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Weltliteratur im rockigen Sound

6. März 2009, 08:32
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Pubertät, Einsamkeit, Konflikt mit den Erwachsenen: Die Themen in Franz Wedekinds Klassiker "Frühlingserwachen" sind auch heute noch nicht überholt

"Ein altes Märchen - doch immer wieder neu", beschrieb der Schriftsteller Heinrich Heine das Werk von Franz Wedekind. "Frühlingserwachsen" (englischer Titel "Spring Awakening") beschreibt die erste Liebe, die ersten Körperlichkeiten und deren Konsequenzen. Erwachsenwerden, aufkeimende Sexualität, Pubertät, Schule und Erziehung: Als Max Reinhardt das Stück 1906 in Berlin aufführte, wurde das zu einem der größten Skandale des Theaters im 20. Jahrhundert. Genau hundert Jahre später verwandelte Broadway-Autor Steven Sater das Tabu-Drama zu einem Musical. Unterstützung bekam er dabei von dem Komponisten Duncan Sheik.

Franz Wedekind setzte sein Werk in das Deutschland des 19. Jahrhunderts: Eine Zeit des gesellschaftlichen Konservatismus mit strengen Rollenverteilungen innerhalb der Familienstrukturen. Eine Zeit der autoritären Erziehung, die nur wenig Platz für aufkeimende Sexualität ließ. Wichtig war es, sich auf schulische Leistungen zu konzentrieren, auf Themen wie Pubertät und die damit verbundenen frisch entdeckten Bedürfnisse wurde nicht eingegangen, Aufklärung existierte praktisch nicht. Die Schüler Wendla, Melchior und Moritz scheitern an dem verknöcherten Moralkodex der Gesellschaft.

Liebeskummer, Schwierigkeiten in der Schule, Konflikte mit Mitschülern, ungewollte Schwangerschaften, Alkohol und Drogen: Auch mehr als 100 Jahre später verlieren diese Inhalte nicht an Aktualität. "Schulsysteme, die sich über Jahre an imperialen Kadettenschulen orientiert haben, brechen viel zu langsam und wenig inspiriert, aber doch auf. Sie weichen einem hoffentlich modernen System, das sich an den Talenten und Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen orientiert und die besten der besten LehrerInnen ausbildet", sagt Intendantin Kathrin Zechner dazu.

Klassiker in neuem Gewand

Rock-, Pop- und Folkrock-Songs: Der Musikstil des Broadway-Musicals ist nicht unbedingt typisch für das Genre. Die Musik funktioniert auf zwei Ebenen: Die Rocksongs verleihen den jungen Charakteren Ausdruck über die Enttäuschung von den Erwachsenen mit ihren Konflikten im Stich gelassen zu werden. Andererseits beschreibt die kraftvolle Musik die vitale Lebenslust und den Wunsch, frei zu sein.

Im Juni 2006 fand die Uraufführung im Atlantic City Off-Broadway Theater in New York statt. Bereits nach wenigen Monaten wanderte die Produktion direkt an den Broadway. Das Musical wurde nicht nur vom Publikum gut angenommen: Spring Awakening gewann acht Tonys, unter anderen in den wichtigsten Kategorien bestes Musical, bestes Buch, beste Musik, beste Regie und beste Choreographie. (jus, derStandard.at, März 2009)

  • Rasmus Borkowski als Melchior

    Rasmus Borkowski als Melchior

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