ORF-Archivverwertung: Irritationen um "Superprojekt"

5. März 2009, 17:05
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Stiftungsrat: Offenbar wussten nicht einmal die Direktoren von dem Vertragsabschluss

ORF-Kommunikationssprecher Pius Strobl ist "fassungslos": "Ständig wird gesagt, wir sollen Geld verdienen und die Möglichkeiten des ORF nutzen - und wenn wir's tun, heißt es: So haben wir das nicht gemeint." Wie berichtet schlossen ORF und Verlag Hoanzl einen Exklusivvertrag über die Verwertung des ORF-Archivs.

Mindestens achtzig Titel in drei Jahren will Hoanzl als DVDs vertreiben. Laut Strobl sollen aus "Porträts wichtiger Zeitgenossen oder "historische Musikantenstadel" in zehn Jahren eine ORF-Mediathek mit 1000 Titeln werden. Die Kosten trage Hoanzl.

So haben wir das nicht gemeint, sagt sinngemäß Stiftungsrat Peter Radel (ÖVP). Ihn stört die Art, wie der Deal durchgezogen wurde: Offenbar wussten nicht einmal die Direktoren von dem Vertragsabschluss. Der Aufsichtsrat der ORF Enterprise sei von den laufenden Verhandlungen unterrichtet worden, sagt Strobl, nicht aber vom Vertragsabschluss. Der sei nicht zustimmungspflichtig.

Am Stiftungsrat vorbei

Den Stiftungsrat vorher informieren? Pius Strobl: "Das ist Teil des operativen Geschäfts. Wir werden auch dieses Marketingprojekt, das hoffentlich ertragreich ist, dem Stiftungsrat vorstellen."

Details zu Grafik und Design der Editionen erfährt das Aufsichtsgremium bei der nächsten Sitzung am 2. April. Die ORF-Rechtsabteilung habe den Deal als "Superprojekt" gelobt. Details würden in Einzelverträgen nachgebessert. (prie/DER STANDARD, Printausgabe, 6.3.2009)

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