"Rache war klar - Wir Männer fetzen das aus"

5. März 2009, 17:03
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Lehrer verprügelt und einen brutalen Rachefeldzug in der Lugner City geführt

Wien - Die Schulklasse war am 15. Dezember 2007 gerade auf dem Weg zum Eislaufverein. Aber sie kam nicht weit.

Knapp vorm Hannovermarkt in Wien-Brigittenau kam ein türkischer Jugendlicher zur Gruppe und schlug einem Buben auf den Hinterkopf. Die Lehrerin stellte den Burschen zur Rede, der zweite Lehrer kam dazu, wollte etwas ruppig schlichten, packte den Jugendlichen am Kragen - schon wurde er verprügelt. Erst vom Jugendlichen, dann kamen noch dessen zwei Freunde dazu. Der Lehrer kassierte Faustschläge und Tritte, bis er blutend auf dem Boden lag. Warum? Einer der angeklagten Jugendlichen sagt, weil er "schockiert" gewesen sei: "Der Lehrer ist doch Pädagoge und Pädagogen können reden." Dabei hatte der Lehrer vergleichsweise Glück, dass die Bande keinen Baseballschläger oder eine Gaspistole dabei hatte. Mit diesen Waffen waren sie fast genau einen Monat später unterwegs - um an anderen türkischen Jugendlichen Rache zu üben.

Recep hatte mit einem Mädchen in der Lugner City Streit gehabt. Im Gegenzug wurde er von ihren Freunden Orhan und Osman verprügelt. Also organisierte Recep einen Rachefeldzug. Als er eine Gaspistole und ein Freund einen Baseballschläger sowie gut 20 weitere Freunde beieinander hatte, machten sie sich auf die Suche.

Im Burger King der Lugner City fanden sie Orhan und fielen über ihn her. Der erste gab ihm vier Schläge mit dem Baseballschläger, der nächste trat auf seinen Kopf, einer sprang ihm auf den Schädel - bis Recep kam und dem Opfer viermal aus nächster Nähe mit der Gaspistole ins Gesicht schoss. Als sie davon liefen, ließen sie Orhan schwer verletzt zurück.

Vier der sechs Angeklagten sind geständig, aber vermutlich nur deshalb, weil es im Burger King eine Überwachungskamera gibt. Vor Gericht behauptet Recep erst, man habe vorher überhaupt nichts überlegt; zur Gaspistole sei er mehr oder weniger zufällig gekommen, vom Baseballschläger habe er nichts gewusst. Der mit dem Schläger wiederum erklärt, er habe seinem Opfer nur Beulen zufügen wollen. Und wieder ein anderer sagt aus, er habe von den Vorbereitungen nichts mitbekommen, weil er die ganze Zeit Gedichte in sein Handy getippt habe.

Bei der Polizei hatte Recep hingegen gesagt: "Wir Männer fetzen das aus." Nachdem er selbst verprügelt worden war, habe er keine Anzeige erstattet, "aber Rache war klar" . Richter Norbert Gerstberger versucht ein paar Basics zu vermitteln: "Das wollen wir in Wien nicht, dass Jugendliche sich wie Tiere attackieren." Das sei "mit ein Grund gewesen, warum man das Strafrecht eingeführt hat. Weil das unangenehm war, dass im Mittelalter die Sippen ständig übereinander hergefallen sind."

Die Urteile für die Bandenmitglieder - 20 Monate bis zu drei Jahre Haft - sind teils nicht rechtskräftig. Bei der Verkündung brachen die Jugendlichen in Tränen aus. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD - Printausgabe, 6. März 2009)

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