Einsturzgefahr behindert Suchtrupps

5. März 2009, 16:37
posten

Wenig Hoffnung in Köln, dass zwei Verschüttete noch lebend geborgen werden können

Köln - Zwei Tage nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs haben Helfer am Donnerstag unter schwierigsten Bedingungen die Arbeiten an der Unglücksstelle fortgesetzt. Die Suche nach zwei mutmaßlich Verschütteten könne angesichts weiter einsturzgefährdeter Nachbargebäude wohl erst am späten Abend beginnen, teilte die Feuerwehr mit. Zur Rettung der verschütteten Dokumente sollte noch am Donnerstag ein Notdach über dem Trümmerberg errichtet werden.

Wegen der statisch instabilen Lage des betroffenen Häuserblocks in der Kölner Südstadt konnten die Einsatzkräfte bis zum Donnerstagnachmittag noch nicht zu der Stelle vordringen, an der die beiden vermissten jungen Anrainer womöglich verschüttet sind. "Große Hoffnungen, dass wir hier noch irgendjemanden lebend finden können, haben wir alle nicht", sagte Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU).

Die beiden Männer hatten im Dachgeschoß eines der beiden Häuser gewohnt, die das einstürzende Archivgebäude am frühen Dienstagnachmittag teilweise mit die Tiefe gerissen hatte. Ursache des Unglücks war nach bisherigen Erkenntnissen das Eindringen von Erdreich und Wasser in einen 28 Meter tiefen Schacht der U-Bahn-Baustelle vor dem Häuserblock. Durch den unterirdischen Erdrutsch war offenbar der Boden unter dem Fundament des Archivgebäudes weggesackt.

Die Feuerwehr hatte zwar in der Nacht auf Donnerstag eine der beiden Häuserruinen abtragen können. Um mit schwerem Abbruchgerät an den zweiten Hausrest zu gelangen, waren laut Feuerwehr jedoch umfangreiche Abbrucharbeiten an der Rückfront des Häuserblocks nötig, die am Nachmittag noch andauerten. Zugleich nahmen die Feuerwehrleute den Bau des Notdachs über dem mit Planen abgedeckten Trümmerberg in Angriff. Das Dach soll zum Schutz der verschütteten Archiv-Dokumente beitragen. In Köln setzte am Donnerstag Dauerregen ein.

Ob nach dem verheerenden Unglück noch ein weiteres Haus abgerissen werden muss, wird sich nach Angaben der Feuerwehr in den kommenden Tagen entscheiden. Nach dem Unglück hatten laut Stadtverwaltung insgesamt 111 Personen ihre Wohnungen verlassen müssen, außerdem 76 Bewohner eines benachbarten Altenheimes. Diese sollten am Wochenende wieder in ihre vertraute Wohnumgebung zurückkehren.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) machte sich am Donnerstag ein Bild von den Arbeiten am Unglücksort: "Das berührt einen schon. Man steht vor einem Schutthaufen und weiß, dass da unten Menschen liegen." Mit Blick auf möglicherweise verloren gegangene Schätze des Kölner Stadtarchivs sprach Rüttgers von einer "kulturellen Katastrophe".

Die Bauindustrie setzte sich unterdessen gegen Kritik an deutschen Tunnelbaumaßnahmen zur Wehr. Bei aller Dramatik der Ereignisse in Köln seien "populistische und voreilige Schnellschüsse" unangebracht, erklärte der Vizepräsident Technik des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Manfred Nußbaumer, in Berlin. Erst einmal sei abzuwarten, welche Umstände tatsächlich zum Gebäudeeinsturz geführt hätten.

Mit Blick auf die verschütteten Dokumente des bedeutenden Kölner Stadtarchivs boten die Archivleiter von Lübeck, Bremen und Hamburg ihren Kölner Kollegen Hilfe an. "Sollten die Verluste in Köln so umfangreich sein, wie man befürchten muss, wäre dies der sicher größte Verlust von Kulturgut seit dem Zweiten Weltkrieg", hieß es es in einer in Bremen verbreiteten gemeinsamen Erklärung. (APA/AFP)

Share if you care.