Sie kann so nicht arbeiten

5. März 2009, 09:57
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Schmied geht, wenn es ihr reicht - Mehr angstfrei agierende PolitikerInnen und LehrerInnen wären wünschenswert - Von Katrin Burgstaller

Ganz unabhängig davon, was man von Unterrichtsministerin Claudia Schmieds Idee einer Erhöhung der Unterrichtszeit hält: Dass sie jetzt ihren Rücktritt ankündigt, wenn sie keine "offensive Bildungspolitik" betreiben kann, ist schon bemerkenswert.

Dieser Schritt zeugt von einem Selbstbewusstsein, das bei klassischen Berufspolitikern wohl kaum zu finden ist. Während sich die Quereinsteigerin Claudia Schmied auch in der Privatwirtschaft bewiesen hat und sich wohl keine Sorge um einen adäquaten Job-Ersatz machen muss, agieren andere PolitikerInnen wie gelähmt. Wer quasi von der Wiege bis voraussichtlich zur Bahre Politiker ist, war und bleibt, tut sich meist schwer, einen anderen Job auf selben Gehaltsniveau zu finden. Angst vor dem Jobverlust kann nicht nur das einfache Volk lähmen, sondern auch unsere SpitzenpolitikerInnen. Wie viele MinisterInnen haben sich wohl gebeugt, um ihre Chancen zu erhöhen, auch bei der nächsten Legislaturperiode dabei zu sein?

Wie viele Entscheidungen wurden aufgrund ihrer Mutlosigkeit auf die lange Bank geschoben? Darüber lässt sich leider nur mutmaßen. Bisher ist Schmied mit ihrem Selbstbewusstsein gut gefahren. Gegen Alfred Gusenbauer hat sie ihren Favoriten als Staatsoperndirektor durchgesetzt. Im Gegensatz zu ihm gehört sie auch dem neuen (noch) Regierungsteam an.

Finanzminister Pröll findet Schmieds Vorgangsweise jetzt "eigenartig" und verlangt mehr "Krisenfestigkeit". Das klingt nach Majestät, die sich beleidigt fühlt. Oder nach jemand, dem Schmieds Courage nicht ganz geheuer ist.  Genauso gut hätte er fragen können: "Ja, darf sie das denn überhaupt?" Ja, das darf sie. Denn die Unterrichtsministerin zeigt auf, dass man in der Politik auch mal ein bisschen mutig sein darf. Dass eine Politikerin ankündigt zu gehen, wenn es ihr reicht, ist jedenfalls ein Novum, das zu begrüßen ist. Schlimm genug, dass ein konsequenter Politik-Stil für Österreich so ungewöhnlich ist. Bleibt nur abzuwarten, ob Schmied konsequent bleibt. Dass Politiker zuerst sagen, "es reicht" und dann trotzdem weitermachen, ist ja hinlänglich bekannt.

Schmieds Freiheit, angstfrei zu agieren, wäre übrigens auch für unsere LehrerInnen wünschenswert. Denn ihnen bleibt meist keine Alternative zum Pädagogendasein. (Katrin Burgstaller/derStandard.at, 5. März 2009)

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