Cuche im Kvitfjell-Training spitze

5. März 2009, 13:38
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Der Schweizer war Schnellster im einzigen Abfahrtstraining. Maier auf Platz vier, Kröll auf sieben - Walchhofer stürzte

Kvitfjell - Fünf Speed-Rennen in einer Woche - das Finale im alpinen Ski-Weltcup der Herren im hohen Norden ist ganz nach dem Geschmack von Michael Walchhofer. Der Salzburger, der einen Sturz im einzigen Training am Donnerstag mit einem Lachen wegwischte, geht mit 310 Punkten als Führender im Abfahrtsweltcup vor dem Schweizer Didier Defago (298) auf die kleine Kristallkugel los, die auch für seinen Landmann Klaus Kröll (Trainings-7./275) absolut in Reichweite ist. Bester Österreicher im Training war Hermann Maier als Vierter.

Doppele Sieganwartschaft angemeldet hat aber der Schweizer Didier Cuche, der mit Trainingsbestzeit vor Lokalmatador Aksel Lund Svindal (0,11 Sekunden zurück) nicht nur auf den ersten Saisonsieg in der Abfahrt losgeht, sondern im Gesamtweltcup weiter aufholen will. Benjamin Raich, der am Donnerstag 3,47 Sekunden Rückstand aufriss, hofft deshalb auch auf Schützenhilfe seiner Teamkollegen, die natürlich auch aus eigenem Interesse gerne dazu bereit sind, Cuche den Sieg streitig zu machen.

"Jeder will der Schnellste sein, damit macht er sich selbst ein großes Geschenk und mir somit auch", sagte der Pitztaler Raich, der im Rennen um die Große Kugel zwei Punkte hinter dem Kroaten Ivica Kostelic liegt (im Training einen Platz vor Raich), sowie 42 vor dem Franzosen Jean-Baptiste Grange, der auf ein Antreten in Kvitfjell verzichtet, 84 vor Svindal und 108 vor Cuche. Das Ziel des 31-Jährigen in den Abfahrten sind Top-15-Plätze. "Ich werde alles probieren, ich bin hier schon mal ganz gut gefahren und hoffe, das ich mich bis morgen steigern kann", meinte Raich.

Walchhofer war in exakt jener Kurve, in der er am Donnerstag rausrutschte, bereits 2005 einmal gestürzt, damals ging es nicht so glimpflich aus wie am Donnerstag, als er aufstand, rennmäßig ins Ziel fuhr und mit einem Lachen im Gesicht ein "peinlich ist das" murmelte. "Der Tenor war, dass es sehr langsam ist, ich habe die Situation unterschätzt", gestand der Österreicher, der bis zur Sturzstelle sehr gut unterwegs gewesen war.

Am Donnerstag war Walchhofer unverletzt geblieben, vor vier Jahren war eine Seitenbandverletzung im rechten Knie wieder akut geworden, er hatte tags darauf auf den Super-G, den Hermann Maier gewann, verzichten müssen. Beim Finale auf der Lenzerheide war Walchhofer aber wieder mit dabei und holte sich die Abfahrtskugel. Die will er auch heuer haben, es wäre seine dritte: "Für mich geht das Finale am Freitag los, drei Abfahrten und zwei Super-G - und es ist noch vieles möglich." Dass er mit einem Sieg Cuche Punkte nehmen und somit auch Raich helfen kann, sieht er als positiven Nebeneffekt. "Mache ich gerne. Und hoffentlich nicht umsonst."

Auch Kröll will seine Kugel-Chance nutzen, im Vorjahr war er als jeweils bester Österreicher in den Kvitfjell-Abfahrten auf den Plätzen drei und vier gelandet. Der Steirer fährt nach dem Bruch von drei Handwurzelknochen in Wengen nun bereits ohne Schiene. "So weit ist alles verheilt, die Kraft ist aber noch nicht hundertprozentig da", erklärte Kröll. Der Gewinner des Super-G in Kitzbühel ist "voll motiviert" für das Saisonfinale, er hofft noch, dass die Piste bis zum Rennen am Freitag kompakter und eine Spur härter wird. "Mein großes Ziel hier ist, eine der Abfahrten zu gewinnen, dann kommt das andere eh von alleine."

Maier: "So gesund wie die ganze Saison nicht"

"Für einen Trainingslauf sehr gut unterwegs" war Hermann Maier, der sich mit den Abfahrten auch auf den Super-G am Sonntag einstimmen will, in dem es für ihn noch um das kleine Kristall geht. Christoph Gruber hatte als Trainingszwölfter die drittschnellste Zeit eines Österreichers aufgestellt, er kommt mit dem neuen Material immer besser zurecht und sieht jedes Rennen zugleich auch als Materialtest, der ihm für die kommenden Saison nützlich ist. "In der Abfahrt habe ich einen Schritt nach vorne gemacht, für diese Saison versuche ich zu retten, was noch zu retten ist", meinte der Tiroler.

So gesund wie jetzt war ich die ganze Saison über nicht, es wäre schön, würde es jetzt erst losgehen und ein Garmisch-Rennen vor der Tür stehen", sagte also Maier, der der verpassten Chance auf den ersten Abfahrtssieg seit 28. Jänner 2006 (ebenfalls in Garmisch-Partenkirchen) immer noch ein wenig nachtrauert. Nicht ausgeschlossen, dass er im Garmisch-Ersatzrennen am Freitag zuschlägt, hat er in Kvitfjell doch im Laufe seiner Karriere fünf Siege gefeiert und dabei zweimal das Double geschafft (2001 und 2005). "Ich habe gute Erinnerungen. Es ist alles möglich, aber es wird schwierig. Die Zeitabstände sind hier immer knapp", weiß Maier. (APA)

Ergebnisse vom Ski-Weltcup-Abfahrtstraining 
der Herren am Donnerstag in Kvitfjell:


1. Didier Cuche (SUI) 1:49,22 Min.
2. Aksel Lund Svindal (NOR) 0,11 Sek.
3. Werner Heel (ITA) 0,53
4. Hermann Maier (AUT) 0,57
. Didier Defago (SUI) 0,57
6. Erik Guay (CAN) 0,63
7. Klaus Kröll (AUT) 0,64
8. Manuel Osborne-Paradis (CAN) 0,75
9. Marco Büchel (LIE) 0,76
10. Yannick Bertrand (FRA) 0,87
weiter:
12. Christoph Gruber (AUT) 1,12
20. Georg Streitberger (AUT) 1,86
25. Romed Baumann (AUT) 2,15
26. Peter Struger (AUT) 2,19
41. Ivica Kostelic (CRO) 3,33
42. Benjamin Raich (AUT) 3,47
46. Christoph Alster (AUT) 3,63
48. Stephan Görgl (AUT) 3,64
53. Joachim Puchner (AUT) 4,20
54. Hannes Reichelt (AUT) 4,24
63. Michael Walchhofer (AUT) 6,29
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Abfahrer Cuche erzielte im Kvitfjell-Training die Bestzeit.

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