Frauenerwerbsquote steigend

5. März 2009, 11:25

Am besten bezahlt werden sie in Kredit und Versicherung sowie öffentliche Verwaltung

Wien - Die Zahl der berufstätigen Frauen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Während im Jahr 2000 1,38 Millionen Frauen in Beschäftigung standen, waren es 2008 bereits 1,59 Millionen, geht aus Unterlagen des Arbeitsmarktservice (AMS) hervor.

Dienstleistung und Teilzeit

Im Februar 2009 ist die Beschäftigung insgesamt in Österreich erstmals seit 2002 zurückgegangen. Trotzdem ist die Frauenbeschäftigung gestiegen. Zurückzuführen sei die steigende Frauenbeschäftigung darauf, dass Frauen vor allem im wachsenden Dienstleistungssektor tätig sind. Die hohe Beschäftigungsquote sei auch zu einem großen Teil auf das Anwachsen der Teilzeitjobs zurückzuführen, erklärte Hilde Stockhammer, Leiterin der Abteilung Arbeitsmarktpolitik für Frauen beim Arbeitsmarktservice (AMS).

AMS-Zahlen

Ebenso wie die Zahl der beschäftigten Frauen ist auch die Erwerbsquote in den letzten Jahren fortlaufend gestiegen: 2002 belief sich die Frauenerwerbsquote auf 60,8 Prozent (Anteil aller Erwerbspersonen an der Bevölkerung 15 bis 60 Jahre), 2006 auf 63,2 Prozent und 2007 lag sie bei 63,8 Prozent. Zum Vergleich: Die Erwerbsquote bei Männern betrug im Jahr 2007 77,4 Prozent.

Die höchste Erwerbsquote liegt mit 81,5 Prozent bei Frauen zwischen 25 und 30 Jahren. Zwischen 30 und 40 Jahren gibt es hingegen einen Einbruch auf 77,2 Prozent, danach steigt der Anteil der erwerbstätigen Frauen wieder an. Ab einem Alter von 55 Jahren beläuft sich die Erwerbsquote nur noch auf 38,5 Prozent.

Im Jänner dieses Jahres waren 1,59 Millionen Frauen in Beschäftigung (plus 1,3 Prozent im Vorjahresvergleich). Insgesamt wurde im ersten Monat 2009 im Vergleich zum Jänner des Vorjahres nur noch ein leichtes Plus von 0,2 Prozent bei der Beschäftigung verzeichnet, bei den Männern ging die Zahl überhaupt um 0,8 Prozent zurück (minus 14.630 auf 1.745.779 beschäftigte Männer). Prekärer sind unter dem Einfluss der Wirtschaftskrise die Zahlen für Februar: Insgesamt gibt es bei der Beschäftigung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Minus von 0,7 Prozent (minus 24.530 auf 3.338.660 Beschäftigte), bei Männern beläuft sich das Minus auf 2,2 Prozent. Bei der Frauenbeschäftigung wurde im Februar noch ein hauchdünnes Plus von 0,9 Prozent (plus 13.989 auf 1.593.151) verzeichnet, im gesamten Jahr 2008 ein Anstieg um 2,8 Prozent (plus 43.925) auf 1.589.982.

Die Zahl der unselbstständig beschäftigten Männern ist im Vorjahr nur um 1,8 Prozent (plus 32.530) auf 1.830.513 gestiegen. 2008 waren durchschnittlich 93.442 Frauen und 118.811 Männer arbeitslos. Die Arbeitslosenquote der Frauen lag mit 5,6 Prozent etwas unter jener der Männer mit 5,8 Prozent.

"Hohe Frauenbeschäftigung nicht immer gleich niedrige Einkommen"

Dass eine hohe Frauenbeschäftigungsquote nicht automatisch niedrige Einkommen bedeutet, zeigt eine Studie der Synthesis Forschungsgemeinschaft auf: "Die Standardformel 'hohe Frauenbeschäftigung, niedrige Einkommen' stimmt nicht generell. In den Bereichen Kredit und Versicherung, Energie- und Wasserversorgung sowie öffentliche Verwaltung ist der Beschäftigungsanteil von Frauen hoch. Offenbar haben diese Unternehmen erkannt, dass Frauen ein wichtiges Potenzial sind und sie sind auch bereit, ihnen ein gutes Einkommen zu zahlen", so Stockhammer.

Flexible Arbeitszeiten wichtig

Für die Studie wurden Arbeitsplätze danach geordnet, ob sie überdurchschnittliche berufliche Stabilität und Einkommenschancen bieten. 31 Prozent dieser Arbeitsplätze sind von Frauen besetzt. Ein wichtiger Punkt, auf den Frauen bei der Wahl des Unternehmens Wert legen, seien flexible Arbeitszeiten - im Interesse der Familien, so Stockhammer. Auch das Arbeitsklima im Betrieb sei für das weibliche Geschlecht entscheidend.

Teilzeit sei für viele Frauen die einzige Möglichkeit, wieder in den Beruf einzusteigen und wird oft genutzt, um später wieder Vollzeit einzusteigen. Allerdings müssen Betroffene nicht selten die Branche oder den Beruf komplett wechseln und werden unter ihrer Qualifikation eingesetzt, stellte sie fest.

(Aus)Bildunsvorsprung

Bekannt sei, dass eine höhere Qualifikation auch höhere Chancen auf dem Arbeitsmarkt bedeutet: "Frauen haben da sehr aufgeholt und sind bereits teilweise vor den Männern. Das ist auch am Arbeitsmarkt umzusetzen, das muss eingefordert werden und auch entsprechend gezahlt werden." Im Alterssegment von 20 bis 24 haben etwa mehr Frauen (85,4 Prozent) als Männer (82,7 Prozent) eine mittlere oder höhere Schule abgeschlossen. Auch bei den Hochschul-Abschlüssen sind die Frauen mit 13,7 Prozent führend (Männer: 12,9 Prozent).

Untersuchungen würden auch belegen, dass Frauen stärker von Qualifizierungsmaßnahmen profitieren als Männer, erklärte Stockhammer. So würden sie etwa nach einer Schulung durchschnittlich auf mehr Beschäftigungstage und ein höheres Gehalt kommen. "Dadurch schließt sich ein bisschen der Gender-Gap", so Stockhammer. Denn trotz des zunehmenden Engagements der Frauen am Arbeitsmarkt sei noch keine Chancengleichheit gegeben: "Der Einkommensunterschied zieht sich durch. Es gibt aber Betriebe und Arbeitsplätze, wo auch Frauen gute Einkommen erzielen können." (APA)

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    Unselbstständig beschäftigte Frauen und Männer 2000-2009

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