Frau zu sein ist oft ein Todesurteil

6. März 2009, 12:31
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Gleichberechtigung soll nicht nur an einem Tag Thema sein - In Österreich etwa jede vierte Frau mit häuslicher Gewalt konfrontiert

Wien - 1.000 Frauen werden im Kongo pro Monat sexuell gefoltert. Mit dieser Meldung ließ das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) am Freitag in einer Aussendung anlässlich des Internationalen Frauentages am kommenden Sonntag (8. März) aufhorchen. UNICEF fordert ein sofortiges Ende der Gewalt gegen Frauen.

Monsignore Leo Maasburg, Nationaldirektor der Päpstliche Missionswerke in Österreich "Missio", erklärte zum Weltfrauentag: "Besonders in den Ländern des Südens zählen Frauen häufig zu den Benachteiligten in der Gesellschaft, deren Würde mit Füßen getreten wird." Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen seien in vielen Ländern "entsetzlicher Alltag", so auch SPÖ-Entwicklungssprecherin Petra Bayr. "Gleichberechtigung und Anti-Diskriminierung dürfen nicht nur am Weltfrauentag Thema sein", betonte Volkshilfe-Präsident Josef Weidenholzer.

"Die alleinige Tatsache, dem weiblichen Geschlecht anzugehören, gleicht in vielen Fällen einem Todesurteil. Im Kongo hat die Ausrottung der Frauen System - die Täter töten, vergewaltigen und foltern nach Belieben und werden dafür nicht einmal belangt", so Gudrun Berger, Geschäftsführerin von UNICEF Österreich. Seit über einem Jahrzehnt werden Frauen UNICEF-Angaben zufolge im Kongo systematisch vergewaltigt, gefoltert, verstümmelt. Vergewaltigungen würden als Kriegswaffe eingesetzt und dienten dazu, den Gegner zu demoralisieren und zu erniedrigen. Hunderttausende Frauen und Mädchen seien seit Beginn der Konflikte zu Opfern von sexueller Gewalt geworden.

Viele sterben an den Folgen der Gewalt

Die Täter schreckten vor nichts zurück. Manche Opfer seien gerade einmal fünf Jahre alt. Mädchen würden vor den Augen ihrer Eltern vergewaltigt - oft von mehreren Männern - und in vielen Fällen auch getötet. Viele sterben an den Folgen der Gewalt, andere würden ein Leben lang an ihre Tortur erinnert, sei es durch körperliche Konsequenzen wie Fisteln, Verstümmelungen oder Krankheiten wie Aids oder durch Alpträume, Ängste, Zurückweisung und Ausgrenzung. "Die Mädchen und Frauen brauchen Schutz und es ist dringend an der Zeit, die Täter für ihre unzähligen Gräueltaten zu bestrafen", so Berger.

"Immer noch bleibt viel zu tun, damit Frauen nicht diskriminiert werden", sagte auch Maasburg, langjähriger Begleiter von Mutter Teresa. In Papua Neuguinea beispielsweise dürften Frauen ihre Meinung meistens nur zu Hause sagen - in der Öffentlichkeit könnten sich Männer angegriffen fühlen. Werden Frauen geschlagen oder vergewaltigt, werde die Schuld zumeist bei den Opfern gesucht.

Wirtschaftskrise

"Frauenpolitische Themen sind das ganze Jahr über von grundlegender Bedeutung für unsere Gesellschaft - in Österreich und auf der ganzen Welt", bekräftigte Weidenholzer in seiner Mitteilung. Die Wirtschaftskrise treffe Frauen am härtesten. "Im weltweiten Kontext ist die Lage noch schockierender: laut Entwicklungsfonds der Vereinten Nationen für Frauen (UNIFEM) sind 70 Prozent der weltweit 1,3 Milliarden absolut Armen weiblich." Die Volkshilfe unterstütze im indischen Nagapattinam Frauen-Selbsthilfegruppen, deren Mitglieder durch Kleinkredite selbstständig wirtschaftlich aktiv würden.

In China oder Indien sei die Chance, als Frau bzw. Mädchen überhaupt zur Welt zu kommen, deutlich herabgesetzt, da die gezielten Abtreibungen von weiblichen Föten eine weit verbreitete Praxis sei, betonte Bayr. Sogenannte Ehrenmorde, Säureattentate und andere Gewalt gegen Frauen seien Realität in Ländern wie Pakistan, Indien oder der Türkei. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mädchen in Südafrika lesen und schreiben lernt sei geringer als die, dass es vergewaltigt wird, bis es erwachsen ist. Aber "auch in Europa, auch in Österreich ist durchschnittlich jede vierte Frau mit häuslicher Gewalt konfrontiert", so Petra Bayr.  Ausbildung und finanzielle Unabhängigkeit sei in diesem Zusammenhang für die Frauen besonders wichtig. (APA)

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