Wie (un)realistisch ist "Watchmen"?

5. März 2009, 15:06
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Dr. Manhattan kann Zeit und Raum problemlos überwinden, Ozymandias ist der klügste Mensch der Welt - nur Fantasie, oder doch realistisch?

Die lange erwartete Verfilmung der düsteren Graphic Novel "Watchmen" ist in den Kinos angelaufen. Die Welt von Autor Alan Moore ("V wie Vendetta") und Zeichner Dave Gibbons wird von zahlreichen Superhelden ohne übermenschliche Fähigkeiten bevölkert. Einzig Dr. Manhattan hat besondere Fähigkeiten und ist damit - vom wissenschaftlichen Standpunkt - einer der interessantesten Charaktere, denn er setzt sich über so ziemlich jedes physikalische Gesetz hinweg. Er kann sich teleportieren, selbst replizieren, Objekte nur mit Gedankenkraft bewegen und sieht sogar durch die Zeit. Übermenschlich ja, aber auch übernatürlich?

Quantenwelt

Im Comic wird der Körper des Physikers Jon Osterman bei einem Laborunfall in einzelne Atome zerlegt. Osterman schafft es jedoch sich zu rematerialisieren und kehrt als Dr. Manhattan zurück - riesig, blau-leuchtend und mit Newtons Naturgesetze ignorierenden Fähigkeiten ausgestattet. Auf Quantenebene scheinen die Superhelden-Künste aber gar nicht so weit hergeholt, wie New Scientist meint.

Beamen

Teleportation ist auf Quantenebene unter anderem dank den Forschungen des österreichischen Universitätsprofessors Anton Zeilinger Realität geworden. Um Beamen, wie man es aus Star Trek kennt, handelt es sich dabei natürlich nicht - noch nicht jedenfalls. Derzeit können Quantenzustände mittels verschränkter Photonen über eine größere Distanz übertragen werden, was beispielsweise in der Quantenkryptografie Anwendung findet. Physiker Michio Kaku von der Universität New York geht jedoch davon aus, dass Teleportation auch auf Makro-Ebene nicht mehr vollkommen unmöglich ist. Mit höher entwickelter Technologie könnte Beamen in Zukunft Wirklichkeit werden.

Zeitreisen

Eine weitere Fähigkeit von Dr. Manhattan ist, dass er sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft anderer Menschen sehen kann. Wie wir von Albert Einstein wissen, sind Raum und Zeit miteinander verbandelt. Je schneller sich ein Objekt bewegt, desto langsamer vergeht dafür die Zeit. Das ist auch ein für Science Fiction-Romane nicht zu unterschätzendes Problem, denn während die Besatzung der Enterprise mit (praktisch unmöglicher) Lichtgeschwindigkeit durch das All saust, müsste die Zeit auf der Erde eigentlich viel schneller vergehen als auf dem Raumschiff. In den diversen Romanen und Filmen behilft man sich fiktiver Antriebstechnologien, die das Problem umgehen sollen, und reist durch Wurmlöcher - doch die gekrümmte Raumzeit vermag auch in der Theorie die Probleme mit Zeitreisen nicht zu lösen. Es könnte alles aber auch ganz anders sein. Laut dem britischen Physiker Julian Barbour handelt es sich bei der Zeit nur um eine Illusion. Die Probleme mit Zeitreisen würden nur existieren, weil man annimmt, dass es so etwas wie Zeit tatsächlich gibt.

Außergewöhnliche Intelligenz

Neben Dr. Manhattan verfügt auch Superheld Ozymandias über besondere Fähigkeiten. Genauer gesagt ist er in "Watchmen" der intelligenteste Mensch der Welt. Dieser Umstand ist jedoch keiner äußeren Krafteinwirkung geschuldet, sondern auf ein spezielles Training zurückzuführen. Außergewöhnliche geistige Fähigkeiten sind ebenfalls keine reinen Hirngespinste von Science Fiction Autoren. Bei den Fähigkeiten von Menschen mit Inselbegabungen (Savant-Syndrom) wird deutlich, zu welchen Leistungen das menschliche Gehirn befähigt ist. Der britische Savant Daniel Tammet etwa wurde durch seine außergewöhnlichen mathematischen Fähigkeiten bekannt. Tammet kann die Zahl Pi bis über 22.000 Kommastellen aufzählen. Für das Erlernen einer Sprache benötigte er nur eine Woche. Seiner Meinung nach lässt sich jedes Gehirn dahingehend trainieren, herausragende Leistungen zu vollbringen, wie er im Interview mit New Scientist erklärte. Tausende Kommastellen von Pi aufzählen soll zwar Savants vorbehalten sein, aber zu komplizierten Kopfrechnungen soll mit dem richtigen Training jeder in der Lage sein.

Sag niemals nie

Man sollte jedenfalls nie behauptet, dass etwas unmöglich ist, denn schließlich galt "Watchmen" selbst bis vor kurzem als unverfilmbar. Aber dank der rasanten Entwicklung von Prozessoren, Speicher und Animationsprogrammen ist es nun möglich, dass Regisseur Zack Snyder ("300") Dr. Manhattan zumindest auf der Leinwand all die in der Realität noch unmöglichen Dinge tun lässt - überlebensgroß und blau illuminiert. (Birgit Riegler/ derStandard.at, 5. März 2009)

  • Sind die Fähigkeiten von Dr. Manhattan wirklich nur reine Fantasie?
    foto: warner bros.

    Sind die Fähigkeiten von Dr. Manhattan wirklich nur reine Fantasie?

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