Koedukation fördert "typisch weibliche" Verhaltensweisen

5. März 2009, 16:29
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Mädchen scheuen Wettbewerb nur in gemischten Klassen: ForscherInnen sehen darin Grund, warum Frauen am Arbeitsmarkt später weniger erfolgreich sind

Essex - Gesellschaftliche Prägung und Erziehung sind schuld daran, dass Frauen Risiken und Wettbewerb eher scheuen als Männer. Diesen Schluss ziehen ÖkonomInnen der Universität Essex aus dem Vergleich von Experimenten an reinen Mädchenschulen und gemischten Schulen. Die Ergebnisse seien ein Hinweis auf die eigentliche Ursache, warum Frauen am Arbeitsplatz weniger verdienen und weniger oft in Führungspositionen gelangen als Männer, so die ForscherInnen.

Ohne Jungs setzen Mädchen auf Risiko

Veröffentlicht wurde die Studie vom Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA). Dazu verglichen man das Verhalten von Schülerinnen von Mädchenschulen mit dem Verhalten von Mädchen und Jungen aus gemischten Klassenverbänden. In einem ersten Experiment ließen sie die ProbandInnen wählen, ob sie lieber einen garantierten Geldbetrag erhielten oder lieber eine Münze warfen, die den Betrag entweder erhöhte oder erniedrigte.

Mädchen aus den gemischten Schulen bevorzugen eindeutig die Sicherheitsvariante, während Altersgenossinnen der reinen Mädchenschulen ebenso auf Risiko spielten wie Jungen. Diesem ersten Test folgte ein Wettbewerb, in dem die ProbandInnen je nach Wahl entweder ein fixer Lohn erwartete oder eine Belohnung nur des jeweils Besten einer Vierergruppe.

Auch hier entschieden sich Schülerinnen aus Mädchenschulen ähnlich oft wie Jungen für Wettbewerb, während ihre Kolleginnen aus gemischten Schulen dem Leistungsvergleich aus dem Weg gingen, besonders wenn sie mit Jungen in der gleichen Gruppe waren.

Kein Plädoyer für reine Mädchenschulen

Erzieherische Einflüsse und sozialer Umgang mit Gleichaltrigen verstärken die Entwicklung "typisch weiblicher" Verhaltensweisen, die mitunter im Berufsleben nachteilig sind, schließen die StudienautorInnen. Diese Ergebnisse sollten jedoch nicht als Plädoyer für reine Mädchenschulen gewertet werden, da positive Effekte eines gemischtgeschlechtlichen Lernumfeldes durchaus überwiegen könnten. Eltern und LehrerInnen sollten jedoch darauf hinarbeiten, die Herausbildung potenziell schädlicher Geschlechterstereotypen in einem solchen Umfeld zu minimieren. (Ende)

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    Die Studie zeigt, dass sich Schülerinnen aus Mädchenschulen ähnlich oft wie Jungen für Wettbewerb und Risiko entscheiden, während ihre Kolleginnen aus gemischten Schulen dem Leistungsvergleich aus dem Weg gehen, besonders wenn sie mit Jungen in der gleichen Testgruppe sind.

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