Zahlenspiele um neue Linzer Medizin-Uni

6. März 2009, 11:45
12 Postings

Eine eigene Medizin-Uni in Linz soll die überrannten Institute in Wien, Graz und Innsbruck entlasten und dem drohenden Ärztemangel entgegenwirken

Linz/Wien - Oberösterreicher sind stur. Bereits 1899 sucht der Linzer Bürgermeister Franz Poche in Wien um die Bewilligung einer eigenen medizinischen Fakultät an - und blitzte ab. Die harsche Abfuhr auf den Linzer Vorstoß scheint 110 Jahre später ein Echo zu haben: Viel zu teuer und kein Bedarf, schallt es - angesichts der überparteilichen Initiative für eine Linzer Med-Uni - auch 2009 aus dem Wissenschaftsministerium zurück.

Grund dafür sind die dort konträren Vorstellungen zu Finanzierbarkeit und Bedarf einer vierten Med-Uni. "Auf die drei bestehenden entfällt knapp ein Drittel des Gesamtbudgets aller 21 Universitäten. Das sind rund 700 Millionen Euro jedes Jahr für den laufenden Betrieb", teilte Minister Hahn dem UniStandard mit und schätzt die Summe sogar noch etwas höher ein: Zwischen 250 bis 300 Millionen Euro würde eine zusätzliche Medizinuniversität verschlingen.

Solche Annahmen sorgen in Linz für Kopfschütteln: "Wir kommen nicht auf diese Summen", sagt Franz Aichner von der Medizinischen Gesellschaft OÖ sehr bestimmt. Für den jährlichen Betrieb von 240 bis 250 Studienplätzen wenden vergleichbare deutsche Med-Unis rund 40 Millionen Euro auf. Zusätzliche Kosten für die Neuanschaffung medizinischer Gerätschaften und Strukturen belaufen sich nach dem Konzept von Volkswirtschafter Franz Schneider auf weitere 15 Millionen Euro.

Politische Schützenhilfe

Das im Dezember 2008 publizierte Konzept verweist auf positive Wertschöpfungseffekte, die sich laut Ärztekammer OÖ auf zusätzliche 63 Mio Euro für das regionale BIP von 2010 bis 2015 belaufen würden. Und schon jetzt werden an den bereits als Lehrkrankenhäuser fungierenden Spitälern in Linz und Wels über 300 Medizinstudenten aus Wien, Graz und Innsbruck pro Jahr ausgebildet.

Das stimmt ÄKOÖ-Präsidenten Peter Niedermoser optimistisch. Nicht ohne Grund, wurde doch am 27. Februar ein Entschließungsantrag zur Schaffung einer Med-Uni in Linz im Parlament von FPÖ-Abgeordneten eingebracht. Dieses Anliegen unterstützen alle Parteien in Oberösterreich, auch Minister Hahns Parteikollege, ÖVP-Landeshauptmann Josef Pühringer, und Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ). Wie diese vertraut Niedermoser auf die schlagenden Argumente: Den Hauptgrund für die Unterstützung sieht er in der drohenden Pensionierungswelle bei Ärzten. So sei ohne eine Erhöhung der bisherigen Studienplätze spätestens 2030 damit zu rechnen, dass nur mehr halb so viele Ärzte wie benötigt zur Verfügung stehen. Minister Hahn sieht diese Gefahr nicht: "Nach allen uns vorliegenden Daten können wir diesen Bedarf mit drei Unis sehr gut decken."

Zusätzlich habe er - bei Bedarf - die Vollmacht, kurzfristig die Studienplätze aufzustocken. Dagegen verwehren sich Niedermoser wie Aichinger und verweisen auf aktuelle Studien: "Die Ausbildung zum Arzt dauert im Idealfall sechs Jahre, zum Facharzt zwölf: ohne Wartezeiten! Das muss langfristig geregelt werden." (Georg Horvath/DER STANDARD, 6.3.2009)


  • Bild nicht mehr verfügbar

    Damit das Gesundheitssystem 2030 nicht am prognostizierten Ärztemangel krankt, müsste laut Ärztekammer schon heute reagiert werden: mit einer vierten Med-Uni.

Share if you care.