Sightseeing am Polizeirevier

5. März 2009, 17:19
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Ein Touristen-Paar aus Neuseeland besichtigte die Polizeiinspektion Karlsplatz - unter wenig touristischen Umständen

Wien - Ihren Wienbesuch werden Christopher Ryan aus Neuseeland und seine Frau in starker Erinnerung behalten. Weil sie hier nicht nur Denkmäler und Kaffees, sondern auch die Polizeiinspektion Karlsplatz besichtigt haben - unter wenig touristischen Umständen.

Von dort nämlich, erzählt Ryan, hätten er und seine Frau erst nach Zahlung von 70 Euro wieder weggehen dürfen. Von 70 Euro Schwarzfahrerstrafe, die einzukassieren laut dem Wiener AnwaltGeorg Bürstmayr "nicht zu den polizeilichen Kernaufgaben gehört" .

Mit dem Kauf zweier ÖBB-Tickets nach Bratislava hatte das Problem begonnen. Mangels ausreichender Deutschkenntnisse fassten die Ryans den aufgedruckten Zusatz "Gilt von/nach allen Wiener Bahnhöfen" falsch auf. "Wir dachten, dass mit ‚Bahnhöfen‘ auch Straßenbahnstationen gemeint sind, sagte Ryan zum STANDARD." Dass sie verkehrt lagen, merkten die Neuseeländer auf dem Weg zurück in ihr Hotel, das Bristol.

In der Straßenbahn der Linie D wollten drei Kontrollore ihre Fahrausweise sehen, glaubten nicht an ein Missverständnis und wollten 70 Euro Strafe kassieren. Als sie mitsamt dem Paar beim Bristol ausstiegen, schlug der irritierte Ryan vor, die Polizei einzuschalten, "so, wie man es in Neuseeland machen würde" . Was dann geschah, hätte er "nicht für möglich gehalten" : Misstrauen, laute Worte - und dann noch einmal die Zahlungsaufforderung. Ryan zahlte: "Ich hatte Angst."

Laut Bürstmayr war hier "unverhältnismäßiges polizeiliches Vorgehen" am Werk. Polizei-Sprecherin Karin Stritzek widerspricht: Ryan habe von sich aus gezahlt, von Druck keine Rede: "Wie könnten wir auch? Es war ja eine Amtshandlung der Wiener Linien." (Irene Brickner, DER STANDARD - Printausgabe, 6. März 2009)

  • In der Straßenbahn wollten drei Kontrollore die Fahrausweise eines Touristenpaars sehen und glaubten nicht an ein Missverständnis.
    foto: derstandard.at/trautner

    In der Straßenbahn wollten drei Kontrollore die Fahrausweise eines Touristenpaars sehen und glaubten nicht an ein Missverständnis.

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