Telekom Austria mit Herkulesaufgabe für neuen Chef

5. März 2009, 18:50
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Mr. A1 bürdet sich mehr Ämter als Workaholic Nemsic auf - Michaelis: Wirklich ausgewiesener Telekommunikations-Experte - Betriebsrat: Gesprächsbasis vorhanden

Hannes Ametsreiter hat sich viel vorgenommen. Der neue Chef der börsenotierten Telekom Austria leitet nicht nur den Gesamtkonzern, sondern auch dessen beide Standbeine Mobilkom Austria und Festnetzbereich. Letzterem stand er bereits seit Jahresbeginn 2009 vor. Zum Vergleich: Workaholic und Vorgänger Boris Nemsic gab sich mit der Leitung der Gruppe und der Mobilkom zufrieden. Wie schon bei Nemsic steht auch Ametsreiter Finanzvorstand Hans Tschuden zur Seite.

Der "logische Experte"

Die heutige Bestellung von Ametsreiter durch den Telekom-Aufsichtsrat kam nicht überraschend, ging aber sehr schnell über die Bühne. Noch gestern wollten weder Telekom noch die Staatsholding ÖIAG bestätigen, dass heute überhaupt eine Aufsichtsratssitzung statt findet. Knapp 28 Prozent der Telekom gehören noch dem Staat. Mit Ametsreiter habe sich das Kontrollgremium "für einen wirklich ausgewiesenen Telekommunikations-Experten" entschieden, sagte ÖIAG-Chef und Telekom-Aufsichtsratsvorsitzender Peter Michaelis am Rande seines heutigen Auftritts vor dem Rechnungshof-Unterausschuss zum Thema AUA im Parlament. Ametsreiter sei sein Leben lang in der Mobilkom gewesen und damit der "logische Experte".

Gesprächsbasis

Betriebsratschef Michael Kolek geht davon aus, dass die getroffenen Vereinbarungen mit Nemsic auch unter Ametsreiter gelten. Eine Gesprächsbasis sei jedenfalls vorhanden, man werde den neuen Chef an seinen Leistungen messen.

A1 trägt seine Handschrift

"Die Marke A1 trägt seine Handschrift und zählt zu den am konsequentesten geführten Marken Österreichs", beschreibt Orange-Österreich-Boss Michael Krammer, so wie Ametsreiter ein Pionier der heimischen Mobilfunkbranche, den Telekom-Thronfolger. Der gebürtige Salzburger Ametsreiter (Jahrgang 1967) kam 1996 zur Mobilkom, ein Jahr vor Nemsic. Zuvor hatte er Publizistik und Sportwissenschaft studiert und praktische Erfahrung bei Procter & Gamble gesammelt. An der Seite von Nemsic kletterte er rasch die Karriereleiter hoch. 2001 wurde Ametsreiter Marketing- und Vertriebschef der Mobilkom, 2007 stieg er zum Marketingvorstand des Mutterkonzerns Telekom Austria auf. Mit 1. Jänner 2009 folgte er auf Telekom-Festnetzchef Rudolf Fischer und übernahm damit das Sorgenkind des Unternehmens.

Der Mobilfunk-Pionier Ametsreiter übernimmt die Telekom in einer schwierigen Phase. 2008 schrieb das Unternehmen erstmals rote Zahlen. Ein Konflikt mit der Belegschaftsvertretung über den Abbau von rund 2.500 angeblich überzähligen beamteten Mitarbeitern wurde kurz vor Weihnachten abgeblasen, allerdings nur bis 2010. Danach soll wieder verhandelt werden.

Vertrag bis 31.12.2013

Ametsreiters Co-Pilot Hans Tschuden, geboren 1958, ist Absolvent der Wirtschaftsuniversität Wien sowie des International Executive Programmes (INSEAD) in Paris. Seit 1989 war Tschuden in der Wienerberger Gruppe tätig, wo er im Mai 2001 Finanzvorstand der Wienerberger AG avisierte. Im Oktober 2006 wurde er dann zum Finanzvorstand der Telekom Austria Group bestellt. Mit 1. Jänner 2009 wurde Tschuden zusätzlich stellvertretender Vorstandsvorsitzenden der Telekom Austria Group.

Der Vertrag von Hannes Ametsreiter läuft bis 31.12.2013 (Michaelis: ein ganz normaler Vorstandsvertrag), jener von Mag. Hans Tschuden bis 31.03.2012. Boris Nemsic wechselt mit 1. April zum russischen Telekomkonzern VimpelCom. Laut Michaelis kam der Abgang von Nemsic "so schnell" doch überraschend, obwohl der ÖIAG wegen dessen Manager-Qualitäten klar gewesen sei, dass er auch international gefragt sei. (APA)

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