Japaner optimistisch im Rennen um IAEO-Chefposten

5. März 2009, 17:09
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Atombehörde stimmt Ende März über ElBaradei-Nachfolge ab

Wien - Glaubt man japanischen Diplomaten, so ist das Rennen um den neuen Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) in Wien so gut wie entschieden. "Mehr als 20 Stimmen" habe man schon zusammen, sagt ein hochrangiger Vertreter Tokios. 24 Stimmen braucht das Land im 35-köpfigen Gouverneursrat der Organisation, um den eigenen Kandidaten durchzubringen: den 61-jährigen japanischen IAEO-Botschafter Yukiya Amano.

Am 26. März, soviel steht fest, soll in einer Sondersitzung - geheim - abgestimmt werden. Bis zum Juni muss feststehen, wer die Organisation führen wird, wenn der Ägypter Mohamed ElBaradei im November nach zwölf Jahren an der Spitze der Behörde abtritt.

Westliche Diplomaten schätzen die Zustimmung für Amano zwar teilweise etwas niedriger ein als die Japaner selbst - von 18 bis 20 Stimmen ist die Rede -, aber auch hier heißt es: "Amano liegt voran."
Einziger Konkurrent des Japaners ist bisher der Südafrikaner Abdul Samad Minty, 69 Jahre, Spitzendiplomat, Experte für Nuklearenergie und früherer Anti-Apartheid-Aktivist. Er wird vor allem von Entwicklungsländern unterstützt - und ist auch der heimliche Wunschkandidat einer Reihe von IAEO-Mitarbeitern, die in ihm die stärkere Persönlichkeit sehen.

Das zählt auch zu den Gründen, warum aber vor allem die westlichen Industriestaaten den japanischen Kandidaten vorziehen - obwohl keiner der Bewerber als der ideale IAEO-Chef gilt. Die westlichen Staaten wünschen sich eine weniger politische Person als es Noch-Generaldirektor ElBaradei ist. Gerade weil die IAEO sich auch in Zukunft um brisante politische Fragen wie den Atomstreit mit dem Iran oder die Frage eines syrischen Atomprogramms kümmern muss.

"Minty würde sich politisch stärker einmischen und auch die ständigen Sicherheitsratsmitglieder zur Abrüstung drängen", meint ein Diplomat. "Deshalb werden sie ihn kaum unterstützen." Beim Thema Iran hatte sich der Südafrikaner für das Recht aller IAEO-Mitglieder ausgesprochen, Atomenergie friedlich zu nutzen.
Sollte es Ende März zu keiner Entscheidung kommen, wäre das Rennen wieder offen - und es könnten weitere Kandidaten ins Spiel kommen. (Julia Raabe /DER STANDARD, Printausgabe, 6.3.2009)

 

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