"Wie beim Fürnkranz"

6. März 2009, 12:49
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Die Designermode-Schnäppchen-Jagd beim Diskonter Hofer verläuft nach eigenen Regeln, der Andrang hält sich in Grenzen

Wien - "Na geh, das ist ja ein Rock." Die alte Dame an der Kassa ist froh, am Fließband noch schnell mit einer anderen Kundin ihre Beute verglichen zu haben. Eine Hose wollte sie, jetzt muss sie noch einmal zurück in die charmefreie Ecke, die heute in der Hofer-Filiale im ersten Bezirk zur Fashion-Zone erklärt wurde. Dort tummeln sich am frühen Morgen zwar Interessierte, von einem Ansturm auf Edelschneider La Hongs Designerstücke ist man aber weit entfernt. Ein Schüppel Damen und zwei entschlossene Herren sind gekommen, um zu kaufen. 24 Entwürfe unter der Marke "lineight" hat der Designer für den Diskonter kreiert. Dieser hat ganz entgegen seiner sonstigen Gepflogenheiten ausgiebig geworben - in TV, Wirtschafts- und Wochenmagazinen und Qualitätsmedien. Dass der Andrang trotzdem überschaubar ist, ist auch gut, denn das ausgeklügelte Logistik-System hätte vermutlich einem solchen gar nicht standgehalten.

Zweigeteiltes Lager

Offensichtlich ist: Die Zone ist zweigeteilt. Links die Herren, rechts die Damen. Dass der Andrang rechts bei weitem größer ist, erstaunt nicht. Dass die Bruchlinie in Sachen Stimmung dementsprechend verläuft, auch nicht. "Hasi, ich brauch drei weiße Hosen", sagt der gut gelaunte Herr im unscheinbaren blauen Anzug zu seiner weniger gut gelaunten Angetrauten. Die steht in einer Reihe mit Gleichgesinnten und hat das offenbar schon einigermaßen satt. "Da musst du dich anstellen", weist sie ihrem Gespons mit dem ausgestreckten Zeigefinger den Weg in Richtung der rosa gewandeten, jungen Damen. Deren Laune entspricht nicht ganz der Farbe ihrer Kleidung. Drei von ihnen sind zur Warenausgabe abgestellt. Mit dem System ist nicht jede von ihnen bis ins letzte vertraut. Da wird heftig in diversen Abreißblocks geblättert, anhand von Nummern versucht herauszufinden, ob das jeweilige T-Shirt in der entsprechenden Größe und gewünschten Farbe noch verfügbar ist. Diesfalls wird es entweder dem mannshohen Stapel entnommen - oder aus dem Lager geholt. Daneben gilt es den ungeduldigen Kundinnen mitzuteilen, in welch anderen Größen in Kombination mit welcher Farbe das T-Shirt zu haben ist. Mit dem Beraten kann man es da nicht mehr ganz so genau nehmen "Größe 34 passt ihnen sicher," sagt die dunkelhaarige Verkäuferin zur Kundin. Die will das fuchsia-farbene Faltenröckchen mit Größe 36 vergleichen: "Passt auch," nickt die Mitarbeiterin, während sie den Schachtelstapel nicht aus den Augen lässt.

Aus gutem Grund, heißt es doch, streng über die weißen Behältnisse mit dem im Höchstfall 100-Euro-Kleidungsstücken zu wachen. "Das können Sie nicht selbst wegnehmen," bellt die blonde Verkäuferin empört die vorwitzige Kundin in der teuren Moncler-Jacke an. Die ist ihrerseits genervt, weil um 8:30 Uhr offenbar nicht mehr zu haben ist, was sie auf ihre Einkaufsliste gesetzt hatte: "Ich war vorher da," sagt sie beleidigt und zeigt auf eine andere Kundin, die sich mutmaßlich vorgedrängt hat und damit offensichtlich auch noch erfolgreich war. Die Konkurrentin, eine hoch gewachsene Dame in High-Heels, mit Plastiktasche im Tigerlook, unverkennbar geliftet und keineswegs sparsam bei der Schminke, hat offenbar beschlossen, auch in Sachen Designerschnäppchen heute nicht kleinlich zu sein. Vier Kartons mit silbernem Emblem hält sie bereits in Händen, den fünften ist sie gerade dabei zu erobern. Bei den Methoden ist man im Fall der Fälle hier nicht zimperlich. Aber wer es wirklich ernst meint, kann auch noch bestellen. "Vorne steht der Chef, der nimmt ihre Daten auf," wird die Unglückliche vertröstet. Telefonnummern werden notiert, Anrufe versprochen.

Nörgeln und kaufen

Designermode von Hofer will eben verdient sein. Der geübte Diskonter-Kunde nörgelt zwar ob der etwas puristischen Umstände, aber das Preis-Leistungsverhältnis ist eben doch zu verlockend. "Das ist ordentlich genäht", nickt eine Kundin anerkennend, prüft den Saum und nimmt das Innenleben des Mantels genau unter die Lupe. "Wie die Ware außen aussieht, das weiß man eh, nach der vielen Werbung," ergänzt sie, "ich hab's in der Zeitung gesehen." Mangels Beratung seitens der Verkäuferinnen - die sind mit Kundenbesänftigung und Wunschidentifizierung ausgiebig beschäftigt - hilft man sich inzwischen gegenseitig. Die männlichen Modefreaks lassen sich ihren Spaß offensichtlich ohnedies nicht verderben. "Drei weiße Birken," summt der Herr, der drei weiße Hosen sucht, fröhlich vor sich hin. Er macht sich kurz entschlossen die Tatsache zunutze, dass die weiblichen Kunden das Verkaufspersonal weitgehend in Beschlag nehmen. Für die strenge Kontrolle der männlichen Kaufwilligen bleibt ganz einfach keine Zeit. Vielleicht ist das aber auch Kalkül - die Herren verhalten sich einfach disziplinierter und unerschrocken. Dem Kunden im blauen Parka genügt ein Blick in die weiße Schachtel, die er eigenhändig aus dem Stapel zieht. Zwei Minuten inklusive Prüfung des Teils an der wackeligen Kleiderstange - hier hängen die gesamten Modelle zur Ansicht - und der Einkauf ist erledigt.

Verpackung und Co sind für ihn offenkundig zweitrangig: Ganz anders die Damen. Die lassen sich auch von äußeren Werten überzeugen - von der seidigen rosa Stoffhülle, die das jeweilige Kleidungsstück dann im Kundenkasten umhüllen soll: "Wie beim Fürnkranz," nickt eine Kundin vielsagend, während daneben noch etwas unentschlossen hin- und herüberlegt wird, ob es die Marlenehose sein muss. "Die passt sicher," bestärkt die Dame mit Brille und in seriösem Äußerem und macht den einzigen Spiegel frei, den hier aber ohnehin kaum jemand braucht. "Ja schon, aber ich weiß nicht, ob ich sie will," lautet die zögerliche Antwort. "Da sieht man halt sofort, dass das aus der Hoferkollektion ist," wirft eine rund 40-Jährige, die in etwa dem Altersschnitt der Anwesenden entspricht, ein. "Dazu muss man stehen," lautet die Antwort. Etwas schnippisch werden verschiedene Einkaufsphilosophien ausgetauscht: "In den Bergen sieht man ja auch sofort, wer sein G`wandl vom Eduscho hat."

Solche Diskussionen lassen die zum Umtausch gezwungene Dame mit Rock statt Hose relativ kalt. Vermutlich wird Beides nicht passen. Aber man kann ja umtauschen. "Am Montag - und die Schachtel aufheben," nickt die Dame an der Kassa aufmunternd. (Regina Bruckner)

 

  • Designer-Mode aus der Schachtel - die La-Hong-Modelle sind gut verpackt.
    foto: standard/hendrich

    Designer-Mode aus der Schachtel - die La-Hong-Modelle sind gut verpackt.

  • Ganz so glamourös wie bei der Präsentation der La-Hong-Kollektion (im Bild) ist es beim Verkauf dann natürlich nicht.
    foto: bruckner

    Ganz so glamourös wie bei der Präsentation der La-Hong-Kollektion (im Bild) ist es beim Verkauf dann natürlich nicht.

  • Der eine oder andere zieht zufrieden von dannen - die Beutestücke unter den Arm geklemmt wie Pizzaschachteln.
    foto: bruckner

    Der eine oder andere zieht zufrieden von dannen - die Beutestücke unter den Arm geklemmt wie Pizzaschachteln.

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