Das Auto ist tot - es lebe das Auto

    5. März 2009, 16:57
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    Die Genfer Premierenflut ließe darauf schließen, dass in der Autowelt alles bestens läuft. Aber die Novitäten wurden lang vor der Krise geplant

    "Bis das Elektro-Auto wirklich zu absatztechnisch nennenswerter Verbreitung kommt, wird es noch mindestens bis Mitte des kommenden Jahrzehnts dauern."

    Man muss VW-Konzernchef Martin Winterkorn für die klaren Worte danken, welche die augenblickliche E-Euphorie in realistischere Bahnen lenken.

     

    Elektrisierend aber noch nicht darstellbar

    Denn auch, wenn mittlerweile fast jeder Hersteller am elektrisierenden Thema arbeitet und viele in Genf ihre Vorschläge auch schon ins Rampenlicht schieben: Zunächst einmal geht es zuallermeist umgrößere Pilotversuche und kleinere Sonderserien von (Stadt-)Autos - auch kostenseitig wäre so ein Fahrzeug (von sympathischen, aber eben sauteuren Exoten wie Tesla einmal abgesehen), heute überhaupt noch nicht darstellbar.

    Anders gesagt: Nicht nur muss die Branche die (Batterien-)Technik für die echte alltagstaugliche Massenfertigung erst noch in den Griff bekommen, sondern auch die Preise so weit runterbekommen, dass die Leute die Autos dann auch kaufen können/wollen.

     

    Alternative Antriebe

    Dass sich in Bezug auf alternative Antriebe (Hybrid etwa) und umweltfreundliche, immer sparsamere Verbrennungsmotoren enorm was tut, ist allerdings am Genfer Salon - wo man's bei den Fahrzeugpräsentationen wieder ein bisserl ruhiger angeht (gut, die Krawallstoppeln bei Mini stemmen sich konsequent gegen den Mainstream) als in den vergangenen Jahren - unübersehbar.

    Kehrseite der Medaille: Das Angebot an Öko-Themen ist mittlerweile verwirrend vielfältig. Jedenfalls sieht man die Krise auch als Chance (Winterkorn: "Das Automobil hat seine besten Zeiten noch vor sich."), die Branche erfindet sich gerade praktisch neu, und so könnte man salopp resümieren: Das Auto ist tot - es lebe das Auto.

     

    Die Zukunft des Automobils ist grün

    Was uns sonst noch aufgefallen ist an den Pressetagen am Palexpo-Gelände: Die Veranstalter haben zusätzlich einen "grünen Pavillon" eingerichtet, in dem es noch einmal und ausschließlich um die "saubere und umweltfreundliche Zukunft des Automobils" geht. Ganz ehrlich? Entbehrlich.

    Unter den 85 Welt- und Europa-Premieren am Pkw-Sektor sind diesmal Kleinwagen (Highlights: VWPolo, Fiat 500 Cabrio, AlfaMito GTA, Mini Cabrio John Cooper Works) und das Luxus-Top-Segment (Maybach Zeppelin, Rolls-Royce 200EX, Bentley Continental Supersports) stark vertreten.

     

    Die schönsten Neulinge

    Da ist es auch zum womöglich schönsten Neuling nicht weit, dem Mercedes E-Klasse Coupé. Bei den Cabrios wären außer Fiats 500C noch der Peugeot 308 CC sowie das elegante Audi A4 Cabriolet zu nennen.

    Fasst man jedoch Kombis, Vans, SUVs und Crossover generell als Großraum-Kategorie zusammen, dann hat die mit ihren zahlreichen Weltpremieren (und meist schon recht seriennahen Studien) den prominentesten Auftritt amLac Léman.

    > Kombis: Renault Mégane Grandtour, Seat Exeo ST.

    > Vans: Renault Scénic/Grand Scénic, Toyota Verso, Ford Iosis Max (Konzept).

    > SUVs: Skoda Yeti, Lexus RX 450h.

    > Crossover: Skoda Fabia Scout, Peugeot 3008, Saab 9-3X, Audi A4 Allroad quattro sowie der ebenso vielversprechende wie heiß diskutierte BMW Konzept 5er GT.

    (Andreas Stockinger/DER STANDARD/Automobil/6.3.2009)

    • Absatztechnisch ist der neue VW Polo eine der wichtigsten Salonneuheiten. Optisch am Golf orientiert, will er ein Umweltmusterknabe sein. Ab Ende Juni, ab 12.990 €.
      foto: andreas stockinger

      Absatztechnisch ist der neue VW Polo eine der wichtigsten Salonneuheiten. Optisch am Golf orientiert, will er ein Umweltmusterknabe sein. Ab Ende Juni, ab 12.990 €.

    • Die attraktivste Form, E-Klasse zu fahren, heißt ab Mai E-Klasse Coupé. Der bildschöne Zweitürer ersetzt den CLK . Leistung: 204 bis 388 PS. Preise: 48.792 bis 58.592 €.
      foto: andreas stockinger

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    • Renault legt den Kompaktvan-Trendsetter neu auf: Scénic und Grand Scénic (Bild). Ab 14. Mai, ab ca. 21.500 €.
      foto: andreas stockinger

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    • Scénic-Konkurrenz von Toyota: Der Nachfolger des Corolla Verso heißt einfach Verso. Ab Ende April erhältlich.
      foto: andreas stockinger

      Scénic-Konkurrenz von Toyota: Der Nachfolger des Corolla Verso heißt einfach Verso. Ab Ende April erhältlich.

    • Ein möglicher Gegner von Peugeot: Der 3008 (ab Juni), der allerdings ein Crossover und kein Van sein soll.
      foto: andreas stockinger

      Ein möglicher Gegner von Peugeot: Der 3008 (ab Juni), der allerdings ein Crossover und kein Van sein soll.

    • RX450h. Das "h" steht für Hybrid. Als solcher kommt der SUV ab Mai in zweiter Generation. Soll mehr leisten und weniger verbrauchen als der Alte.
      foto: andreas stockinger

      RX450h. Das "h" steht für Hybrid. Als solcher kommt der SUV ab Mai in zweiter Generation. Soll mehr leisten und weniger verbrauchen als der Alte.

    • Der ab Herbst erhältliche Skoda-SUV namens Yeti wird die Szene vermutlich gehörig aufmischen.
      foto: andreas stockinger

      Der ab Herbst erhältliche Skoda-SUV namens Yeti wird die Szene vermutlich gehörig aufmischen.

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