Das große Rennen um billigen Sport

5. März 2009, 17:28
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Jedes Jahr zu Semesterbeginn kämpfen Studierende um ihren Platz in den Kursen des Sportinstituts der Uni Wien

Wien - Es dämmert. Am Dienstagmorgen um 6.30 Uhr ist in diesem Schrebergarten-Grätzel viel los. Kleine Grüppchen junger Leute stapfen trotz heftigen Schneetreibens alle auf ein Ziel zu: das Sportinstitut der Universität Wien bei der Schmelz, kurz USI.

Für einen Platz in einem Sportkurs stellen sie sich schon lange vor dem Anmeldungsbeginn um sieben Uhr an. Die Warteschlange vor den Kassen wird schnell länger, innerhalb von Minuten stehen die Studierenden ums Gebäude herum, bis nach draußen auf die Straße.

Thomas beobachtet das recht gelassen. "Das ist heute aber harmlos", relativiert er. Eigentlich hat er Hallenaufsicht in der Althanstraße. Er ist bei dem Informationstisch in der Wartehalle eingeteilt. "Im Wintersemester standen sie bis zu den Bushaltestellen an, mit einer Wartezeit von bis zu fünf Stunden."

Seit acht Jahren arbeitet er am USI, der Andrang ist in den letzten Jahren immer stärker geworden. "Der Ansturm ist bei uns so groß, weil wir die billigsten sind." Die Kurspreise für Studenten betragen pro Semester oft nur 21 Euro.

Nicht nur die Anmeldungswilligen kostet es Nerven, auch für die Mitarbeiter des USI ist dieser erste Tag der Anmeldefrist nicht leicht. Arbeitsbeginn ist um sechs Uhr, wenn viel los ist, gibt es bis zum Nachmittag keine Pause.

Die knapp 1200 angebotenen Kurse nehmen pro Semester bis zu 32.000 Personen in Anspruch. Am schnellsten sind Plätze in den Kursen Yoga, Klettern und Schwimmen voll. "Für andere Kurse wie HipHop kann man sich noch eine Woche später anmelden", erklärt Thomas. Dass jemandem ein Sportkurs so wichtig ist, dass er das frühe Aufstehen und die Tortur des Wartens in der Kälte auf sich nimmt, kann er wirklich nicht nachvollziehen.

Trotzdem, einen Tipp aus seiner Erfahrung hat er für diejenigen, deren Motivation alle Widrigkeiten übersteigt: "um sechs Uhr da sein, dann bekommt ihr sicher einen Platz." Für Langschläfer gibt es immer noch die Chance, in der ersten Stunde des Kurses den Leiter um die Aufnahme zu bitten.

Seit einiger Zeit werden zur Anmeldung Terminals auf den Universitäten eingesetzt, sie sollen den riesigen Andrang auf der Schmelz verringern. Doch genutzt wird das noch von den wenigsten Studierenden, auch weil man dafür zumindest einmal einen USI-Kurs mit Bankomatkarte auf der Schmelz bezahlt haben muss.

Auch die Möglichkeit, sich schon am Semesterende für den nächsten Kurs voranzumelden, wird nur von knapp 4000 Leuten genutzt, weiß Christian Schöller, zuständig für den Übungsbetrieb am USI.

Für Antonia, Studentin des Wirtschaftsingenieurwesens, war das heuer keine Option, weil sie nicht im selben Kurs bleiben wollte. "Gestern gab es in dem Kurs, den ich will, nur mehr sieben freie Plätze", sagt sie. Deshalb ist TU-Studentin um sechs Uhr aufgestanden und steht seit kurz vor sieben an. Noch früher würde sie sich das nicht antun, sie kann aber gut nachvollziehen, dass andere motiviert genug dazu sind.

Während Antonia drinnen in absehbarer Zeit an der Reihe ist, wird die Warteschlange draußen immer länger. Sie reicht bis zu den Sportplätzen den Gehsteig entlang.

Zu den Wartenden im hinteren Teil gehören Julius und Simon, zwei Publizistik-Studenten im zweiten Semester. Sie sind zwar auch sehr früh aufgestanden, haben sich auf dem Weg hierher aber verlaufen und eine halbe Stunde länger gebraucht. Alles war umsonst. Jetzt glauben sie nicht mehr daran, dass sie ihre Wunschplätze bekommen werden, versuchen es aber trotzdem. "Zur Not" würden sie Kurse zu ungünstigen Zeiten nehmen, Hauptsache sie haben einen Platz. Laut Schöller ist das gar nicht so schwer, denn "am ersten Tag sind nur rund 40 Kurse ausgebucht". Sei man zeitlich flexibel, könne man sich auch mittags noch anstellen. (Astrid-Madeleine Schlesier, UNISTANDARD, 5.3.2009)

  • Auf die Plätze, fertig, los: Anstellen für die USI-Sportkurse.
    foto: standard/corn

    Auf die Plätze, fertig, los: Anstellen für die USI-Sportkurse.

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