Arbeitslosigkeit steigt in rasantem Tempo

6. März 2009, 15:15
358 Postings

Das AMS geht für heuer von 50.000 Jobsuchenden mehr aus als im Vorjahr, 26.000 Stellen in allen Branchen sind derzeit offen

Wien - Die Arbeitslosigkeit in Österreich wird heuer deutlich stärker steigen als erwartet. Die Prognose von 20.000 bis 25.000 Jobsuchenden mehr im laufenden Jahr sei nicht zu halten, so der Vorstand des Arbeitsmarktservice (AMS), Johannes Kopf, am Freitag. Er gehe aus jetziger Sicht von 40.000 bis 50.000 mehr Arbeitslosen aus. Wobei Prognosen immer mit Vorsicht zu genießen seien. Trotzdem will immer noch jeder sechste Betrieb oder 16 Prozent der Unternehmen laut einer vom AMS in Auftrag gegebenen market-Studie heuer im ersten Halbjahr Personal einstellen.

Dies ist allerdings deutlich weniger als 2007 und Anfang 2008. Bei den quartalsmäßig von der Industriellenvereinigung (IV) durchgeführten Konjunkturumfragen gaben damals noch mehr als 30 Prozent der Unternehmen an, Personal einstellen zu wollen. Die beiden Umfragen seien zwar nicht direkt vergleichbar, so Kopf, zeigen aber den Trend.

Gesucht werden auch jetzt vor allem Facharbeiter mit einem Anteil von 65 Prozent, gefolgt von Angestellten mit Matura und Hilfsarbeitern mit jeweils 17 Prozent, Angestellte ohne Matura mit 12 Prozent, Akademiker mit 11 Prozent. Schlusslichter sind freie Dienstnehmer und Leiharbeiter mit 1 bzw. 3 Prozent.

Sechs Prozent der 911 befragten Unternehmen planen, Personal abzubauen. Dabei wird bei 48 Prozent der Befragten der Personalabbau größer ausfallen als im Vorjahr. Bei 36 Prozent wird er in etwa gleich groß sein. 16 Prozent glauben, dass er geringer sein wird als im Vorjahr. Als Ursache für den Personalabbau gaben 60 Prozent der Unternehmen die Wirtschaftskrise an.

Schaffung von Stellen

Im Februar ist die Zahl der beim AMS gemeldeten offen Stellen um 29 Prozent auf 26.275 Jobs geschrumpft. Trotzdem will das AMS übers Jahr verteilt heuer rund 370.000 freie Stellen besetzen. Die meisten offenen Stellen gibt es derzeit immer noch bei den "Sonstigen Wirtschaftlichen Dienstleistungen" (6.500), im Handel (3.500), in der Beherbergung und Gastronomie (3.500), am Bau (2.000), in der Produktion (2.000) und im Gesundheitswesen (1.000).

Große Job-Chancen für die Zukunft sieht Kopf im Gesundheits- und Sozialbereich. Vor allem mit der Ausweitung der Kindergartenplätze werde entsprechendes Personal gesucht werden. Aber auch im Tourismus und in der Metallindustrie werde es für Fachkräfte Jobchancen geben. Denn der Fachkräftemangel bleibe weiter bestehen. Das zeige auch die Umfrage: 80 Prozent der befragten Betriebe glauben, dass trotz der Wirtschaftskrise grundsätzlich Fachkräfte gesucht werden.

Zur effektiveren Stellenakquisition hat das AMS im Internet einen Jobroboter gestartet. Dieser ermöglicht die Jobsuche auf den Unternehmenswebsites im Internet und funktioniert wie eine Suchmaschine. Mit der Aktion Log:in Tour werden rund 350 AMS-Mitarbeiter zu den Betrieben unterwegs sein, um Jobs zu akquirieren. Dabei werden mehr als 4.800 Unternehmen in ganz Österreich besucht werden.

AMS-Vorstand: Bis zu 400.000 Arbeitslose im Winter 2010

Aufhorchen ließ am Freitag auch AMS-Vorstand Herbert Buchinger: "Es wird leider noch schlimmer. Wir stehen erst am Anfang der Krise am Arbeitsmarkt. Wir werden im Jahresdurchschnitt mit 65.000 Arbeitslose plus rechnen müssen. Das heißt, es wird im Winter 2010 an die 400.000 geben", sagte Buchinger dem Kabelfernsehsender BKF anlässlich des Spatenstichs zum Ausbau des Burgenländischen Schulungszentrums (BUZ) am Freitag in Neutal.

Erst in fünf Jahren sei mit einem Sinken der Arbeitslosenzahlen zu rechnen, so Buchinger laut BKF. Der wichtigste Partner in dieser Krise wären die Gemeinden. Diese müsste man mit Geld ausstatten, weil die eher kleinen Projekte, die Gemeinden zusätzlich starten können, eher der regionalen Wirtschaft zugutekämen, so der AMS-Vorstand. Bei Großaufträgen habe man hingegen keine Kontrolle im europäischen Wirtschaftsraum, wer den Auftrag bekomme.

Ein nützliches Konjunkturprogramm wären nach Ansicht Buchingers Investitionen in die soziale und materielle Infrastruktur in der Gemeinde. Auch Beschäftigungsprogramme über die Kommunen wären notwendig, um insbesondere arbeitslose Jugendliche vorübergehend bei Gemeinden zu beschäftigen. "Selbstverständlich muss man die Gemeinden dafür finanziell ausstatten. Das geht auch über die Arbeitsmarktförderung", so Buchinger. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Jeder sechste Betrieb sucht Personal.

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.