US-Reisfabrik wird verstaatlicht

5. März 2009, 15:38
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Nicht genügend Reis zu den staatlich festgelegten Preisen ausgegeben - Auch größte Privatfirma Polar unter Staatskontrolle

Caracas - Venezuela hat seinen Verstaatlichungskurs mit der Übernahme einer Tochterfirma des US-Lebensmittelriesen Cargill fortgesetzt. Präsident Chavez ordnete die Beschlagnahmung einer Reisfabrik an. Er warf Cargill vor, sich durch eine spezielle Produktionsweise den staatlichen Preiskontrollen zu entziehen. "Bereitet den Erlass vor. Wir werden Cargill enteignen", sagte Chavez am Mittwoch.

Cargill, eines der größten US-Unternehmen in Privatbesitz, betreibt in Venezuela 22 Standorte mit insgesamt etwa 2.000 Angestellten. Die betroffene Fabrik produziert den mit einem besonderen Verfahren hergestellten Parboiled-Reis. Unklar blieb, ob von den Enteignungsplänen auch die anderen Niederlassungen betroffen sind. Ein Cargill-Sprecher erklärte, das Unternehmen respektiere die Entscheidung von Chavez. Zugleich forderte er die venezolanische Regierung aber zu Gesprächen auf.

Überhöhte Preise

Vor einigen Tagen hatte Caracas bereits die Kontrolle mehrerer Reis-Fabriken der Firma Polar übernommen. Das größte Privatunternehmen des lateinamerikanischen Landes will gerichtlich dagegen vorgehen. Die Regierung drohte daher ebenfalls mit Enteignung. "Wenn sie einen Spaß mit uns treiben wollen, werden wir sie enteignen und mit Anleihen bezahlen", sagte Chavez. Der Präsident kritisiert Polar wegen überhöhter Reispreise und dass sich das Unternehmen nicht an die Vorgaben der Regierung halte.

Venezuela hat in der Vergangenheit bereits Firmen aus den Branchen Energie, Telekommunikation, Stahl und Zement in die Hand des Staats überführt. Dank sprudelnder Einnahmen aus den Ölexporten konnte er die Eigentümer zu einem angemessenen Preis herauskaufen. Doch mittlerweile hat sich Öl dramatisch verbilligt, was den finanziellen Spielraum von Chavez erheblich einschränkt. Die angekündigte Verstaatlichung der venezolanischen Tochter der spanischen Bank Santander verschiebt sich laut Branchen- und Regierungskreisen auf mindestens das kommende Jahr. (APA/Reuters)

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