Alternative Maßnahmen

5. März 2009, 14:34
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Währungshüter können von der klassischen Zins- auf eine Geldmengenpolitik umstellen

Frankfurt - Im Kampf gegen die Rezession drehen die Notenbanken weltweit an der Zinsschraube. Wenn sie bei nahe null oder sogar null Prozent angelangt sind, sind die Währungshüter jedoch mit ihrem Latein noch keineswegs am Ende. Sie können jederzeit von der klassischen Zins- auf eine Geldmengenpolitik umstellen - im Fachjargon "quantitative easing" (quantitative Lockerung) genannt.

Dabei steuert die Zentralbank die Wirtschaft nicht mehr über den Zins, zu dem sie dem Finanzsektor Geld zur Verfügung stellt, sondern erhöht die Geldmenge aktiv. Dazu kauft sie in großem Stil Wertpapiere von den Banken an, in der Regel Staatsanleihen, aber auch Schuldtitel von Unternehmen oder sogar Aktien. Die Banken bekommen dafür im Gegenzug bei der Zentralbank ein Guthaben, auf dessen Basis sie Geld als Kredit an Unternehmen und Haushalte weiter verleihen können. Die Zentralbank verfolgt mit "quantitative easing" also in erster Linie das Ziel, eine Kreditklemme zu verhindern.

"Pionierarbeit" auf dem Gebiet des "quantitative easing" leistete zu Beginn des Jahrzehnts bereits Japans Notenbank, die auf die langjährige Wirtschaftsflaute und Deflation in den 90er Jahren reagierte. Sie weitete die Liquidität massiv aus, was zu mehr Krediten führte und die Wirtschaft wieder etwas in Schwung brachte. Japan war nach dem Ende eines Börsen- und Immobilienbooms Anfang der 90er Jahre in eine tiefe Rezession abgerutscht, gefolgt von einer Phase der Deflation. Der Leitzins sank Schritt für Schritt auf fast null Prozent und fiel damit als normalerweise schärfste Waffe der Geldpolitik aus.

Nachfolgend eine Übersicht über Notenbanken, deren Leitzins nahe null Prozent liegt, und die deshalb über eine alternative Geldpolitik nachdenken oder diese bereits praktizieren:

US-Notenbank Federal Reserve

Fed-Chef Ben Bernanke hat zwar zuletzt wiederholt klar gemacht, dass er zum Kauf von Staatsanleihen und damit zum klassischen "quantitative easing" bereit ist, allerdings hat er der Ankündigung noch keine Taten folgen lassen. Seit vergangenem Herbst kauft die US-Notenbank jedoch bereits Commercial Papers auf und stützt damit den Markt für die kurzfristige Refinanzierung vieler US-Unternehmen. Dieser war auf dem Höhepunkt der Finanzkrise praktisch ausgetrocknet. Das aktuelle Ankaufprogramm läuft noch bis Ende Oktober dieses Jahres. Seit Jänner kauft die Fed darüber hinaus Schuldtitel der drei wichtigsten Immobilienfinanzierer Fannie Mae, Freddie Mac und der Federal Home Loan Bank in einem Volumen von bis zu 100 Mrd. Dollar (79,6 Mrd. Euro) an.

Zusätzlich kauft die Notenbank zur Stützung des Immobilienmarktes, von dem die Finanzkrise 2007 ihren Anfang genommen hatte, weitere hypothekenunterlegte Papiere von bis zu 500 Mrd. Dollar. Darüber hinaus will die Fed ab dem 25. März direkt Kredite an Haushalte und kleine Firmen vergeben. Zusätzlich stehen eine Billion Dollar für den Ankauf weiterer Kreditpapiere zur Verfügung, um Darlehen an Studenten zu ermöglichen und Kreditkartenfirmen zu stützen. Diese Programme sind befristet bis Ende Dezember. Verluste würde das Finanzministerium in einem Umfang von bis zu 100 Mrd. Dollar übernehmen.

Bank of England

Die britische Notenbank hat Mitte Februar damit begonnen Unternehmensanleihen, Commercial Papers und weitere Papiere in einem Volumen von bis zu 50 Mrd. Pfund anzukaufen. Am Donnerstag kündigte sie zudem an, dass sie den Banken mittel- und langlaufende Staatsanleihen im Volumen von bis zu 75 Mrd. Pfund abkaufen wird. Finanzminister Alistair Darling hat der Zentralbank zunächst einen Verfügungsrahmen von 150 Mrd. Pfund für derartige Geschäfte eingeräumt. Der Leitzins in Großbritannien, das besonders hart unter der Krise leidet, liegt bei nur noch einem halben Prozent.

Bank of Japan

Japans Zentralbank hat angekündigt den Geschäftsbanken Aktien aus ihren Beständen im Gesamtwert von bis zu einer Billion Yen (8 Mrd. Euro) abkaufen zu wollen. Dadurch soll die Kapitalbasis der Institute verbessert werden. Verkaufen will die Notenbank die übernommenen Aktien nach derzeitigen Planungen zwischen 2012 und 2018. Der Leitzins in Japan liegt seit Jahren nahe null Prozent. Japan gilt als wichtiges Vorbild einer Geldpolitik der "quantitativen Lockerung".

Bank of Israel

Israels Notenbank hat angekündigt Staatsanleihen verschiedener Arten und Laufzeiten auf dem Kapitalmarkt kaufen zu wollen. Das auf diese Weise in den Finanzkreislauf gepumpte Geld soll Kreditinstitute, Firmen und Haushalte in der Krise entlasten. Ob die Notenbank auch Unternehmensleihen ankaufen wird, ließ Zentralbank-Gouverneur Stanley Fisher bisher offen.

Europäische Zentralbank

Die EZB, die ihren Leitzins heute wie erwartet von 2,0 auf 1,5 Prozent gesenkt hat, hat noch keine Schritte in Richtung "quantitative easing" angekündigt. Da der Leitzins in der Euro-Zone im Vergleich etwa zu den USA oder Japan relativ weit von der Null-Linie entfernt ist, ist die EZB noch nicht unter ähnlich hohem Druck wie andere Notenbanken. Analysten erwarten in den kommenden Monaten auch von den Hütern des Euro erste Hinweise in Richtung einer alternativen Geldpolitik. Die beiden Notenbankchefs Deutschlands und Frankreichs, Axel Weber und Christian Noyer, hatten zuletzt erklärt, die EZB prüfe den Ankauf von Commercial Paper. (APA/Reuters)

 

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