Lenzing muss Federn lassen

5. März 2009, 08:50
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Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern sank 2008 um fast 20 Prozent auf 130,3 Millionen Euro, der Umsatz stieg leicht

Wien - Der börsenotierte Faserhersteller Lenzing hat die Finanzkrise in Form von Gewinneinbrüchen bereits 2008 deutlich zu spüren bekommen. Die Dividende wackelt - sie wird entweder gekürzt oder sogar gestrichen. "Beide Dinge sind nun in sehr enger Überlegung", sagte der neue Lenzing-Chef Peter Untersperger am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz. Die Entscheidung fällt so spät wie möglich, voraussichtlich Ende März. Im Vorjahr hatte Lenzing noch 14 Euro je Aktie ausbezahlt. 3,675 Millionen Aktien sind im Umlauf.

Für das laufende Geschäftsjahr sieht der Vorstand "keine nachhaltige Erholung des Marktes, weiterhin ein Faserüberangebot sowie eine Nachfragedeflation in allen Märkten". Das Konzernergebnis werde deutlich zurückgehen. "Wir müssen davon ausgehen, dass das deutlicher wird als 2008", sprach der Vorstandschef eine Gewinnwarnung aus.

Steigerung des Marktanteils

Der oberösterreichische Konzern konnte zwar vorläufigen Berechnungen zufolge seine Umsätze im Vorjahr um 5,4 Prozent auf 1,33 Mrd. Euro ausweiten und seinen weltweiten Marktanteil von etwas über 20 Prozent auf rund 23 Prozent steigern, doch die Gewinne brachen bereits 2008 deutlich ein. Das operative Ergebnis (EBIT) verschlechterte sich gegenüber dem Jahr davor um 19,7 Prozent auf 130,3 Mio. Euro, die EBIT-Marge verringerte sich von 12,9 auf 9,8 Prozent. Der Jahresüberschuss nach Minderheiten ging um 29,1 Prozent auf 77,7 Mio. Euro zurück. Der Gewinn je Aktie sank von 29,83 auf 21,15 Euro.

Weltweit sei die Faserproduktion im Vorjahr erstmals seit 1950 gesunken - um 4,6 Prozent auf 69 Mio. Tonnen, schilderte Untersperger die Lage. Die Faserpreise und -mengen seien massiv unter Druck geraten. Die Schlüsselmärkte China und Indien hätten die Produktion um 18 bzw. 25 Prozent zurückgefahren. Lenzing hingegen hat um 20.000 Tonnen mehr produziert als im Jahr davor.

Sparmaßnahmen

Lenzing will nun an allen Standorten sparen - etwa 100 der rund 6.000 Mitarbeiter weltweit wurden bereits gekündigt. Davon betroffen war der Kunststoffbereich an Standorten in Tschechien und Deutschland. Konkret verringerte sich die Zahl der Arbeitnehmer im Konzern (per Ende Dezember) von 6.043 auf 5.945.

In Österreich, wo der Faserkonzern rund die Hälfte seines Personals beschäftigt, seien "aus heutiger Sicht" aber weder Kurzarbeit noch Stellenstreichungen geplant, versicherte Untersperger. In Heiligenkreuz arbeiten rund 180 Beschäftigte, in Lenzing rund 2.820. Das erklärte Ziel seien 100 Prozent Auslastung am Standort Lenzing. "Wir können momentan aber über drei Monate nicht hinausschauen", räumte der Unternehmenschef ein.

Als "stabilisierende Aspekte" nannte Untersperger unter anderem die "starke Eigenkapitalsituation": 2008 erhöhte sich das bereinigte Eigenkapital zum Jahresultimo von 586,4 auf 604,7 Mio. Euro. Gleichzeitig stieg die Nettoverschuldung des Konzerns um 66,4 Prozent von 219,6 auf 365,4 Mio. Euro. Das Gearing (Verschuldungsgrad als Verhältnis zwischen Eigenkapital und Nettoverbindlichkeiten) verschlechterte sich von 37,4 auf 60,4 Prozent.

Die Investitionen wurden von 266,8 auf 165,9 Mio. Euro gesenkt. Bereits begonnene Investments werden den Angaben zufolge auf jeden Fall zu Ende geführt, sagte der Unternehmenschef. Im Zeitraum 2008 und 2009 ist ein Volumen von 180 Mio. Euro Dollar (143 Mio. Euro) budgetiert. Die Fertigung in Indonesien werde derzeit weiter ausgebaut. (APA)

  • Die sich zu Jahresbeginn 2009 vertiefende Rezession, ein
Faser-Überangebot und die weiterhin schwache private Nachfrage in den
westlichen Industriestaaten "verhindern vorerst eine nachhaltige
Erholung des Weltfasermarktes".
    foto: lenzing

    Die sich zu Jahresbeginn 2009 vertiefende Rezession, ein Faser-Überangebot und die weiterhin schwache private Nachfrage in den westlichen Industriestaaten "verhindern vorerst eine nachhaltige Erholung des Weltfasermarktes".

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