Gefahr der "Grenzüberschreitungen" auf beiden Seiten

5. März 2009, 21:10
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Kardinal Schönborn distanziert sich bei Vortrag in Wien von der "Intelligent Design"-Schule

Wien - "Nicht auf getrennten Weiden, sondern friedlich miteinander auf der selben Weide" sollten nach Ansicht von Kardinal Christoph Schönborn Biologie und Theologie grasen, "man kann sagen, in Großer Koalition". Auf beiden Seiten bestehe die Gefahr, "Grenzüberschreitungen zu machen", sagte der Wiener Erzbischof Mittwoch Abend bei einem Vortrag im Rahmen der von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) veranstalteten Tagung zum Thema "Evolution" in Wien. Als Beispiel nannte Schönborn den britischen Biologen und bekennenden Atheisten Richard Dawkins, dem er "Ideologie" vorwarf.

Dawkins, der in seinem Buch "Der Gotteswahn" massiv theistische Religionen angreift, solle "mit Mitteln der Philosophie seinen Atheismus zu begründen versuchen, aber soll die Naturwissenschaften rauslassen", sagte Schönborn. Den Vertretern des "Intelligent Design" tue man unrecht, wenn man sie als Kreationismen bezeichne, "das sind sie nicht, das sind ehrliche Naturwissenschafter", sagte der Kardinal. Sie würden aber den methodischen Fehler begehen, zu glauben, dass höhere Komplexität auf Ebene der naturwissenschaftlicher Methoden ein Beweis für einen Designer sei, der sich nicht mit den Mechanismen der Evolution erklären lasse. Er, Schönborn, werde mit der "Intelligent Design"-Schule "zu Unrecht immer noch in Verbindung gebracht".

"Evolution kann wahr sein"

Befragt, ob er heute noch zu seinem Satz aus seinem Gastkommentar in der "New York Times" von 2005 stehe, die "Evolution kann wahr sein", betonte Schönborn, dass es "auch im Denken eine Evolution gibt". In den vergangenen Jahren habe ihn die "überwältigende Evidenz der Zusammengehörigkeit alles Lebenden" sehr beeindruckt. Dennoch habe ihn noch keine wissenschaftliche Erkenntnis in seinem Glauben erschüttert. "Ich habe viel dazugelernt, bleibe aber bei dem Satz, die Evolution kann wahr sein", denn die Popper'sche These von der Falsifizierbarkeit müsse auch für die Evolution gelten. "Es kann sein, dass eines Tages eine bessere Theorie kommt, auch wenn es unwahrscheinlich ist", sagte Schönborn. (APA/red)

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Charles-Darwin-Jahr: Der Vortrag im Wortlaut

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