"Und wenn wir die Halle einreißen..."

6. März 2009, 11:23
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Duell Schwedens gegen Israel in Malmö vor leeren Rängen - Lokalpolitiker billigen Aufruf zum Boykott wegen Gaza-Krieg - Massives Polizeiaufgebot wegen befürchteter Gewalttätigkeiten

Malmö  - Grimmige Parolen wie 'Und wenn wir die Halle einreißen, das Match muss verhindert werden' vor der Davis-Cup- Begegnung Schweden gegen Israel in Malmö lassen Polizei, Veranstalter und die Einwohner der südschwedischen Stadt ein heißes Wochenende erwarten. Dass für Samstag eine friedliche Protestveranstaltung gegen die israelische Palästina-Politik mit mehr als 10.000 Teilnehmern erwartet wird, rückt dabei schon fast in den Hintergrund.

Die Ortszeitung "Sydsvenskan" meint vor dem ersten Aufschlag, dass "der Mob gewonnen hat," weil die fünf Matches in der Baltischen Halle auf Anordnung des Stadtrates ohne Zuschauer stattfinden müssen. Wie zuletzt 1968 bei Protesten gegen die Apartheit-Herrschaft im früheren Rhodesien und knapp zehn Jahre später gegen das Pinochet-Regime in Chile hat sich in Schweden eine breite Bewegung für einen Sportboykott formiert.

"Die Besetzung Palästinas, das Massaker in Gaza und die grobe Verletzung der Menschenrechte bringen uns zu der Erkenntnis, dass nur ein Boykott Israel zu einem gerechten Frieden bewegen kann", heißt in dem Aufruf der Protestinitiatoren. Auch der sozialdemokratische Bürgermeister Ilmar Reepalu meinte, allerdings "privat", angesichts mehr als 400 von israelischen Soldaten getöteter Kinder in Gaza solle man in Malmö nicht Tennis gegen die Auswahl aus Israel spielen.

Das aber ließ sich politisch nicht durchsetzen. Die linke Mehrheit im Kulturausschuss des Stadtrates beschloss stattdessen, Zuschauer von allen Spielen auszuschließen. Offiziell wurden Sicherheitsbedenken als Grund angegeben, aber Medien und auch die unter dem Namen "Stoppa Matchen" ("Stoppt das Match") vereinte Protestbewegung werteten den Entscheid als Teilerfolg für die Boykottbewegung. Israel war im Dezember als Reaktion auf monatelangen Raketenbeschuss seiner Städte durch Hamas-Milizen in das Territorium einmarschiert, um diesen einzudämmen.

Die Sorge der Polizei vor Randalen am Wochenende durch kleine gewaltbereite Gruppen ist so groß, dass vorsorglich mehrere Schulen in der Innenstadt schon vor dem Wochenende geschlossen werden. Zwischenzeitliche Versuche des Tennisverbandes und des konservativ regierten Stockholm, die Begegnung kurzfristig in Schwedens Hauptstadt zu verlegen und doch noch vor Zuschauern auszutragen, schlugen fehl. 1000 Beamte wurden mobilisiert.

Israels Spieler Andy Ram findet die Begründung für den Zuschauer-Ausschluss fadenscheinig: "Mich macht das wütend. Das hier ist eine politische Entscheidung. Sie öffnet anderen Ländern Tür und Tor für ähnliche Dummheiten." Schwedens Davis-Cup-Teamchef Mats Wilander äußert sich zurückhaltend: "Es sind bei dem Konflikt Zivilisten getötet und verletzt worden. Menschen, die selbst nicht an einem Krieg beteiligt sein wollten. Natürlich macht man sich da seine Gedanken." (APA/dpa)

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