Zinssenkungen kommen in realer Welt nicht an

5. März 2009, 18:14
25 Postings

Kreditzinsen deutlich über dem EZB-Leitsatz - Fremdwährungskredite wieder in Mode - Banken überdenken Konditionen

Die Zinsen in der Realwirtschaft passen sich nur sehr langsam und bei weitem nicht vollständig an die Leitzinsentwicklung an. Die EZB hat die Leitzinsen seit Mitte des Vorjahres um nunmehr 2,75 Prozentpunkte gesenkt, doch die schwierige Lage der Banken bei der Refinanzierung hat kaum zu Entlastungen geführt. Eine Erhebung der Oesterreichischen Nationalbank zeigt, dass Konsumenten im Dezember durchschnittlich 6,42 Prozent für neue Kredite zahlen. Ein Jahr davor waren es 6,52 Prozent. In den letzten Monaten 2008 gab es freilich eine stärkeren Abwärtstrend.

Auch das Volumen geht seit dem Sommer deutlich zurück - im Dezember um rund ein Fünftel. Auf Jahresfrist sogar verteuert haben sich Wohnbaukredite, die im Dezember 5,40 Prozent kosteten - hier gibt es bisher keinen Rückgang beim Kreditvolumen. Etwas profitiert haben Unternehmen, für die die Konditionen um einen halben Prozentpunkt besser wurden. Die hohen Zinsen an den Realmärkten dürften eine neue Flucht in Fremdwährung ausgelöst haben. Kein Wunder: Ein Frankenkredit war zuletzt mit 2,93 Prozent verzinst - das ist rund die Hälfte des Euro-Niveaus.

Das hat sich auch im Volumen ausgewirkt. Die Fremdwährungskredite stiegen in den letzten Monaten 2008 wieder deutlich an, obwohl die Finanzmarktaufsicht eine Warnung an die Banken ausgegeben hatte. Allein im Dezember verzeichnete die Notenbank ein Plus von rund 40 Prozent auf 1,4 Mrd. Euro.

Banken warten ab

Die in Österreich tätigen Großbanken reagieren nicht unmittelbar auf die Leitzinssenkung vom Donnerstag. "Wir haben unsere Zinsen in der letzten Zeit laufend angepasst", hieß es dazu etwa aus der Bawag PSK. Auch Erste Bank, Bank Austria und die Raiffeisen Landesbank Niederösterreich-Wien warten vorerst ab.

Die Erste Bank hat noch keine fixen Zinssenkungen geplant, weder im Spar- noch im Kreditbereich. "Im Sparbereich schauen wir es uns an und rechnen unsere Konditionen durch" , so ein Sprecher. Auf der Finanzierungsseite sei im Neugeschäft derzeit auch noch nichts geplant. Allerdings werden sich für bestehende Kredite mit Zinsgleitklausel per 15. März, dem nächsten Anpassungstermin, die Kreditzinsen um gut zwei Prozentpunkte nach unten bewegen.

"Wir bewegen uns auf beiden Seiten", hieß es aus der Raiffeisen Landesbank Niederösterreich-Wien (RLB NÖ-Wien). Auf der Sparseite soll aber vorerst der Markt beobachtet werden. Auf der Kreditseite gehe es darum, die Vorteile so schnell als möglich zur Verfügung zu stellen. Die konkreten Zinssätze werden sich am Euribor orientieren, der sich weiter nach unten bewegen sollte. "Jetzt ist die Zeit fürs Investieren da", so ein Sprecher der Bank.

Auch die Bank Austria wartet bei den Sparzinsen vorerst ab. Bei den Kreditzinsen sei die Europäische Zentralbank sowieso nicht das "Maß aller Dinge", diese würden sich an den Referenzzinssatz des Euribor orientieren. (as, APA, DER STANDARD, Printausgabe, 6.3.2009)

  • Artikelbild
    grafik: der standard
Share if you care.