Schaeffler setzt sich bei Conti durch - Grünberg geht

6. März 2009, 16:49
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Die Pläne von Schaeffler blieben auch beim Krisentreffen im Unklaren

Frankfurt - Der deutsche Wälzlagerhersteller Schaeffler hat sich mit der Entmachtung von Conti-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg durchgesetzt. Das Gremium setzte den ehemaligen Conti-Chef am Freitag nicht mehr auf die Liste für die künftige Besetzung des Gremiums, über die auf der Hauptversammlung abgestimmt werden soll. "Herr Grünberg hat das Vertrauen des Aufsichtsrats verloren", sagte ein Schaeffler-Sprecher.

Von Grünberg legte auch sein Aufsichtsratsmandat nieder, womit er wohl auch nicht mehr für die Organisation des Abspaltungsprozesses der Gummi-Sparte zur Verfügung steht. Er kritisierte die fränkische Familienfirma scharf. "Wir haben die Schaeffler Gruppe um die Vorlage eines tragfähigen Konzeptes gebeten - dieser Bitte ist in keiner Weise entsprochen worden", sagte er. "Wir laufen Gefahr, in das Schaeffler-Problem mit reingezogen zu werden."

Er fügte hinzu: "Aus meiner Sicht ist das Vorgehen der Schaeffler Gruppe ein klarer Verstoß nicht nur gegen die Grundsätze ehrbarer Kaufleute, vielmehr ist dies ein aktiver Verstoß gegen den Geist oder sogar Inhalt der zwischen den beiden Unternehmen getroffenen Investorenvereinbarung."

Im Unklaren

Die Pläne von Schaeffler zur Zukunft der eigenen Firma und seiner Beteiligung Conti blieben auch bei dem Krisentreffen in Frankfurt, an der drei Schaeffler-Vertreter teilnahmen, im Unklaren. "Wir haben ausführlich die Situation unserer Gesellschaft diskutiert", sagte Vize-Aufsichtsratschef Werner Bischoff, der dem Gremium nun kommissarisch vorstehen soll. "Es wurde kein Zukunftskonzept vorgelegt", sagte er. "Wir haben in aller Deutlichkeit klar gemacht, dass wir eines brauchen." Schaeffler habe die Verzögerung mit "internem Klärungsbedarf" begründet. "Die Besprechung eines Konzeptes stand nicht auf der Agenda", sagte ein Schaeffler-Sprecher.

Wegen der hohen Schuldenlast nach der Conti-Übernahme und den wegbrechenden Aufträgen aus der Automobilindustrie hatte Schaeffler jüngst erklärt, frisches Kapital von bis zu sechs Mrd. Euro zu benötigen. Dazu wird Kreisen zufolge ein Verkauf der Conti-Anteile an die Gläubigerbanken erwogen. Schaeffler würde dann seine Conti-Mehrheitsbeteiligung wieder verlieren. Auch Mitsprache der bisherigen Eigentümerfamilie am eigenen Unternehmen wird künftig wohl gering ausfallen. Viele Beteiligten sehen zudem mittlerweile ohnehin keine allzu großen Vorteile mehr in einer Zusammenlegung der Autozuliefer-Sparten von Conti und Schaeffler.

Die Chancen auf Staatshilfe für Schaeffler schwinden unterdessen. Der deutsche Bund hoffe darauf, nicht in Anspruch genommen zu werden, hieß es in Berliner Regierungskreisen. "Derzeit liegt der Ball beim Unternehmen und den Banken", sagte ein Insider. Auch Vertreter der Bundesländer, in denen Conti und Schaeffler ihre Sitze haben, äußerten sich zurückhaltend.

Der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) sagte, es gebe keinen Automatismus, Steuergelder zur Rettung einzusetzen, wenn Firmen in eine Schieflage gerieten. Man müsse sehr strenge Kriterien anwenden, um den Wettbewerb nicht zu verzerren. Sein niedersächsischer Partei- und Amtskollege Philipp Rösler sagte: "Es gibt keine Möglichkeit, in das Unternehmen selber einzusteigen." Wenn das Geschäftsmodell eines Unternehmens nicht zukunftsfähig sei, könne daran auch eine Staatsbeteiligung nichts ändern. Bürgschaften stünden zwar prinzipiell allen Unternehmen offen, dazu müssten aber tragfähige Pläne für die Zukunft des Unternehmens vorliegen. (APA/Reuters)

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