Kabellos ins Internet: W-LAN erobert Wiener Kaffeehäuser

6. März 2009, 13:27
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Gratis-Angebot bisher kaum kommuniziert - Landtmann und Prückel bereits mit Drahtlos-Service - Freewave-Chef: Wird in zehn Jahren Standard sein

Kaffee, Kuchen, kabellose Internetverbindung: Die W-LAN-Technologie erobert zusehends die Wiener Kaffeehäuser. Dabei haben in den vergangenen Jahren nicht nur junge, hippe Koffein-Schuppen sogenannte Hotspots installiert, sondern auch zahlreiche Traditionsbetriebe, sagen sowohl Branchenvertreter als auch W-LAN-Ausrüster. Wo es eine drahtlose www-Verbindung gibt, ist aber gar nicht so leicht zu erfahren: Aktiv kommuniziert wird das Gratis-Angebot bisher nämlich kaum.

"Ich selbst habe viele Betriebe dazu gebracht, W-LAN zu nehmen"

In den vergangenen drei Jahren habe sich das drahtlose Internet-Service in den Cafes stark durchgesetzt, berichtet Maximilian Platzer, Obmann des Klubs der Wiener Kaffeesieders, der APA. "Ich selbst habe viele Betriebe dazu gebracht, W-LAN zu nehmen", verweist Platzer, der auch Chef des Cafe Weimar ist, auf das "zeitgemäße Zusatzangebot" zum üblichen Zeitungs- und Magazinsortiment. Mittlerweile sei die Hotspot-Dichte vor allem bei größeren Betrieben innerhalb des Gürtels sehr hoch. So verfügen etwa bereits die bekannten Kaffeehäuser Landtmann, Prückel oder Sperl über das Drahtlos-Service.

" Brauch ma des?'"

Am Anfang seien viele Betreiber etwas "reserviert" gewesen, berichtet der Obmann: "Viele haben gesagt: 'Brauch ma des?'" Es hätte Befürchtungen gegeben, dass Laptop-Benutzer die Atmosphäre zerstören oder "Plätze versitzen" würden. Dies habe sich aber nicht bewahrheitet. Wie viele Cafes das kostenlose Service mittlerweile anbieten, kann Platzer nicht beziffern.

In der Wiener Wirtschaftskammer (WKW) scheint dieses Segment vorerst noch auf eher wenig Interesse zu stoßen. "Da haben wir keine Zahlen", so Sparten-Geschäftsführer Norbert Lux auf APA-Anfrage. Dies soll sich demnächst aber ändern: So will die Kammer bei der nächsten Befragung ihrer Gastro-Mitglieder, bei der regelmäßig Daten von der räumlichen Beschaffenheit bis zum Zeitungssortiment gesammelt werden, erstmals auch die Verfügbarkeit von W-LAN erheben. Maßnahmen, um das Angebot breiter zu kommunizieren - etwa mit einheitlichen Stickers für die betreffenden Cafes oder einer gebündelten Standortliste im Web - sind laut Lux derzeit nicht angedacht, könnten aber künftig durchaus "Diskussionsgrundlage" sein.

Standard

"In zehn Jahren wird das ein Standard-Service sein", ist Wolfgang Krivanek, Geschäftsführer von Freewave überzeugt. Sein seit vier Jahren bestehendes Unternehmen hat in der Bundeshauptstadt neben Hotels und anderen viel frequentierten Gebäuden auch zahlreiche Kaffeehäuser mit einem W-LAN-System ausgestattet. Neben dem technischen Equipment wird der kabellose Internetzugang von der Firma zudem gewartet. Zudem versucht Freewave, seine Kunden auch über einschlägige Plattformen wie Facebook zu promoten. Für all das bezahlt der Cafetier einen monatlichen Pauschalbetrag, der laut Krivanek in der Regel 99 Euro beträgt.

Eigenregie

Einige Lokale würden sich auch in Eigenregie einen Hotspot aufbauen. Gerade durch die Entwicklung www-tauglicher Kleingeräte, etwa intelligenter Handys, gewinne diese Dienstleistung zunehmend an Bedeutung, ist der Freewave-Chef überzeugt. Außerdem seien die Roaminggebühren von Mobilfunkanbietern immer noch vergleichsweise hoch. Die Kaffeehausbetreiber seien jedenfalls zufrieden. Nachträgliche Stornos von Lokalen, die das Service bereits abonniert haben, gebe es so gut wie keine.

"In einem alten Kaffeehaus sollen sich die Leute unterhalten oder Zeitung lesen, und nicht vorm Bildschirm sitzen und im Internet herumtun"

So mancher Kaffee-Ausschenker ist allerdings noch nicht überzeugt vom Einzug der virtuellen Welt in ihr Lokal. "In einem alten Kaffeehaus sollen sich die Leute unterhalten oder Zeitung lesen, und nicht vorm Bildschirm sitzen und im Internet herumtun", gibt sich Gertrude Dinjer, Chefin des traditionsreichen Cafe Eiles, resolut. Von ihren Gästen habe auch noch niemand nachgefragt: "Das würde sich gar nicht rentieren", so ihre Schlussfolgerung.

 

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