Alterskennzeichnung bei Games ist kontraproduktiv

5. März 2009, 14:35
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PEGI-System lässt ungeeignete Spiele als "verbotene Früchte" dastehen

Restriktive Alterskennzeichnungen auf den Verpackungen von Computer- und Videospielen haben einen kontraproduktiven Effekt. Anstatt Kinder und Jugendliche von ungeeigneten Inhalten wie Gewalt, Schimpfwörtern, Angst, Drogen, Sex, Glücksspiel oder Diskriminierung fern zu halten, erhöhen sie lediglich den Anreiz für minderjährige Nutzer, sich das nur für Erwachsene freigegebene Material zu besorgen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung eines holländisch-amerikanischen Forscherteams, die in der aktuellen Ausgabe 123 des Journals der American Academy of Pediatrics (AAP) veröffentlicht worden ist. Obwohl das Pan European Game Information System (PEGI) dazu entwickelt worden sei, um Jugendliche vor anstößigen Inhalten zu schützen, lasse es Spiele eher als "verbotene Früchte" dastehen, kritisieren die Studienautoren.

Notwendig

"Eine Alterskennzeichnung für Computerspiele ist ein wichtiges und notwendiges Mittel der Information. Es stimmt natürlich, dass alles, was verboten ist, besonders interessant für Kinder und Jugendliche ist. Dieses Problem gilt nicht nur für Videospiele, sondern auch für Musik und andere Bereiche", stellt Niki Laber, Präsident des Österreichischen Verbands für Unterhaltungssoftware (ÖVUS), im Gespräch mit pressetext fest. Alterskennzeichnungen seien in erster Linie für den Handel und die Erziehungsberechtigten wichtig. "Eltern, die in diesem Zusammenhang einen großen Teil der Verantwortung tragen, müssen klar erkennen, dass ein bestimmter Titel nicht für gewisse Zielgruppen geeignet ist. Gleichzeitig ist eine Kennzeichnung auch für den Händler wichtig, der so sofort weiß, ob er ein Spiel an einen Kunden verkaufen darf oder nicht", fasst Laber zusammen. Ein perfektes System, werde es nie geben, dennoch sei es wichtig, dass eine Alterskennzeichnung auf den Produkten ersichtlich ist. "Auf internationaler Ebene wird kontinuierlich an der Verbesserung des PEGI-Systems gearbeitet. Die nächste Überarbeitung ist bereits im Gange", so Laber.

Nicht geeignet

Im Rahmen der aktuell veröffentlichten Studie untersuchten die Wissenschaftler die Wirkung der auf der Verpackungsrückseite von Computer- und Videospielen angebrachten PEGI-Kennzeichnungen auf insgesamt 310 holländische Kinder und Jugendliche. Die Testpersonen im Alter zwischen sieben und 17 Jahren mussten dabei nach der Begutachtung verschiedener Spieleverpackungen angeben, wie sehr sie die jeweiligen Games haben wollen. Dabei zeigte sich, dass sich die Jungen und Mädchen gerade von jenen Titeln begeistert zeigten, die durch PEGI-Symbole eigentlich als für sie nicht geeignet eingestuft worden waren.

Das PEGI-System zur Vergabe von Altersempfehlungen wurde eingeführt, um Eltern in Europa beim Kauf von Computerspielen wichtige Informationen zur Hand zu geben. Es trat im Frühjahr 2003 in Kraft und ersetzte verschiedene nationale Altersempfehlungssysteme durch ein einzelnes, das nun in nahezu ganz Europa Anwendung findet. Lediglich in Deutschland gelten weiterhin die verbindlichen Altersempfehlungen der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK). Das PEGI-System wird von den wichtigsten Videospielkonsolenherstellern wie Sony, Microsoft und Nintendo ebenso unterstützt wie von Publishern und Spieleentwicklern und wurde durch die Interactive Software Federation of Europe (ISFE) entwickelt. (pte)

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