Großmanöver gefährdet Zivilluftfahrt

6. März 2009, 13:14
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Pjöngjang: Sicherheit des Luftverkehrs nicht gewährleistet - Maschinen umgeleitet, Südkorea protestiert

Seoul - Aus Protest gegen ein jährliches Großmanöver der US-Streitkräfte mit Südkorea hat das kommunistische Nordkorea indirekt mit dem Abschuss südkoreanischer Passagierflugzeuge in seinem Luftraum gedroht. Das Komitee für die Friedliche Wiedervereinigung Koreas in dem kommunistischen Land unterstellte den USA und Südkorea am Donnerstag erneut, mit dem geplanten Manöver einen Angriff vorzubereiten. Das nach US-Angaben "verteidigungsorientierte" Manöver in Südkorea beginnt am kommenden Montag und dauert bis zum 20. März.

Niemand könne in dieser Lage wissen, "was für militärische Konflikte ausgelöst werden", hieß es in einer von den staatlich kontrollierten Medien veröffentlichten Erklärung. Nordkorea könne daher nicht mehr für die Sicherheit südkoreanischer Zivilmaschinen bürgen, die während der Dauer des Manövers durch seinen Luftraum oder dessen Umgebung über dem Ostmeer (Japanisches Meer) fliegen würden. An der nordkoreanischen Ostküste liegt auch das Raketentestgelände Musudan-ri.

Konfrontationspolitik

Die Erklärung aus Pjöngjang folgt einer Reihe von kriegerischen Drohungen des Landes in der vergangenen Woche gegen Südkorea. Nordkorea wirft dem Nachbarland eine Konfrontationspolitik vor. Die USA und Südkorea haben Nordkorea zur Einstellung von Provokationen aufgerufen und das Land außerdem vor einem geplanten Raketentest gewarnt. Nach südkoreanischen Angaben bereitet das Land derzeit den Test einer militärischen Langstreckenrakete vor. Nordkorea selbst hatte von Vorbereitungen für einen Satellitenstart gesprochen.

Flüge werden umgeleitet

Die nationale südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete unterdessen, die größte Fluggesellschaft des Landes, Korean Air, habe bereits die Umleitung der betroffenen Flüge auf eine andere Strecke beschlossen. Auch Asiana Airlinesund Singapore Airlines beabsichtige diese Sicherheitsmaßnahme. Japan Airlines, All Nippon Airways und Air China werden ihre Flugstrecken vorerst nicht ändern.

Bei Strecken zwischen Südkorea und einigen Städten in den USA fliegen täglich 33 Flugzeuge gemäß einer internationalen Vereinbarung auch für kurze Zeit durch nordkoreanischen Luftraum, 15 dieser Maschinen gehören südkoreanischen Airlines.

Gespräche

Das von den USA geführte UNO-Kommando (UNC) in Südkorea kündigte unterdessen an, mit der nordkoreanischen Volksarmee neue Gespräche über den Abbau von Spannungen auf der geteilten Halbinsel führen zu wollen. Nordkorea habe dem Vorschlag für ein neues Treffen auf Generalsebene im Grenzort Panmunjom an diesem Freitag zugestimmt. Erst am Montag hatte es auf Initiative Nordkoreas die ersten Gespräche zwischen hohen Offizieren der Volksarmee und des UNC seit fast sieben Jahren gegeben. Das UNC hat seit dem Ende des Korea-Kriegs (1950-53) die Aufgabe, mangels eines Friedensabkommens über die Einhaltung des noch bestehenden Waffenstillstands auf der geteilten Halbinsel zu wachen.

Auch auf anderer Seite führte Nordkorea vor der Wahl seiner Obersten Volksversammlung am Sonntag seine ambivalente Politik gegenüber dem Nachbarn Südkorea und dem Westen weiter: Es genehmigte den Bau eines südkoreanischen Rehabilitationszentrums in seiner Hauptstadt Pjöngjang. Wie die Leiterin der Hilfsorganisation "Lighthouse Foundation", Sue Kinsler, am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP in Seoul sagte, soll der Bau der Einrichtung für Menschen mit Behinderungen im Mai beginnen. Körperlich und geistig behinderte Menschen sollen dort behandelt und geschult werden und bei Bedarf unter anderem auch Prothesen erhalten.

"Unmenschlicher Akt"

Als "unmenschlichen Akt" hat indessen Südkorea die Drohungen Nordkoreas verurteilt, die Sicherheit von Flügen südkoreanischer Fluggesellschaften in seinem Luftraum nicht mehr garantieren zu wollen. Militärische Drohungen gegen den Betrieb ziviler Flugzeuge verletzten internationale Regeln und könnten niemals gerechtfertigt werden, teilte das Vereinigungsministerium in Seoul am Freitag mit. Die Regierung fordere Nordkorea auf, die Drohungen unverzüglich zurückzunehmen.  (APA/dpa)

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    Mitarbeiter der Asiana Airlines brüten wegen der Drohungen aus Nordkorea über neue Routen. 

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