvision: "Größer, bekannter, mit mehr Teams und Sponsoren." (Romana Riegler/DER STANDARD, 65.3.2009)

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