London zu Direktkontakten mit Hisbollah bereit

6. März 2009, 11:30
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London setzte den bewaffneten Arm der pro-iranischen Schiitenbewegung auf die Liste terroristischer Organisationen

London/Beirut - Großbritannien ist nach gründlicher Prüfung nunmehr zu Direktkontakten mit der in der libanesischen Regierung vertretenen pro-iranischen Schiitenbewegung Hisbollah bereit, deren bewaffneten Arm die Regierung in London auf die Liste terroristischer Organisationen gesetzt hatte. Die britische Regierung habe "im Lichte der positiven Entwicklung im Libanon seit der Bildung der Regierung der nationalen Einheit unter Einschluss der Hisbollah" ihre diesbezügliche Haltung geändert, wie der Staatsminister im Foreign Office, Bill Rammell, am Freitag im Unterhaus in London bekanntgab.

"Konstruktivere Rolle"

Es habe bereits Gespräche britischer Parlamentsmitglieder mit libanesischen Hisbollah-Abgeordneten gegeben, bestätigte Rammell. London wolle so die Schiitenorganisation dazu bringen, "eine konstruktivere Rolle zu spielen und auf Gewalt zu verzichten". Im vergangenen November hatte der britische Außenminister David Miliband den Libanon besucht. Das libanesische Parlament, das im kommenden Mai neu gewählt wird, hatte mit großer Mehrheit das Recht der Hisbollah auf bewaffneten "Widerstand" gegen Israel bestätigt. In der Allparteienregierung unter dem pro-westlichen sunnitischen Ministerpräsidenten Fouad Siniora besitzt die Hisbollah mit ihren Verbündeten ein Vetorecht. Die Schiiten sind im Libanon die zahlenmäßig stärkste Bevölkerungsgruppe.

Mit Raketenangriffen ihrer Miliz hatte die Hisbollah im Sommer 2006 eine israelische Militäroffensive provoziert. In dem 34-tägigen Krieg gelang es Israel nicht, die Hisbollah zu schwächen. Nach Erkenntnissen des israelischen Militärgeheimdienstes hat die Schiitenorganisation vielmehr ihre militärischen Kapazitäten seit dem Krieg "verdreifachen" können, wie Verteidigungsminister Ehud Barak vor einem Parlamentsausschuss erklärt hatte. (APA/AFP)

 

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