Tibet-Filmwoche in Wien: 10. bis 17. März

6. März 2009, 14:42
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"Singende Nonne" spricht über 15 Jahre Gefängnis

Wien - Der Kulturverein Schikaneder veranstaltet in Zusammenarbeit mit der Tibetergemeinschaft und dem Verein Save Tibet von 10. bis 17. März in Wien eine Filmreihe mit dem Titel "Acht Tage in Tibet". Anlass ist der 50. Jahrestag des tibetischen Volksaufstandes vom 10. März 1959 mit der anschließenden Flucht des 14. Dalai Lama ins indische Exil. Ziel der Filmwoche sei es, dem österreichischen Publikum ein vielschichtiges und zeitgemäßes Bild vom heutigen Tibet zu zeigen. "Der Mythos Tibet ist eine westliche Erfindung", sagte Lobsang Gyalpo, Vizeobmann des Vereins "Save Tibet" und Pressesprecher der österreichischen Tibetergemeinschaft, bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Wien.

"Falsches Bild von Tibet"

Der Mythos um sein Heimatland stelle Tibet als eine "Art Wunderwelt" dar, so Gyalpo, der seit über 20 Jahren in Österreich lebt. Dieser Mythos sei durch Hollywood-Filme und Reisefilme entstanden und erst durch den Film "Sieben Jahre in Tibet", der auf Heinrich Harrers Erlebnissen im Himalaya-Land basiert, aufgeweicht worden. Chinas Regierung wiederum versuche, das Land genau gegenteilig zu präsentieren. Auf beiden Seiten werde ein "extremes, falsches Bild von Tibet" gezeichnet. "Wo liegt die Wahrheit?", fragte Gyalpo bei der Pressekonferenz. Die Filmreihe "Acht Tage in Tibet" versuche, ihr näher zu kommen. Die Filme seien sowohl von Tibetern als auch von westlichen Beobachtern gedreht worden.

Österreichische Erstaufführung

Der Auftakt findet am Dienstag, 10. März mit der österreichischen Erstaufführung des Films "What Remains of Us" (Canada, Tibet, 2004) im Wiener Filmcasino statt (20.00 Uhr), einleitende Worte spricht Francesca von Habsburg. Die weiteren 13 Filme sowie ein kurzes Interview mit dem tibetischen Exil-Oberhaupt, dem Dalai Lama, werden während der Filmwoche im Schikanederkino gezeigt. Die Beiträge stammen aus dem Zeitraum 1938 bis 2008 und werden im Anschluss mit Experten, Filmemachern und Augenzeugen diskutiert. Unter anderem werden Filme von Jürgen Czwienk, Steffen Bayer, Sergiu Matei sowie dem österreichischen Regisseur Manfred Neuwirth ("Tibet Revisited") gespielt und mit den Filmemachern besprochen. Zusätzlich gibt es ein Rahmenprogramm mit Diskussionen und Vorträgen zur Geschichte und aktuellen Situation Tibets.

Der Eröffnungsfilm "What remains of Us" dokumentiert die Reise von Kalsang Dolma, einer jungen tibetischen Frau die in Kanada aufgewachsen ist. Sie hat eine Botschaft des Dalai Lama aufgezeichnet und reist damit erstmals in ihr Heimatland, um die Worte des Exil-Oberhauptes zu verbreiten. Der Film wurde mit tragbaren Kameras und ohne das Wissen der chinesischen Behörden über acht Jahre hinweg aufgenommen. Der Dalai Lama fordert sein Volk in der Botschaft auf, weiterhin stark zu bleiben: "Wir kämpfen für die Freiheit, nicht gegen die Chinesen."

Im Exil lebende Nonne zu Gast

Im Anschluss an den Film "Satya: A Prayer for the Enemy" (USA, Tibet, Indien, 1994) spricht die im Exil lebende tibetische Nonne Phuntsog Nyidron als Zeitzeugin über ihre persönlichen Erinnerungen. Sie war mehrere Jahre in Tibet inhaftiert und lebt heute in der Schweiz. China hatte sie aufgrund heftiger Kritik an seiner Menschenrechtslage im Februar 2004 nach fast 15 Jahren im Gefängnis vorzeitig freigelassen. Phuntsog Nyidron war die Letzte der 14 als "singende Nonnen" bekanntgewordenen Gruppe von Gefangenen, die wegen eines aus der Haft geschmuggelten Tonbands mit Unabhängigkeitsliedern in Gefängnis gesessen waren.

Am 17. März werden der Abschlussfilm "The Unwinking Gaze" (Großbritannien, 2008) sowie ein zehnminütiges Interview mit dem Dalai Lama (Italien, Februar 2009) gezeigt. Im Anschluss berichtet der Botschafter des Dalai Lama in Genf, Tseten Samdup Chhoekyapa, über die derzeitige Lage in Tibet.

"Save Tibet" wurde vor über zehn Jahren gegründet. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter verwalten unter anderem über 800 Patenschaften von tibetischen Flüchtlingen, sammeln Spenden für Sozialprojekte an Orten der Exiltibeter und machen mit Veranstaltungen auf die Situation der Tibeter aufmerksam. Die Tibetergemeinschaft bestehe aus den rund 170 bis 180 Exiltibetern in Österreich und sei vor allem dazu da, um die tibetische Kultur und Sprache aufrecht zu erhalten, so ihr Pressesprecher Lobsang Gylpo. (APA)

 

Tibet war von 1720 bis zum Zusammenbruch des chinesischen Kaisertums 1911/12 chinesisches Protektorat. Von 1913 bis 1950 war der buddhistische Klosterstaat faktisch selbstständig. 1950/51 marschierte die chinesische kommunistische "Volksbefreiungsarmee" mit rund 80.000 Mann in Tibet ein, ein 17-Punkte-Abkommen sollte die Autonomie Tibets trotz Integration in die Volksrepublik China garantieren. Nach der Niederschlagung des Volksaufstands im Jahr 1959 floh der 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso, mit über 100.000 Landsleuten über die Grenze nach Indien, wo er heute lebt. Am 1. September 1965 errichtete Peking die "Autonome Region Tibet". Deren Fläche ist wesentlich kleiner als die des alten Tibet, von dem Teile den chinesischen Provinzen Qinghai und Sichuan zugeschlagen wurden. (APA)

  • Der Film "What remains of us" wird im Rahmen der Tibet-Filmwoche im Schikaneder-Kino in Wien gezeigt.
    seville films

    Der Film "What remains of us" wird im Rahmen der Tibet-Filmwoche im Schikaneder-Kino in Wien gezeigt.

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