Rundschau: Hobbit reloaded

Josefson
21. März 2009, 13:36
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coverfoto: klett-cotta

J.R.R. Tolkien: "Der Hobbit", illustrierte Ausgabe

Gebundene Ausgabe, 397 Seiten, € 23,60, Klett-Cotta 2009.

Mehr Gerüchte als gesichertes Wissen gibt es nach wie vor um die - zweiteilige oder vielleicht doch nur einteilige - "Hobbit"-Verfilmung durch Guillermo del Toro; geplanter Kinostart 2011/12. Und sollten alle diejenigen OriginalschauspielerInnen aus der "HdR"-Verfilmung, die auch am "Hobbit" Interesse bekundet haben, Platz finden, müsste del Toro tatsächlich die Zweiteiler-Variante mit eingefügten Episoden aus den Handlungsjahrzehnten zwischen "Hobbit" und "Herr der Ringe" ins Auge fassen: vom Hobbit-Quartett über "Aragorn" bis zu "Saruman" wären fast alle gerne wieder mit von der Partie, die es der Vorlage nach gar nicht sein könnten. - Aber das ist ohnehin nicht der Anlass der aktuellen Neuausgabe von "Der Hobbit": Klett-Cotta feiert das  40-jährige Jubiläum seiner Fantasy-Schiene "Hobbit-Presse" mit dem wohl für alle Zeiten zugkräftigsten Pferd im Stall. John Ronald Reuel Tolkien ist der bedeutendste Fantasyautor überhaupt, heißt es dementsprechend ohne jedes gschamige Understatement im Klappentext.

Ebensowenig wie der Autor bedarf die Geschichte vom Hobbit Bilbo, der aus einem Land, in dem Schilde nur noch zum Wiegen von Kindern und als Topfdeckel benutzt werden, auszog, um den Helden in sich zu entdecken, einer näheren Beschreibung. Kommen wir gleich zum Mehrwert der Neu-Ausgabe: Die liegt in den mittlerweile kanonisch gewordenen Illustrationen Alan Lees. 26 ganzseitige Farbtafeln vom Drachen Smaug bis zur Schlacht der Fünf Heere, dazu noch 41 Schwarzweißzeichnungen im Text. Optisch ist das so-weit-wie-nur-geht entfernt von den Zeichnungen Klaus Ensikats aus der ersten deuschen "Hobbit"-Ausgabe. Und ein weiterer Schritt in die Richtung, den "Hobbit" (das kleine ist ja schon vor langem entfallen) etwas erwachsener zu präsentieren.

Das ist in der Tat begrüßenswert, ändert freilich nichts daran, dass der "Hobbit" eben kein erster Teil einer "Herr der Ringe"-Tetralogie ist, sondern einen ganz anderen Grundton anschlägt. War der "HdR" eine veritable Saga, dann steht der "Hobbit" dem Märchen mindestens ebenso nahe. Nicht nur, weil sich die - durchaus blutige - Handlung ein wenig harmloser gibt und hauptsächlich fröhliche Spottlieder statt elbischer Elegien gesungen werden. Sondern auch aufgrund der Erzählweise: Immer wieder wird das Lesepublikum direkt angesprochen (Stellt euch sein Entsetzen vor!), dazu kommen formelhafte Erzählstrukturen - die gleichzeitig zu den Highlights des Romans zählen: Etwa Bilbos Rätselspiel mit Gollum oder sein späterer Dialog mit dem Drachen - oder Gandalfs gewitzter Abenteuerbericht im Hause Beorns, mit dem er nach und nach die gesamte uneingeladene Zwergenschar in dessen Haus einführt.

Die Übersetzung ist nach wie vor diejenige Wolfgang Kreges aus dem Jahr 1997 mit allen vieldiskutierten Stärken und Schwächen. Lieder und Gedichte sind mit sehr viel mehr Sorgfalt wiedergegeben als in der älteren Übersetzung, zudem ist die Terminologie mit dem "Herrn der Ringe" besser in Einklang gebracht (die 1957er Übersetzung von Walter Scherf setzte unter anderem Elben mit Gnomen gleich ...). Dafür sind einige Modernismen wie kicken oder Chef enthalten - doch darf man nicht vergessen, dass der "Hobbit" einer LeserInnenschaft des mindestens Vierten Zeitalters erzählt wird, das mit Begriffen wie Lokomotive oder Fußball etwas anfangen kann. Gewöhnungsbedürftig ist allenfalls die Anredeform "Sie", die durchgehend statt des altertümelnden "Ihr" verwendet wird, wie sich's viele von einem High Fantasy-Roman vielleicht erwarten würden. Und ob die Trolle, denen Bilbo unterwegs begegnet, nun Bill, Bert & Tom (Scherf) oder Hucki, Toni & Berti (Krege) heißen, spielt auch keine größere Rolle: erinnert in beiden Fällen mehr an ein Schlager-Trio als an die Olog-hai, die später durch den Ringkrieg stampfen werden. Man kann's nicht oft genug sagen: "Der Hobbit" und "Der Herr der Ringe" sind zwei verschiedene Paar Stiefel - doch beide auf ihre Art zu Recht in den Kanon der Weltliteratur eingegangen.

... wird interessant sein zu sehen, wie sehr die Verfilmung den Grundunterschieden zwischen "Hobbit" und "HdR" Rechnung tragen wird. In jedem Fall dürfte es sich hier um die in Neueditionen gemessen letzte Chance handeln, sich die Geschichte von Bilbo Beutlin selbst zu visualisieren, ehe Guillermo del Toro es uns besorgt.

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21 Postings
grandios geschrieben

danke

(fortsetzung)

chroniken auf deutsch noch nicht gelesen, (2009 heyne verlag). bin gespannt auf die übersetzung.
leider sind die ausgaben und die vorhandenen übersetzungen etwas unübersichtlich..zumindest die "macht des steins" wurde noch von jemand anders übersetzt (irene bohnhorst, 1985)..
habe versucht eine zusammenstellung der verschiedenen ausgaben zu machen...kann sie auf wunsch zukommen lassen..

stephen donaldson

eine anregung hätte ich jedoch. was jedoch fehlt in den rezensionen ist was von stephen donaldsons "chroniken von thomas covenant".

meiner meinung nach ein visionäres monumentalwerk!!!

oft mit tolkien verglichen, übertrifft es ihn auf vielen ebenen. leider geht viel der wirkung, vor allem die emotionale und psychologische tiefe, bei der übersetzung ins deutsche verloren. Dies obwohl die schwierige übersetzung von horst pukallus nicht schlecht ist und ist warscheinlich noch immer am besten. die übersetzung des sammelbands (die macht des rings) der ersten chroniken in der neuauflage von heyne 2008 ist leider eine katastrophe. wie die anderen neuübersetzungen von 2006 sind kann ich nicht beurteilen..habe die ersten 2 bücher der letzten

hammer

wer schreibt diese rezensionen????

wer immer es auch ist...phänomenal....ich bin sehr beeindruckt von den kenntnissen....

ich bin selber sciencefiction und fantasy fan und glaube mich recht gut auszukennen....aber hier kann ich mich nur vor ehrfurcht verbeugen....

Laut derStandard.at - Impressum handelt es sich um den Herr Mag. Jürgen Doppler den man sich hinter dem Kürzel "Josefson" vorstellen muss.

Der beste Mitarbeiter der Kultur Redaktion ist er in jedem Fall.

Lesen Sie mal seine Berichte über den Song-Contest!

und er unterhält sich sogar mit dem fußvolk (uns) :)

Sehr schöner Text zum Hobbit

vielen Dank!

der hobbit hat mich nicht gefreut. er passt nicht so recht rein, ins herr der ringe universum, im gegensatz zum simarillion und den nachrichten aus mittelerde.

zu seiner verteidigung könnte man höchstens anführen, dass mit der märchenhaften und entschärften erzählweise dem auenlandhaften gemüt bilbo beutlins auch auf stilistische art rechnung getragen wird.

ein weiteres mal vielen dank für eine weitere tolle rundschau

wieder 3 bücher auf meinem amazon-wunschzettel, die ich mir in bälde zu gemüte führen werde.

macht weiter so

ahhhhhhhhhhh...
ein neuer martinez. sehr lesenswert. er hat immer so gute ideen. leider kann er nicht wirklich gut schreiben, aber dafür gibts ja andere!

na dann wird's zeit ...

dass ich endlich "gyre" les, das hab ich irgendwo mal um einen euro gekauft, und seit ich weiss nicht, zehn jahren, steht's ungelesen im bücherregal.

Wer vor zehn Jahren mit Euro gezahlt hat, kennt Science Fiction aus erster Hand.

sie haben völlig recht, natürlich

hab nachgeschaut, und natürlich steht der preis nicht in euro drauf, sondern in DM/ATS. Insofern hab' ich das buch vermutlich um zehn schilling auf irgendeinem flohmarkt erworben - mittlerweile hab' ich es tatsächlich gelesen, und so begeistert war ich nicht. es krankt halt (wie alles was ich von barker gelesen habe) daran, dass er seine überbordende phantasie nicht konsequent so in worte fassen kann, dass ich mich davon gefesselt fühle. ausserdem kommt mir die motivation seiner charaktere sehr oft, na, sagen wir, nicht leicht nachvollziehbar vor.

Da rezensiert einer ...

... der die Materie wirklich kennt, guter Mann. Kann mit dem Begriff Olog-hai etwas anfangen und ihn sogar richtig zuordnen. :)

Profit klingt für mich , nach dem Buch das ich mir nächste woche beim Händler meines Vertrauens kaufen werden :D

Diverses

"Profit" ist ein gutes Buch, habe es schon seit drei Jahren. Zwar extrem überzeichnet, aber gerade in Zeiten wie diesen kann man nicht ganz ausschließen, dass irgendwann .... Mit einem Augenzwinkern werden eigentlich tragische Themen wie die US/UK Außenpolitik, CIA Putsche in Südamerika etc. persifliert.

Da meiner Einschätzung nach die meisten SF&F Autoren genau wie Morgan im politischen Spektrum links angesiedelt sind, kann man danach als erfrischenden Ausgleich Peter F. Hamilton's Greg Mandel Trilogie lesen ;-)

Wer Morgan's Takeshi Kovacs Bücher mochte, der sollte sich auch "Skorpion" kaufen.

Zur Zeit schreibt er an einer Fantasy-Trilogie, das erste Buch ist bisher nur auf Englisch erschienen ("The Steel Remains").

Re Greg Mandel: da bin ich ganz bei Ihnen...

...allerdings sind die neueren Hamilton-Werke repetitiver als ein Bach-Konzert. Eine endlose Aneinanderreihung von splatter-, sex- und "kapitalismus ist cool"-Szenarien. Irgendwie langweilig.

Ja, leider

Die ganzen Commonwealth-Universum Bücher sind wie Sie sagen nicht nur eine Wiederholung, sondern meiner Ansicht nach auch qualitativ schlechter als z.B. der Armageddon-Zyklus.

ich finde ja "the hobbit" wesentlich gelungener als das nachfolgewerk "lotr". natürlich schwer vergleichbar, weil viel kürzer, aber der bogen ist hier schöner gespannt.

v.a. sprachlich (jedenfalls im original)!
als ich "the hobbit" gelesen habe, dachte ich dauernd: jetzt weiß ich, was die monty pythons oder douglas adams als kinder am nachtkastl liegen hatten... der wortwitz ist großartig.

lotr dagegen wird sprachlich von band zu band immer schwülstiger, am schluss fand ich es z.t. schon etwas schwer erträglich.

klar, dass man das im original von tolkien lesen muss.
da ist eine menge augenzwinkern im hobbit dabei, und das mit lotr sehe ich genau so!

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