Nato-Treffen: Zirkusnummer mit Moskau

5. März 2009, 18:19
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Die baltischen Staaten, Polen und Tschechien halten die Idee einer Rückkehr zur Normalität mit Russland zum jetzigen Zeitpunkt für nicht sehr gelungen

Nato-Sprecher James Appathurai hat ein schönes Bild für die neue Realpolitik im Militärbündnis gefunden: In diesem besonderen Zirkus, so sagte er und bezog sich auf den Nato-Russlandrat, müsse man in der Lage sein, auf zwei Pferden gleichzeitig zu reiten - also Meinungsverschiedenheiten über demokratische Werte und neue Grenzziehungen nach dem Kaukasuskrieg austragen und gleichzeitig in anderen Bereichen großartig zusammenarbeiten. Zumindest im Osten Europas hat man aber keine Lust auf Zirkusnummern.

Die baltischen Staaten, Polen und Tschechien halten die Idee einer Rückkehr zur Normalität mit Russland zum jetzigen Zeitpunkt für nicht sehr gelungen. Sieben Monate nach dem Einmarsch der russischen Armee in Georgien, das gern Nato-Mitglied werden möchte, wollen sie eine Bestandsaufnahme der Beziehungen mit Russland, einen Plan, wohin sich das Verhältnis der Atlantischen Allianz mit der wieder so fremd gewordenen Großmacht entwickeln soll. Das trifft sich im Grunde mit dem Wunsch des russischen Präsidenten Dmitri Medwedjew, der "kein leeres Gerede" haben will, wenn der Nato-Russlandrat nun wieder anläuft.

Polens Außenminister Radoslaw Sikorski, der wohl gern der nächste Nato-Generalsekretär werden möchte, hat den Widerstand gegen den Normalisierungskurs seinen Kollegen aus Litauen und Tschechien überlassen, um seine Chancen in Washington und den anderen großen Nato-Staaten nicht zu verderben. Die Gefahr für die Nato bleibt: dass die Bündnispartner auf zwei verschiedenen Pferden reiten. (Markus Bernath/DER STANDARD, Printausgabe, 6.3.2009)

 

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